Archäologie

Das seltsame Skelett vom Martinskirchplatz: So graben die Basler Archäologen auch in Coronazeiten

Nicht nur die Baustellen funktionieren in der Coronakrise weiter, sondern auch die Ausgrabungen der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt. Doch genau wie die Bauarbeiter halten auch die Archäologen die Regeln zu Social Distancing und Hygienemassnahmen ein.

Die Archäologische Bodenforschung steht auch zu Coronazeiten nicht still. Die Mitarbeitenden der Abteilung Ausgrabung arbeiten weiterhin im Baustellenbetrieb. Die vom Bund verordneten definierten Verhaltensregeln müssen allerdings auch hier eingehalten werden. Ganz normal geht es auf den Ausgrabungen also nicht zu und her. «Uns ist es wichtig, die Ausgrabungen termingerecht weiterzuführen, so lange dies möglich bleibt», sagt Kantonsarchäologe Guido Lassau.

Insgesamt reagieren seine vier Abteilungen unterschiedlich auf die aktuelle Situation. Die Mitarbeiter der Abteilungen Archiv/Sammlung sowie Vermittlung arbeiten vollständig im Homeoffice. In der Abteilung Fundbearbeitung wird der Teil der wissenschaftlichen Auswertungsarbeiten ebenfalls zu Hause erledigt, während die Inventarisation und die Konservierung der Funde im Labor beziehungsweise den Arbeitsräumen am Petersgraben 11 durchgeführt werden.

Aktuell wird an vier Standorten in der Stadt gegraben

Entsprechend gibt es einiges zu tun in der Stadt – an ziemlich ergiebigen Orten in der Innenstadt. Bemerkenswert, weil eng, ist die Adresse am Martinskirchplatz 1. Dort, im «Haus zum Bramen», wird der Keller abgesenkt. In der späten Bronzezeit, also vor rund 3000 Jahren, entstand hier die erste befestigte Siedlung in Basel. Seither war der Ort durchgehend besiedelt. Die keltischen Ur-Basler bauten zu ihrer Zeit von der Martinskirche bis zur Rittergasse.

Mit den Bauarbeiten zur Kellerabsenkung kamen entsprechend ein frühneuzeitlicher Kellerboden, ein kleines Sandsteinwasserbecken und eine Sumpfkalkgrube zum Vorschein. Dazu stiessen die Forscher auf zwei Gruben aus römischer Zeit. Darin fanden sich viele bronzezeitliche und keltische Hinterlassenschaften – und menschliche Knochen. Sie stammen wohl von einem einzelnen Skelett. Dessen Geschichte ist noch unklar, genauere Untersuchungen stehen noch aus. Aufgrund der Fundlage lasse sich laut den Archäologen aber feststellen, dass die Knochen aus der römischen Zeit stammen und nicht vom Friedhof, der im Mittelalter beim Martinskirchplatz lag.

Nur wenige hundert Meter weiter, in der Rittergasse 4, wird zurzeit ein altes Verwaltungsgebäude zum Schulhaus umgebaut. Hier sind die Basler Archäologen ohnehin schon lange tätig und zurzeit wieder aktiver: Denn dort befindet sich der Murus Gallicus, eine keltische Befestigung aus der Zeit um 80 v. Chr. Nach den Kelten besiedelten die Römer das Areal zwischen Münsterplatz und Kunsthaus, wovon sich bis heute Überreste im Boden erhalten haben. Nachdem der Murus ausgedient hatte, entstand um das Jahr 280 n. Chr. erneut eine befestigte Siedlung, die von einer Mauer umgeben war. Genau die quert nun das jetzige Baugebiet. Zudem befand sich im 8. Jahrhundert hier auch ein Friedhof, von dem sich noch immer Überreste im Boden befinden.

Die dritte aktuelle Grabung läuft zurzeit in einem schmalen Graben zwischen der Schönbeinstrasse und dem Petersplatz. Dort werden Leitungen für einen Kälteverbund eingebaut. Die Baulinie quert auch hier mehrere archäologische Fundstellen: Zum einen trafen die Arbeiter mehrere Male auf den Bereich der ehemaligen äusseren Stadtmauer, die vom Spalentor zum St. Johanns-Tor führte, zum anderen befand sich ab 1825 auf dem Gelände des heutigen Botanischen Gartens und der Universitätsbibliothek der erste Friedhof ausserhalb der alten Stadtmauern. Auch wenn der Friedhof nur 43 Jahre Bestand hatte, wurden die Gräber nach der Schliessung einfach im Boden gelassen. Das heutige Resultat: Selbst bei einfachen Leitungsarbeiten kommt immer wieder das eine oder andere Skelett zum Vorschein.

Die vierte aktuelle Ausgrabungsstätte ist der Umbau der Kaserne im Kleinbasel. Die Zusammenarbeit von Archäologen und Bauarbeiter läuft bei diesem Umbau schon seit September 2018. Kein Wunder: Denn die umfassende Sanierung führt zu Bodeneingriffen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Klingental. Auch dieser Ort ist der Kantonsarchäologie schon sehr gut bekannt. Das neueste Fundstück ist ein Teil der Stadtmauer, das trotz einer durch Baueingriffe sonst völlig zerstörten Zone erhalten blieb.

Eine grosse Grabung findet auch noch in Riehen statt

Grabungen sind das eine, Vorbereitungen das andere. Denn auch in Riehen gehts bald los. Dort wird die ehemalige Sprachschule für Gehörlose abgerissen. Und wie es oft in diesem Kanton der Fall ist: Just auf diesem Gebiet befindet sich eine grosse Fläche von intakten Fundschichten, die es zu sichten und zu konservieren gilt. «Der Terminplan läuft trotz dem Coronavirus also weiter wie geplant», sagt Lassau. Die Archäologische Bodenforschung werde in einem Zeitraum von rund acht Monaten in Riehen tätig sein. Erwartet werden Funde aus der mittleren und späten Bronzezeit.

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