Basel
Das Seil der Basler Unglücksfähre geht jetzt nach Holland

Die Klingentalfähre ist derzeit im Rheinhafen vertäut. Die Rheinpolizei untersucht, warum ihr Gierseil am Donnerstagabend so plötzlich gerissen ist. Der Lieferant des Stahlseiles aus Holland soll bei der Aufklärung mithelfen.

Muriel Mercier
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Die Fähre «Vogel Gryff» hat sich am Donnerstagabend selbständig gemacht. Jetzt liegt er im Hafen.

Die Fähre «Vogel Gryff» hat sich am Donnerstagabend selbständig gemacht. Jetzt liegt er im Hafen.

Roland Schmid

Ein trauriger Anblick: Noch vor wenigen Stunden kutschierte die Klingentalfähre Touristen und Fähri-Freunde vom Klein- ins Grossbasel und zurück. Jetzt liegt sie im Basler Rheinhafen vor dem Restaurant Rostiger Anker und macht keinen Wank. Dies nach einer unfreiwilligen Talfahrt am Donnerstagabend.

Das etwa 50 Meter lange Gierseil – das Stahlseil, das von der Fähre zum quer über den Rhein gespannten Stahltross führt – war gerissen. Mit dem Fährimann und zehn Gästen an Bord trieb der «Vogel Gryff», wie die Klingentalfähre auch genannt wird, kurz vor 22 Uhr flussabwärts. Unterhalb der Dreirosenbrücke holte die Berufsfeuerwehr mit dem mit sechs Leuten bemannten Löschboot die Fähre ein und schleppte sie ab in den Hafen.

Wie das passieren konnte, ist unklar. Die Rheinpolizei ist daran, Abklärungen zu treffen. «Wir schicken das gerissene Seil dem Hersteller», erklärt Thomas Schwitter von der Rheinpolizei. Es dauere ein paar Tage, bis der Grund ausgemacht werde.

Der «Vogel Gryff» ist noch kein Jahr alt. Erst im vergangenen August wurde das alte Modell aus Holz vom Seil genommen und die Kunststoff-Fähre eingeweiht. Ob der Vorfall am Donnerstag mit einem Defekt an der neuen Fähre zu tun hat, weiss man nicht. Aber der Fährimann Urs Zimmerli sei möglicherweise zu schnell und nicht so sanft unterwegs gewesen, wie es eigentlich vorgeschrieben ist, sagt Markus Manz gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Manz ist beim Fähri Verein Basel für den Betrieb der vier Fähren verantwortlich. Zudem: «Auch die starke Strömung kann eine Rolle gespielt haben.» Der Pegelstand lag am Donnerstag mit 7.56 Metern nur 24 Zentimeter unter der Marke, bei der die Schifffahrt eingestellt werden muss.

Während des Vorfalls war auch Fährimann Remy Wirz auf der St. Johann Fähre «Ueli» im Einsatz. Er hat alles beobachtet und betont: «Weder beim Fährimann noch bei den Gästen ist Panik ausgebrochen und die Fähre war immer kontrolliert unterwegs.» Auf dem Wasser bestehe immer die Möglichkeit, dass Kräfte frei gesetzt werden, die man nicht beherrschen könne. «Die Fähren in Basel sind alle Gierfähren. Und die fahren mit dem Strom. Das macht sie anfälliger.» Wirz vergleicht den aktuellen Vorfall mit einem Mastbruch beim Segeln. «Der Mast kann wegen Materialermüdung oder wegen der Wetterlage brechen.»

Ein ähnliches Szenario einer losgerissenen Fähre ist noch nie passiert – zumindest nicht in seiner Amtszeit der letzten neun Jahre, bestätigt Rheinpolizist Thomas Schwitter. Laut Markus Manz hat das Gierseil eine Reisskraft von einer Tonne. Dies entspricht dem Vierfachen von dem, was das Seil im Normalfall auszuhalten hat.

Die Klingentalfähre ist vorerst ausser Betrieb, bis die Ursache des Seilrisses geklärt werden kann. Die Passagiere, neben dem Fährimann Tambouren der Trommelgruppe Top Secret, blieben alle unverletzt.

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