Kulisse ist oft Basel, manchmal auch nicht. Sicher von hier kommen aber die Frauen und Männer, die diese literarischen Werke verfasst haben. An der «BuchBasel» treten die wenigsten von ihnen auf. Das Literaturfestival arbeitet vor allem mit bereits berühmten Autoren. Das ist aber kein Grund, hier nur solche vorzustellen. Im Gegenteil: Auch die teils noch unbekannten Talente haben es verdient, sich und ihr Werk der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dafür muss man kein Hansjörg Schneider sein.

Die bz hat jedem der ausgewählten zehn Autorinnen und Autoren eine individuelle Frage gestellt. Die Antworten lesen Sie auf dieser Doppelseite. Natürlich gibt es viele weitere Autoren aus der Region, doch die bz musste eine Auswahl treffen. Der Fokus richtete sich darauf, eine möglichst breite Palette literarischer Werke zu zeigen. Auch die Schreiber selber spielten bei der Auswahl eine Rolle: Die jüngste Autorin ist 15 Jahre alt, der älteste Autor ist 86.


Arturo Buzzetti (72), bekannt als «Buzz Bennett», Musiker und Künstler, Basel

Wie haben Sie gemerkt, dass Ihnen die Musik allein nicht mehr reicht?

Buzz Bennett: Musik ist das Ganze. Es beinhaltet das Spielen mit Noten, es beinhaltet das Malen mit dem Pinsel, es beinhaltet das Sehen mit der Kamera und es beinhaltet auch das Schreiben. Statt Noten sind es Wörter. Statt Harmonien sind es Sätze – und statt eines neuen Songs ist es ein Buch. Die Neugier zeigt dir den Weg des Machbaren. Darum ist das Schreiben für mich Musik. Also könnte die Frage auch lauten: Wann haben Sie gemerkt, dass alles Musik ist? Die Antwort darauf ist ganz simpel: schon immer.

Die Masseuse, Kriminalroman, Edition Relege.


Ralph Schröder (55), PR-Redaktor, Basel

Warum schrieben Sie ein Buch über die «Basler Stadtzeitung»?

Ralph Schröder: Der Protagonist des Romans ist ein Zeitungskorrektor und lebt in Basel. Er arbeitet bei einer Basler Zeitung, der im Roman sogenannten «Basler Stadtzeitung». Weil er dort sein Unwesen treibt, indem er die Nachrichten zu fälschen beginnt, weil die Ereignisse im Roman – hintergründige Machenschaften, Übernahmegerüchte und so weiter – so vertraut scheinen und einzelne Figuren und Lokalitäten zugegeben meiner Fantasie als Vorbilder gedient haben, könnte der Eindruck entstehen, ich hätte ein Buch über die «Basler Stadtzeitung» schreiben wollen. Ich lasse diese Lesart schmunzelnd gelten.

Das war aber nicht mein «Motiv». Für mich stand eine naive Idee in Form einer Frage im Vordergrund, die der Protagonist des Romans mit seinem verhängnisvollen Experiment der Nachrichtenfälschung stellt: Woher stammt unser Vertrauen in den Wahrheitsgehalt des geschriebenen Worts, dem medial vermittelten insbesondere? Dass sich daraus auch eine Kriminalgeschichte entwickeln liess, hat mich selbst überrascht.

Schweighausers Korrekturen, Roman, Books on Demand (BoD). www.ralph-schroeder.ch

Der Autor signiert seinen Roman am Freitag, 11. 11, ab 19 Uhr in der Buchhandlung           Pep + No Name, Güterstrasse 189, Basel.


Helen Liebendörfer (73), Stadtführerin und Volkshochschule-Dozentin, Muttenz

Was fasziniert Sie an Leuten, die die Heimat ohne klares Ziel verlassen?

Helen Liebendörfer: Mich faszinieren die Parallelen zwischen den Auswanderern im 19. Jahrhundert und der Migration der heutigen Zeit. Ich denke dabei an die Zustände, unter denen sie früher nach Amerika gereist sind. Jeweils rund 300 Personen fuhren in einem Frachtschiff eng zusammengepfercht über sieben Wochen lang nach Amerika. Sie musste danach ebenfalls versuchen, Fuss zu fassen im fremden Land und Arbeit suchen. Und sie wurden auch keineswegs mit Freuden willkommen geheissen. Der Bürgermeister von New York meinte zum Beispiel, dass halb Europa nach Amerika komme – und was solle er mit den vielen Zuwanderern anfangen? Diese Leute seien für die Erhöhung der Steuern verantwortlich und würden die Strassen verstopfen.

Ich glaube, uns alle beschäftigt die Migration mit ihren Problemen. Der Vergleich mit den damaligen Auswanderern lässt mich die heutige Situation mit anderen Augen betrachten und geduldiger werden beim Warten auf machbare Lösungen.

