Unter den Nationalratskandidaten mit extremen Positionen befinden sich viele bekannte Gesichter: Insgesamt sind mit Silvia Schenker, Beat Jans (beide SP), Daniel Stolz (FDP) und Sebastian Frehner (SVP) vier der fünf Bisherigen in einer Liste jener Kandidierenden zu finden, die jeweils in mindestens einem Themenfeld eine polare Position einnehmen. Dies hat eine gestern veröffentlichte Auswertung der unabhängigen politischen Plattform Vimentis ergeben. Für Polit-Geograph Michael Hermann bietet diese Analyse keine Überraschung: «Es ist generell eher so, dass langjährige Politiker sich stärker mit dem Parteiprogramm identifizieren und deshalb die Meinung der Partei in höherem Mass vertreten.» Hinterbänkler oder Newcomer hingegen seien in der politischen Meinung teils weniger gefestigt, was zu Unschärfen im Profil führen würde.


Auch landesweit an den Polen


Dies allerdings erklärt noch nicht, weshalb in einer kürzlich publizierten Analyse aller Nationalräte Schenker am weitesten linksaussen, hingegen Frehner auch im Vergleich mit anderen SVP-Vertretern eher am rechten Rand verortet wurde. Ist Basel eine politisch extreme Stadt? «Die Politikkultur Basels ist eigen, im Vergleich zur deutschsprachigen Schweiz», sagt Politologe Claude Longchamps. Ländliche Interessensvertreter fehlten, urbane Themen dominieren, womit sich ein eigentlich nationaler Trend akzentuiert: «Die Polarisierung, die die Politik der letzten 20 Jahre geprägt hat, ist fast überall von den Städten ausgegangen, und sie hat die politische Kultur im urbanen Raum verändert», sagt Longchamp.

An den Polen herrsche grosse Konkurrenz, einerseits innerhalb, andererseits auch zwischen den Parteien. Für diese These spricht unter anderem, dass Sozialdemokrat Jans als der umweltfreundlichste Kandidat gilt – eigentlich ein Terrain, das von Grünen und Grünliberalen beansprucht wird. Longchamp nennt einen weiteren Grund, warum offenbar viele Hardliner der jeweiligen Geisteshaltung auf einen Sitz in Bern spekulieren können: Das Phänomen heisst «Directional Voting». Das bedeutet, «man glaubt nicht, dass die eigene Seite eine Mehrheit hat, will aber die Richtung angeben und unterstützt die klar positionierten Exponenten, damit sie ‹Gas› geben.» Basel stehe trotz der lediglich fünf verfügbaren Nationalratssitze mit diesem Verhalten nicht allein, auch in Zürich, Bern, Lausanne und Genf liessen sich ähnliche Mechanismen beobachten. Ein weiterer Faktor könnten zudem die Medien sein: Oft finden exponierte Meinungen schneller Gehör.


Dies führt in letzter Konsequenz zu einem polarisierten Politbetrieb in Bundesbern. Wobei nicht gesagt ist, dass wer auch am lautesten ruft, am meisten bewegen kann: «In der Kommissionsarbeit sind exponierte Politiker allenfalls isolierter», sagt Longchamp und führt SVP-Politiker als Beispiel an. Ein Knackpunkt der diesjährigen Wahlen: «Allenfalls ändert aber genau das mit der kommenden Wahl.» Vimentis hat für die Untersuchung sämtliche Kandidaten in Basel-Stadt analysiert, die einer der sieben grössten Parteien der Schweiz angehören. Dies sind SVP, SP, FDP, CVP, BDP, GLP und Grüne. Sehen Sie im Listicle, welche Exponenten an den jeweiligen Rändern politisieren:

1. Die Linkste

Silvia Schenker

Silvia Schenker

Am weitesten linksaussen politisiert Silvia Schenker (SP). Die Sozialarbeiterin und bisherige Nationalrätin ist in Bern für ihren Einfluss auf die Sozialpolitik bekannt, auf der Liste der SP belegt sie den ersten Platz. Ihren Eintrag als linkste Kandidatin hat sie vor allem ihrer Positionierung in den Themen Sozialstaat sowie aussenpolitische Öffnung zu verdanken. Silvia Schenker setzt sich jedoch auch intensiv für einen stärkeren Umweltschutz ein. 

2. Der Rechteste

Sebastian Frehner

Sebastian Frehner

Genau am anderen Ufer politisiert Sebastian Frehner (SVP). Wenig erstaunlich, hat Frehner doch den Ruf eines Hardliners, der in Bern oft sehr getreu der Parteilinie folgt. Seit 2010 ist er der Volksvertreter der Konservativen. Frehner vereint in sich verschiedene extremste Positionen. Er setzt sich am meisten für eine strikte Ausländerpolitik und für ein strenges Rechtssystem ein, ist der restriktivste Finanzpolitiker und gleichermassen der Wirtschaftsliberalste. 

3. Der Mittigste

Hubert Ackermann

Hubert Ackermann

Zwischen den Polen findet sich eine Mitte, und die ist in der Person von Hubert Ackermann (BDP) vertreten. Weder liberal, noch konservativ, weder links noch rechts: Der diplomierte Pfleger bewegt sich in einem Polit-Spider nahezug am Nullpunkt. In den Nationalrat wird er es kaum schaffen, auf der praktisch chancenlosen Liste der BDP belegt der Basler Parteipräsident den dritten Platz. 

4. Der Liberalste

Martin Koch

Martin Koch

Auch Martin Koch (GLP) wird kaum einen Sitz für seine Partei ergattern können. Der Ökonom ist ein strenger Grünliberaler: Für eine freie Wirtschaft, für eine liberale Gesellschaft und für Umweltschutz – dafür setzt er sich weder für einen umfassenden Sozialstaat noch für eine strikte Ausländerpolitik ein, auch das Rechtssystem würde er keinesfalls streng gestalten. 

5. Der Umweltfreundlichste

Beat Jans

Beat Jans

Wer denkt, dass der umweltfreundlichste Kandidat aus der Grünen Partei stammen sollte, irrt. Nicht Mirjam Ballmer, Heidi Mück oder Sibel Arslan besetzen die «grünste» Position, sondern der Bisherige Beat Jans von der SP. Sein politisches Profil ist klar links, noch einen Tick wichtiger als ein umfassender Sozialstaat ist ihm allerdings der Umweltschutz. 

6. Der Gesellschaftsliberalste

Daniel Stolz

Daniel Stolz

Zwar nicht der Wirtschafts- aber immerhin der Gesellschaftsliberalste ist Nationalrat Daniel Stolz (FDP). Im Bundeshaus vertritt er zwar auch die freie Marktwirtschaft, setzt sich aber auch für eine freiere Gesellschaft, allerdings mit einem strengen Rechtssystem ein. Stolz ist der vierte bisherige Nationalrat im Bunde der Extremen, nicht vertreten ist einzig Markus Lehmann (CVP). 

7. Der Konservativste

Patrick Hafner

Patrick Hafner

Der konservativste aller Kandidierenden stammt wenig erstaunlich aus der SVP: Patrick Hafner. Der Fachhochschul-Dozent ist als Law-and-Order-Politiker bekannt. Sein Engagement gegen die aussenpolitische Öffnung, den umfassenden Sozialstaat und den Umweltschutz machen ihn zum Erz-Konservativen.