Heilsarmee
Das sagt die Basler Heilsarmee zum Eurovision Song Contest

Am Samstag haben die Schweizer Fernsehzuschauer die Band der Heilsarmee zur Schweizer Vertretung am Eurovision Song Contest gewählt. Doch darf sie unter ihrem Namen und Mit Uniform teilnehmen? Markus Zünd von der Heilsarmee Basel sieht im Auftritt am ESC eine Chance. Die Uniform hält er aber für unverzichtbar.

Muriel Mercier
Merken
Drucken
Teilen
Die Heilsarmee sang sich mit «You and me» in der Entscheidungsshow am Samstag in die Herzen der TV-Zuschauer.

Die Heilsarmee sang sich mit «You and me» in der Entscheidungsshow am Samstag in die Herzen der TV-Zuschauer.

Walter Bieri/Keystone

Die Freude war riesig. Lang währte sie aber nicht. Am Samstag schickten die Schweizer Fernsehzuschauer die Band der Heilsarmee an den Eurovision Song Contest (ESC) nach Malmö. Einen Tag später wurde bekannt gegeben: Die Band darf nur in den Flieger steigen, wenn sie den Namen ändert und die Musiker ihre dunkelblaue Heilsarmee-Uniform ablegen.

«Sally Ann» als neuen Namen

Markus Zünd von der Heilsarmee Basel ist in seiner Meinung zweigeteilt. «Die Uniform gehört einfach zur Heilsarmee», betont er. Dass die Band ihren Namen ändern soll, sieht er hingegen nicht so tragisch. Er hat der Geschäftsleitung sogar einen Vorschlag gemailt: «Sally Ann». Sally Ann ist ein Konzept der Heilsarmee für den «gerechten Handel», der Name sei im englischsprachigen Raum bekannt. Er wisse nicht, ob sich die Leitung nun für oder gegen eine Teilnahme am ESC 2013 ausspreche. «Die Entscheidung ist eine prinzipielle. Ich bin der Meinung, wenn man absagt, schliesst man Türen, die jetzt offen wären», argumentiert Zünd.

Offene Türen kann die Schweizer Heilsarmee gebrauchen – zumindest in einigen Ländern, sagt Zünd. In Finnland, Norwegen, England bis nach Portugal ist die Institution gut vertreten. Ab 1991 hielt die Heilsarmee langsam Einzug in die Länder Russland, Ukraine, Polen und Ungarn. Aber: «Die Bevölkerung dieser Länder ist der Heilsarmee gegenüber skeptisch, weil im Namen das Wort ‹Armee› auftaucht. Die Menschen sind geprägt von der Diktatur.» Zünd sieht im Auftritt beim ESC die Chance, diese Bedenken abzubauen. «Der Auftritt hätte einen positiven Effekt für uns.»

Neues Image

Zweiter Punkt, der für eine Fahrt nach Schweden spricht: Die Band besteht auch aus jungen Musikern. «Wenn die Leute die Sänger sehen, die derzeit auf der Strasse singen und Geld sammeln, denken sie wohl, unsere Institution sei verstaubt. Im Mai könnten wir nun das Bild korrigieren.» Allerdings ist Zünd auch klar: «Das Showbusiness ist eine kurzlebige Sache. Die Heilsarmee möchte langjährig Unterstützung bieten.»

Ob die Heilsarmee Schweiz die Band nach Malmö reisen lässt oder nicht, muss sie noch beschliessen. Am Dienstag teilte Martin Künzi, Pressesprecher der Heilsarmee Schweiz per Combox mit: «Wir sind erstaunt und verärgert über die Auflagen des ESC. Die Heilsarmee ist weder politisch noch kommerziell unterwegs.» Die Schweiz habe am Samstag die Heilsarmee mit Uniform gewählt. Man möchte sie so als Gesamtpaket auftreten lassen. «Wir werden die Auflagen prüfen und mit der Band die Konsequenzen besprechen.» Den Entscheid teile die Heilsarmee Schweiz den Medien danach mit.

«Band würde Punkte holen»

Markus Zünd aus Basel sagt locker: «Es wäre für die Heilsarmee kein Weltuntergang, nicht am ESC teilzunehmen.» Er ist aber überzeugt: «Unsere Band würde für die Schweiz auf jeden Fall Punkte holen.»