Hansdampf in allen Gassen – Die Abenteuer von General J.A. Sutter,  Historischer Roman, Reinhardt-Verlag. www.reinhardt.ch


Paul Schorno (86), Theaterkritiker, Basel

Vor 50 Jahren verlieh Ihnen die Stadt Basel den Förderpreis – und sie sind immer noch voller Tatendrang. Wie schaffen Sie das?

Paul Schorno: In meiner Jugend wurde ich von einem Professor sehr ermutigt. Er hatte meine ersten literarischen Texte und Entwürfe gelesen und meinte mit Nachdruck: «Paul, Sie müssen weiterschreiben, Sie haben etwas zu sagen!» Diesen Ratschlag habe ich ein Leben lang befolgt und bin dem Schreiben immer treu geblieben. Auch wenn ich «nur» im Nebenberuf Journalist und Autor war, sass ich täglich diszipliniert an der Schreibmaschine.

Im Alter bewahre ich meinen Tatendrang mit derselben Disziplin: Neben dem Schreiben wurde bewusste Bewegung wichtig. Ebenso das Kochen als kreativer Ausgleich. Meine fantastische Frau unterstützt mich in vielerlei Hinsicht und gemeinsam freuen wir uns des Lebens.

Im Schatten der Heiterkeit, Roman, IL-Verlag. www.il-verlag.com


Ruedi Gröflin (71), pensionierter Gymnasiallehrer, Basel

Was macht das spätmittelalterliche Basel für Sie so reizvoll?

Ruedi Gröflin: Ich wohne im Klingental und habe die über 700 Jahre alten Bauten des ehemaligen Frauenklosters vor Augen. Sie erinnern mich daran, dass im Mittelalter hier eine Klostergemeinschaft wohnte und arbeitete. Wo heute die Museumsbesucher und die Angestellten des Denkmalschutzes ein- und ausgehen, wo während der Herbstmesse Kinder vor Freude kreischen, verbrachten einst Klosterleute ihr Leben. Sie lebten auf das Jenseits ausgerichtet und bemühten sich um eine Kultur der Stille. In meiner Vorstellung gehe ich zur Mitte des 14. Jahrhunderts zurück, als das reiche und vornehme Kloster Klingental eine einflussreiche Rolle spielte, und versuche, mir den Klosteralltag vorzustellen. Ich höre die Nonnen in ihrer Kirche Psalmen singen und beten, sehe ihre Dienstleute die Felder bestellen und beobachte die Laienbrüder an der Arbeit in den Mühlen entlang des Kanals. Wie sah wohl ihr Zusammenleben aus?

Küentzi, Roman, Verlag Johannes Petri. www.schwabe.ch

Der Autor liest am Festival am Freitag, 11. 11., um 19.30 Uhr im «Narrenschiff», BS.


Elisabeth Schrom (69), Autorin, Allschwil

Warum haben Sie Ihr Debüt nicht schon früher geschrieben?

Elisabeth Schrom: Mit den Herbertgeschichten habe ich schon vor Jahren begonnen. Eigentlich waren es lauter lose Einzeltexte, erst nach und nach ist eine fortlaufende Erzählung daraus geworden. Ans Publizieren habe ich dabei nicht gedacht. Irgendwann ist der Text dann in einer Schublade gelandet, und dort würde Herbert jetzt noch liegen, hätte sich nicht letztes Jahr Schriftsteller Guy Krneta an ihn erinnert und mich aufgefordert, gemeinsam mit ihm an einer Lesung teilzunehmen. Er hat aus seinem berndeutschen Familienalbum «Unger üs» gelesen und ich aus meinen Herbertgeschichten. Danach hat Guy mein Manuskript an den Zytglogge-Verlag geschickt. Im Frühjahr ist die Publikation erschienen. Es hat lange gedauert bis zu meinem Debüt, aber dann ist es plötzlich schnell gegangen.

Herbertgeschichten, Erzählung, Zytglogge Verlag. www.zytglogge.ch

Die Autorin liest am Samstag, 12. 11., um 15.30 Uhr am Festival: hochh(in)aus bei Jean-Pierre Wymann, Sperrstr. 40, Basel.


Franz Osswald (54), Redaktor und freier Journalist, Basel

Die Krimi-Konkurrenz ist gross – trotzdem starten Sie Ihr Autorenleben mit einem Krimi. Warum?

Franz Osswald: Schon in meiner Jugend haben mich Krimis in ihren Bann gezogen. Sie sind ein literarisches Genre, das ich kenne und das mir liegt. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, die Form meines Schreibens nach den Erfolgsaussichten auf dem Buchmarkt zu wählen. Entweder ist eine Geschichte gut und ich will sie erzählen oder ich lasse das Schreiben, egal in welcher Form.
Der Erzählung einen Spannungsbogen zu verleihen ist im Krimi Pflicht, menschliches Handeln und seelische Tiefen zu ergründen und im besten Falle sogar zu verstehen Programm, Atmosphärisches zu spüren die Kür. Egal, ob Krimi oder nicht, die Kraft des Textes ist entscheidend, nicht die literarische Gattung. Konkurrenz ist meines Erachtens negativ formulierte Vielfältigkeit. Es stellt sich eher die Frage: Möchte ich zu dieser Vielfalt einen Beitrag leisten? Meine Antwort ist im Buchhandel käuflich – nebst allen Büchern, die diese Vielfalt nähren.


