Hoch auf der Bühne im Scheinwerferlicht, die Gitarre in der Hand und die Haare flattern dank der Windmaschine: Mit dem Wunsch als Rockstar grosse Säle zu füllen, dürfte so mancher Nachwuchsmusiker im Basler Sommercasino (Soca) angetreten sein. Auch wenn die Reihen eher licht besetzt waren und die Gäste noch im Pärklein auf den Hauptact warteten: Die Bühne des Sommercasinos war und ist das Experimentierfeld und Sprungbrett für viele Nachwuchsbands. Und kaum ein Basler, der mit dem altehrwürdigen Gemäuer keine Jugenderinnerungen verbindet.

Nun aber sieht die Zukunft des ältesten Jugendhauses der Schweiz immer düsterer aus. Das Basler Erziehungsdepartement (ED) schlägt dem Grossen Rat vor, die Subventionen für das Soca um eine viertel Million Franken zu kürzen. 2016 soll die Betreiberin des Jugendkulturhauses – die JuAr Basel – anstatt 650'000 noch 400'000 Franken erhalten. Wie JuAr-Präsident Christian Platz sagt, reicht dieser Betrag nicht: «Abzüglich der Miete und den Nebenkosten bleiben gerade noch 100'000 Franken übrig. Mit diesem Betrag können wir das Sommercasino unter dem neuen Konzept nicht weiter führen.» Für Grünen-Grosrätin Mirjam Balmer kaum vorstellbar: «Für die Jugendkultur wäre die Schliessung des Sommercasinos ein grosser Verlust. Es gibt kaum andere Orte, die diese Lücke schliessen könnten.»

Eben erste Fortschritte gemacht

Nach turbulenten Jahren - die musikalische Grössen in das Soca lockten, aber mit Defiziten endeten - definierte das Jugendkulturhaus im vergangenen Jahr ein neues Betriebskonzept. Und griff auf Bewährtes zurück: Das Soca sollte wieder die Bühne für junge Kulturschaffende aus der Region sein. Die Rückbesinnung auf die Wurzeln ging auf. «Erstmals nach den Krisenjahren schrieben wir im letzten Jahr wieder ein Plus», sagt Christian Platz. Das neue – respektive alt bewährte – Konzept generiert geringere Kosten als ein Veranstaltungsort für bekannte Bands. Diese Einsparungen werden nun zum Bumerang für das Sommercasino. Denn das ED nimmt unter anderem sie zum Anlass, den Subventionsbeitrag herabzusetzen.

«Die JuAr hat einerseits selber das Budget für das Sommercasino gekürzt. Anderseits hat ein Bericht über die aktuelle Situation der Jugendkultur in Basel gezeigt, dass es genügend Auftrittsorte gibt. Dafür ist der Bedarf an Proberäumen oder Ateliers umso grösser», sagt Hansjörg Lüking, Bereichsleiter Jugend, Familie und Sport im ED.

Deshalb schlägt nun das Erziehungsdepartement dem Grossen Rat vor, eine Umverteilung der Gelder vorzunehmen. Für Lüking bedeuten die Subventionskürzungen nicht automatisch das Ende des Sommercasinos: «Mit 400'000 Franken erhalten die Betreiber immer noch einen tragfähigen und interessanten Boden als Auftrittsmöglichkeit für junge Bands. Ist die Villa nicht der richtige Ort, weil die Miete zu teuer ist, dann stehen wir einem Umzug nicht im Weg.» Platz verweist allerdings darauf, dass kein geeigneter Ort zur Diskussion stünde und im Sommercasino massiv investiert worden sei. Platz sucht weiter nach einem Ausweg: «Wir bemühen uns, verschiedene Varianten zu erarbeiten, wie wir das Sommercasino retten können.» Diese seien aber noch nicht spruchreif. «Obwohl das vergangene Jahr eine Herausforderung war, stiegen die Nutzerzahlen wieder. Wir sehen nicht ein, weshalb jetzt das Budget gekürzt werden soll.»

Konkurrenz aus eigenem Lager

Die Viertelmillion, die beim Sommercasino gespart wird, soll ein anderer Ort erhalten: «Folgt der Grosse Rat unserem Vorschlag, erhält dafür das Kulturhaus R105 eine langfristige Finanzierung», so Lüking. In der ehemaligen Jazzschule betreibt das ED seit dem 1. November ein Pilotprojekt und vermietet jungen Künstlern Atelier-, Kurs- oder Produktionsräume. An dem Projekt ist auch die JuAr beteiligt. Christian Platz findet das Angebot sinnvoll, es könne aber das Sommercasino nicht ersetzen. Denn das R105 bietet keine Infrastruktur für grössere Konzerte. Gibt es also zu viele Angebote? Der Präsident der grossrätlichen Bildungs-, Kultur- und Sportkommission, Oswald Inglin (CVP) verneint: «Es gibt nicht viele Orte, wo junge Bands in einem guten Umfeld auftreten können.» Was der JuAr in die Hände spielen dürfte, ist die Schliessung der beiden Clubs Nordstern und Hinterhof per Ende Jahr. Diese hatte für Schlagzeilen gesorgt. «Wir können aber wegen unserer eigenen ungewissen Situation keine definitiven Zusagen an Veranstalter geben», sagt Soca-Co-Leiter Samuel Kunz. «Dieses Problem wird sich zunehmend verschärfen».

Ob das Basler Parlament auf den Vorschlag des Erziehungsdepartments eingeht und die Gelder umverteilt, sei schwer abzuschätzen, sagt der Oswald Inglin. «Es stellt sich immer wieder die Frage, welche alt eingesessenen Institutionen weiter geführt werden sollen und welchen neuen Ideen man Platz gibt. Aber um die Subvention des Sommercasinos wird es sicherlich harte Diskussionen geben.»