Sommercasino
Das «Soca» kämpft ums nackte Überleben

Das Sommercasino schreibt jährlich ein Defizit – ein neues Konzept soll helfen. 20- bis 25-Jährige sollen in Zukunft wieder ins Soca gehen. Unter anderem sind Partys für über 20-Jährige geplant.

Nadine Böni
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Das Sommercasino schrieb in den vergangenen zehn Jahren ein Defizit in Millionenhöhe.Martin Töngi

Das Sommercasino schrieb in den vergangenen zehn Jahren ein Defizit in Millionenhöhe.Martin Töngi

Martin Töngi

Über die letzten zehn Jahre wies das Soca jährlich ein Minus von 30000 bis 80000 Franken aus. «Ohne das Defizit wäre das Sommercasino nicht lebensfähig», sagt George Hennig, Co-Geschäftsführer der Basler Freizeitaktion (BFA). Überleben kann es aber nur, weil die BFA als Trägerverein den Grossteil davon übernimmt. Sie hat darum das Defizit des Soca fest budgetiert.

Das Image eines Jugendhauses

Die Gründe für das Defizit sind komplex. Einerseits sei da das «Kindergarten-Image», sagt Hennig. Das Soca war 1963 das erste Jugendhaus der Schweiz und verfolgte pädagogische Ziele. «Das Stigma der Pädagogik ist das Soca nie losgeworden.» Erst recht nicht, als der Kanton – Subventionsgeber der BFA – dem Lokal 2004 verbot, harten Alkohol und Mixgetränke, auszuschenken. «Das führte zu einer drastischen Verjüngung des Publikums», sagt Hennig. Über 18-Jährige würden sich nicht mehr vorschreiben lassen, was sie wo konsumieren wollen. «Dem Soca fehlt somit das ältere Publikumssegment, das aber für das Image wichtig und zudem zahlungsfähiger ist», sagt Hennig.

Der zweite Grund für die finanziellen Probleme liegt im Tonträgermarkt. Dieser ist durch die Digitalisierung in den letzten Jahren eingebrochen. «Die Bands verdienen kaum mehr Geld mit CD-Verkäufen. Sie sind auf die Konzert-Gagen angewiesen», sagt Lukas Schweizer vom Soca-Team. Diese seien entsprechend höher. «Für eine mittelmässig bekannte Band zahlen wir heute schnell 3000 Euro.» Dazu kämen Ausgaben für Administration, Technikunterhalt, Werbung, Security und Reinigung. Mit seiner relativ kleinen Kapazität von 500 Personen und bei Ticketpreisen von maximal 30 Franken kann das Soca mit den Eintritten nur wenig Geld einspielen. Grosse Bands kann es sich gar nicht leisten. Selbst bei unbekannten Bands ist das Soca auf Einnahmen an der Bar angewiesen. Das Risiko, dass das Publikum bei Bands mit diesem Bekanntheitsgrad fernbleibt, ist gross.

Betriebsanalyse ist im Gange

Für Hennig ist deshalb klar, dass sich das Konzept des Soca ändern muss. Eine Betriebsanalyse mit einem externen Experten und Vertretern vom Soca und der BFA ist im Gange. Klar ist, dass das Soca nicht mehr Subventionen erhält. Vielmehr setzt es darauf, sein Image loszuwerden. Es müsse sich ein neues Publikum suchen, sagt Hennig. «Der Markt für ein Publikum im Alter von 16 bis 25 Jahren – wie uns das der Leistungsauftrag des Kantons vorschreibt – existiert nicht mehr.»

Das Verhalten des jungen Publikums habe sich stark verändert. Früher hätte das Soca mit 16-Jährigen gefüllt werden können. «Heute wollen die 16-Jährigen dort sein, wo die Erwachsenen-Musik läuft», sagt Hennig. «Die Älteren dagegen wollen auf keinen Fall an einem Ort sein, wo es viele Junge hat.»

Neues Publikum suchen

«Die Lösung ist daher, dass wir das Soca wieder für ein älteres Publikum attraktiv machen», sagt Hennig.
20- bis 25-Jährige sollen in Zukunft wieder ins Soca gehen. Unter anderem sind Partys für über 20-Jährige geplant. Was den Alkohol betrifft, fordert Hennig wieder gleich lange Spiesse für das Soca, wie für alle anderen Ausgangs-Lokale in der Stadt. «Das Verbot von stark alkoholischen Getränken für ein Publikum um die 20 Jahre ist ein präventives Missverständnis», sagt Hennig. «Gebracht hat es nichts. Die Leute konsumieren den starken Alkohol heute einfach vor unserer Tür.»