Rolf von Siebenthal (55), Inhaber eines Schreibbüros und ehemaliger Bundesverwaltungsmitarbeiter, Oberdorf

Wie viel Wahrheit aus der Bundesverwaltung steckt in Ihrem Roman?

Rolf von Siebenthal: Hierarchien, Sitzungen, Formulare, Leerlauf – so stellen sich Aussenstehende gemeinhin die Arbeit in der Verwaltung vor. Und tatsächlich, das alles gibt es. Aber es gibt auch: interessante Projekte, kluge Köpfe oder engagierte Mitarbeiter. Lässt sich daraus ein Krimi machen? Eher nein. Eine spannende Geschichte braucht Emotionen und Konflikte. Die gehören nicht zum Alltag in einem Bundesamt – oder in einer Zeitungsredaktion. Deswegen ist einiges überzeichnet in einem Roman: Sitzungen werden zu Schauplätzen für interne Kämpfe, langweilige Kollegen sind Fieslinge, schleimige Vorgesetzte schieben Verantwortung ab. Wenn sich die Leserinnen und Leser dann ärgern oder freuen, wenn sie mitfiebern und ein Buch nicht aus den Händen legen können, dann hat ein Krimiautor gute Arbeit geleistet.

Lange Schatten, Kriminalroman, Reinhardt-Verlag. www.reinhardt.ch

Der Autor liest am Freitag, 11. 11., um 19.30 Uhr in der Bibliothek Balsthal SO.


Lisa Schneider (15), Sekundarschülerin, Reinach

Warum verbringen Sie Ihre Teenagerjahre mit Schreiben?

Lisa Schneider: Das Schreiben kam ganz spontan. Ja, ich habe immer schon gerne Geschichten erfunden und diese aufgeschrieben, doch dass ich tatsächlich einmal einen Roman von mir in einer Buchhandlung finden würde, hätte ich nie zu träumen gewagt.

Es war so, dass ich eines Sommers die Idee hatte, etwas mehr als nur einen Aufsatz zu schreiben: Ich begann mir eine Liebesgeschichte im antiken Griechenland auszudenken und schrieb Tag für Tag daran. Das Eintauchen in eine eigene Welt war wunderbar, doch ich realisierte bald, dass das Schreiben eines Buches enorm anstrengend ist und nicht nur ein Vergnügen. Ich opferte sehr viel meiner Freizeit und Kraft, doch als ich «Thymios – Das Herz des Kriegers» nach einem Jahr harter Arbeit in den Händen hielt, waren alle Fehlschläge und Anstrengungen der Vergangenheit vergessen!

Mein zweiter Roman entstand dann doch ziemlich unerwartet. Ich hatte mir vorgenommen, eine Pause zu machen, in mir war aber eine Leidenschaft entstanden, etwas zu schreiben, das auch Erwachsene lesen würden. So entstand die Geschichte einer verbotenen Liebe zwischen einem Mädchen und einem feindlichen Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg. Diese Geschichte hatte mich von Anfang an so gepackt, dass ich nicht anders konnte, als sie zu Papier zu bringen.

So ist also mein zweiter Roman mit dem Titel «Tränen der Freiheit» erst kürzlich erschienen – und ich bin ehrlich gesagt auch wenig stolz darauf

Tränen der Freiheit, Roman, Riverfield-Verlag. www.riverfield-verlag.ch


Yves Rechsteiner (42), Autor, Basel

Wie gut kennen Sie die Emotionen in Ihrem Buch aus eigener Erfahrung?

Yves Rechsteiner: Die Erzählungen sind zwar keine rein autobiografischen Episoden, aber sie haben durchaus viel mit mir und somit mit meinem emotionalen Innenleben zu tun; ich verarbeite in den Texten viel Erlebtes und Erfahrenes, aber auch Anvertrautes und Erahntes. Mit diesen Inputs sowie der Hilfe einer möglichst rhythmischen und farbigen Prosa versuche ich, nachvollziehbare Einsichten und interessante Plots zu gestalten, die unterhalten aber auch zum Denken anregen sollen. Die vielen in die Geschichten eingeflochtenen Emotionen sind dabei die wahren Protagonisten; ohne sie wäre alles fade, plump, trocken und leblos, etwa so wie Musik ohne Melodie und Suppe ohne Salz. Es wäre mir schlicht und einfach nicht möglich gewesen, ein glaubwürdiges Buch, das über menschliche Emotionen spricht, zu verfassen, ohne die Sehnsucht, die Versuchung, die Angst, die Wut und die Verzweiflung nicht durch und durch immer wieder selbst erlebt zu haben und wie gute alte Freunde zu kennen.

Und dann fängt die Vergangenheit an, Erzählungen, Waldgut-Verlag. www.waldgut.ch