MCH Group

Das schlechteste Resultat der Geschichte: Messe will alle Hallen an den Kanton verkaufen

Der Himmel über der MCH Group scheint tiefblau – doch die Zahlen des Messekonzerns sind tief rot.

Der Himmel über der MCH Group scheint tiefblau – doch die Zahlen des Messekonzerns sind tief rot.

Die MCH Group präsentiert während der kriselnden Baselworld das schlechteste Resultat der Geschichte.

Die Öffentlichkeit wurde vorgewarnt: Das vergangene Geschäftsjahr der MCH Group war eine Katastrophe. Es ist noch schlechter geworden, als die Warnung im vergangenen Dezember erwarten liess. Nicht 170 Millionen, sondern 190 Millionen beträgt der ausgewiesene Verlust, wie der Messekonzern gestern kommunizierte. Insbesondere der Bedarf an Abschreibungen auf die Basler Messehallen ist nochmals grösser geworden, was heisst: Die Buchprüfer haben beim Verfassen des Jahresabschlusses die Perspektiven noch düsterer gemalt.

Aus dem Bericht der Revisoren geht hervor, dass sie die Werthaltigkeit der Immobilien besonders unter die Lupe genommen haben: Nach dem zweiten Grossabschreiber in Folge und nun in Höhe von 132 Millionen Franken stehen die Messehallen von Basel noch mit 128 Millionen und jene von Zürich mit 36 Millionen Franken in den Büchern. Der buchhalterische Wert wurde damit innerhalb eines Jahres beinahe halbiert.

Gespräche mit dem Staat

Hans-Kristian Hoejsgaard, der interimistische Chef der MCH Group, sagte es an der Telefonkonferenz deutlich: «Die Messehallen werden nicht Teil der neuen Strategie der MCH Group sein.» Es werde jedoch «integraler Teil» des Strategieprozesses sein, was mit den Hallen geschehen werde. Gespräche würden dabei nicht mit möglichen Finanzinvestoren geführt, sondern einzig mit den Kantonen.

Über die Handlungsoptionen schweigen sich die Parteien aus. Eva Herzog, Basler Finanzdirektorin sowie seit 13 Jahren Verwaltungsrätin der MCH Group, sagt lediglich: «Da ist nichts spruchreif.»

In Lausanne hat es der Konzern vorgemacht: Mitte 2018 hat er die Verantwortung für das Messegelände sowie für die Vermietung der Hallen an Gastveranstalter an die Eigentümerin, die Fondation de Beaulieu, abgetreten. Die MCH Group ist mit ihren eigenen Messen lediglich noch Mieterin. In Basel und Zürich ist die Ausgangslage komplizierter, da die Hallen an diesen Standorten zwar in Baurecht auf öffentlichem Grund stehen und zumindest teilweise durch die öffentliche Hand finanziert wurden, jedoch dem Konzern selbst gehören.

Auf Anfrage bestätigt die MCH Group, in einem ersten Schritt werde eine Abspaltung der Immobilien in eine separate Geschäftseinheit erwogen. Dies sei ein «denkbares Szenario», sagt Sprecher Christian Jecker. Damit wird deutlich, dass es nicht um einzelne Hallen geht, die nicht mehr benötigt und umgenutzt werden könnten, sondern um das ganze Immobilienportfolio – und dazu gehören in Basel auch das Kongresszentrum sowie das «Musical-Theater» in Basel und das «Theater 11» in Zürich.

Auch wenn Basel-Stadt das Kongresszentrum übernehmen würde, könnte sich die MCH Group nicht aus der Verantwortung als Betreiberin nehmen. Schliesslich hat sie sich im Rahmen der Subventionierung des neuen Messezentrums verpflichtet, das Kongresshaus während der kommenden zwanzig Jahren zu betreiben.

Wer übernimmt die Theater?

Anders gelagert ist die Geschichte bei den beiden Musical-Theatern, die operativ vom Fredy Burger Management geführt werden. Das Basler Theater entstand zwar in einer alten und leerstehenden Messehalle. In den Einflussbereich der Messe kam es erst, nachdem die Basler Euphorie, eine Musical-Stadt sein zu wollen, in tiefe Ernüchterung umgeschlagen war und die Messe auf Intervention der Regierung rettend eingriff.

Der Prozess, die Immobilien aus der MCH-Struktur herauszulösen, ist komplex. Im Verlauf dieses Jahres, so Hoejsgaard, sollten jedoch Resultate vorliegen.

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Autor

Christian Mensch

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