Modegeschichte

Das Spielzeug Welten Museum in Basel bereitet der Jeans eine Hommage

Sie war verpönt, sie wurde Kult, sie ist zur Massenware geworden: die Jeans. An der blauen Hose aus Denim, dem indigogefärbten Baumwollstoff, lässt sich Kulturgeschichte ablesen.

Der deutsche Auswanderer Löb Strauss, Sohn eines jüdischen Hausierers, Textilimporteur in New York und San Francisco, hat das blaue Beinkleid als erster industriell gefertigt. Mit seinen Halbbrüdern gründete er 1856 die Firma Levi Strauss. Rund zwanzig Jahre später war Strauss bereits Millionär und die strapazierfähige Hose wurde zum Markenzeichen der Goldgräber und Cowboys. Ab den 1920er-Jahren wandelte sich die Arbeiter- zur Freizeithose.

Kultstatus erlangte die Jeans  nach dem Zweiten Weltkrieg

Marlon Brando trug sie als Outlaw in «The Wild One», James Dean als Halbstarker in «Rebel Without a Cause». Aus der Hose wurde ein Symbol für Rebellion. Biker, Rockstars, Künstler, Hippies und die Pioniere der Schwulenbewegung trugen sie als Zeichen der Abgrenzung gegenüber bürger­licher Prüderie.

Lange war die Jeans vielerorts verpönt. Das änderte sich spätestens mit Steve Jobs, der seit Beginn der 1980er-Jahre aufzeigte, dass für die Gründung eines Weltkonzerns Krawatte und Anzug unnötig sind. Es reichen Jeans und Rollkragenpullover.

Wie alt ist die Jeans und woher stammt sie?

«Denim» so der Titel der Schau im Spielzeug Welten Museum in Basel beginnt vielversprechend. Das erste Exponat ist ein Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert. Es wird dem «Maestro della tela Jeans», dem «Meister der Bluejeans» zugeschrieben. Niemand kennt den richtigen Namen des Malers, der vor 350 Jahren in Oberitalien Bilder armer Familien gemalt hat, auf welchen wiederkehrend ein blauer Stoff zu sehen ist. Auf einem Bildschirm herangezoomt sieht das Tuch dem heutigen Jeans-Stoff äusserst ähnlich.

Stammt der Stoff also doch aus Norditalien, wie die eine These behauptet? Die «Blue ­Gênes», im Englischen dann Blue Jeans, sei nach der Hafenstadt Genua benannt. Die andere These reklamiert Frankreich als Ursprungsland. Aus «de Nîmes» sei im Englischen Denim geworden. Welche These nun stimmt, sei weiterhin ungeklärt, so die Forschung.

Die Ausstellung zeigt, wie der blaue Stoff seit seiner Erfindung genutzt wurde

Archäologische Fundstücke sind die zerrissenen, schmutzigen Arbeiterhosen aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie stammen aus der Sammlung des Schweden Victor Fredbäck, die rund 400 Objekten zur Geschichte der Vintage-­Jeans umfasst. Ein Video zeigt, wie Fredbäck in einer verlassenen Goldmine in Nevada ein Paar halbverrottete Hosen aus den 1880er-Jahren ausgräbt. Ein Jeans-Gräber auf den Spuren der Goldgräber.

Die meisten der gezeigten, historischen Exponate stammen aus Fredbäcks Sammlung. Da ist auch die «Levi’s 701» zu sehen, die Lieblingsjeans von Marilyn Monroe. Erst in den Fünfzigerjahren begannen progressive Frauen, Jeans als Alltagshose zu tragen. Zuvor wurden sie höchsten als Reithose benutzt. An Plakaten aus der Mitte des Letzten Jahrhunderts ist der Wandel der Jeans von der Arbeiterhose zum Mode-Accessoire abzulesen.

Aus dem 21. Jahrhundert sind erlesene Designerstücke ausgestellt. Der legendäre Stoff beflügelt die Fantasie der Couturiers weltweit. Dass Denim auch für Kunstobjekte verwendet wird, zeigt die Ausstellung ebenfalls, auch wenn die präsentierten Exponate eher dem Kunsthandwerk zuzurechnen sind.

Spannende Themen, unglücklich präsentiert

Nach einem spannenden, his­torisch aufgeladenen Beginn franst die Ausstellung leider ins Ungefähre aus. Dass die millionenfache Produktion von Denim das grösste Umweltproblem der Kleiderbranche ist, findet zwar im Pressetext einen Platz, nicht aber in der Schau.

Woran liegt es, dass solche Aspekte – gerade beim Mode-Accessoir der Rebellion –  zu kurz kommen? Das Haus am Barfüsserplatz schafft es regelmässig, thematische Ausstellungen mit erstaunlichen Exponaten in die Stadt zu bringen. Leider werden diese in den immer gleichen, eng gestellten Vitrinen präsentiert. Eine unzeitgemässe formale Zwangsjacke, die zu überdenken lohnenswert wäre.

«Denim». Spielzeug Welten Museum, Basel. Bis 5. April.

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