Noch weniger wohl an Taubendreck und Menschen-Urin. Zum ersten Mal seit der grossen Sanierung von 1932 wird nun das Spalentor wieder komplett überholt. Und es bleibt deshalb geschlossen, Tag und Nacht. Ein Zustand, wie ihn die Stadt sonst nur im Krieg kannte. Zurzeit wird das Gerüst hochgezogen, wie Thomas Lutz von der Basler Denkmalpflege bestätigt: «Wir werden in der ersten Phase bis zur Spitze einrüsten, um das Dach zu prüfen»

Der Putz bröckelt

Die grosse Arbeit steht den Restauratoren an den Mauern bevor. Die Türme haben viel vom Putz verloren, der 1932 aufgetragen wurde. Vor allem der saure Regen in den 50er- bis 70er-Jahren hat den Putz angegriffen. «Von unten sieht das nicht dramatisch aus», so Lutz weiter, «aber von oben sieht man es bröseln». Vor allem die Simse, Umgänge und Zinnen sind angegriffen. Neben dem Verputz bereiten auch die darunter liegenden Steine Sorgen. Es ist dasselbe Material wie am Münster: Degerfelder Sandstein. Und den gibt es nicht mehr. Daum muss er sorgfältig gepflegt werden. «Es ist ein Mix von Schadenbildern aus der hundskommunen Witterung, dem sauren Regen und Russ.» Das Spalentor trägt die Spuren der industriellen Entwicklung sichtbar auf seiner Haut. Aussergewöhnlich am Spalentor ist, dass es wirklich noch ein Tor hat, die beiden Holzflügel sind gut 500 Jahre alt, könnten eventuell sogar die Originaltore von 1400 sein. Und sie haben unter dem Taubendreck von sechs Jahrhunderten gelitten. Und mindestens eben so stark nicht unter Feinden der Stadt, sondern unter ihren Bewohnern.

Urin zerfrisst die Tore

«Das unsägliche Problem mit dem Urinieren in diesem Durchgang macht uns zu schaffen», erklärt Lutz irritiert. Deshalb ist im Zwei-Millionen-Kredit für die Sanierung auch eine öffentliche Toilette neben dem Tor eingeplant. In der Hoffnung, diese würde dem Bollwerk als Schutz vor Angreifern mit Harndrang dienen. Die Sanierungsarbeiten sollten, wenn das Wetter mitspielt, in einem Jahr abgeschlossen sein.