Grosser Rat

Das Sportmuseum knockt den Regierungspräsidenten aus

Gegen die Argumente der Sportmuseums-Fans im Grossen Rat fand die Regierung kein Rezept. key/kefalas

Gegen die Argumente der Sportmuseums-Fans im Grossen Rat fand die Regierung kein Rezept. key/kefalas

Erneut setzt das Parlament Subventionen an das Sportmuseum gegen den Willen von Guy Morin durch. Auch zukünftig soll das Museum in Münchenstein jährlich mit 150'000 Franken unterstützt werden.

Selbst Gregor Dill, der Leiter des Sportmuseums, muss vor so viel Kampfeswillen den Hut ziehen: «Regierung und Verwaltung sind konsequent, sie wollen uns seit dem ersten Tag keine Subventionen bezahlen.» Er fühle sich nun, nachdem er 15 Monate um den nächsten Subventionsvertrag gekämpft hat, wie ein Boxer nach 15 Runden: «Wir haben gewonnen, aber wir sind angezählt». Der Kampf hatte im Grossratssaal stattgefunden. Und wie immer, wenn es um das Sportmuseum ging, ging es um Geld. Und wie immer war Regierungspräsident Guy Morin gegen die 150 000 Franken, die das Museum in Münchenstein jährlich aus dem Basler Staatsschatz bekommt. Und wie immer verlor er gegen eine breite Allianz, quer durch alle Parteien in den Parlamentsreihen.

Morin wechselte mehrfach die Taktik bei der Debatte über das Budgetpostulat von Sportfan Heinrich Überwasser (SVP). Erst versuchte er es mit finanzpolitischen Geraden zum Kopf: «Wir können in der Kultur nirgends Kürzungen vornehmen, das führt dazu, dass die Ausgaben ständig und ausschliesslich wachsen.» Das konterte ausgerechnet sein ehemaliger Leiter der Abteilung Kultur, Michael Koechlin: «Das Sportmuseum bekommt knapp ein Promille unseres Kulturbudgets, 150 000 Franken sind kein wesentlicher Beitrag zum unkontrollierten Wachstum des Kulturbudgets.»

Morin setzte mit einem Haken nach, doch auch sein «Das Anliegen des Regierungsrates ist, dass wir auch in der Kulturpolitik die Möglichkeit haben sollten, Schwerpunkte zu bilden und nicht einfach alles zu unterstützen», verpuffte ohne Schlagwirkung. Darauf verlegte er sich auf schnelle Schläge gegen den Körper: Das Museum sei monothematisch und überhaupt, «kann dieses Thema nicht im historischen Museum behandelt werden?» Dem hielt sein Dauer-Kontrahent Überwasser entgegen: «Das Museum soll sich zu einem Museum entwickeln für Sport und Zeitgeschichte, für Sport und Gesellschaft». Und Kerstin Wenk (SP) legte mit einem fiesen aber regelkonformen Kinnhaken einen drauf: «Wir warten nach wie vor auf das Museumskonzept, das wäre der Ort um Prioritäten zu setzen.»

Hartnäckiger Widerstand

Angesichts der Geschlossenheit seiner Gegner und deren Trefferdichte hätte Morin auch aufgeben können. Doch er gab nicht nach. Und hieb auf die Stelle, an der der Grosse Rat normalerweise sehr empfindlich reagiert. Er setzte den berüchtigten «Rampassen-Leberhaken» gekonnt ein: «Das Sportmuseum befindet sich auf Boden des Kantons Basel-Landschaft, der es nur projektspezifisch über den Lotteriefonds unterstützt.» Bei jedem anderen Thema wäre der Kampf hier gewonnen gewesen. Doch nicht beim Sportmuseum. Und so konnte Dill am Ende konstatieren: «In erster Linie sind wir erleichtert und dankbar, dass das so herausgekommen ist. Dass der Grosse Rat sich einmal mehr gegen die Regierung und hinter das Sportmuseum gestellt hat.» In der Tat, 49:24 wurden die Punkte verteilt, allerdings bei 16 Enthaltungen.

Offene Fragen bleiben

Der nächste Kampf dürfte aber bereits ins Haus stehen. Denn Dill geht davon aus, dass er nun «einen ordentlichen Subventionsvertrag über eine ganze Periode» bekomme. Also nicht nur 150'000 Franken, sondern jährlich 150'000 Franken während vier Jahren, beginnend in diesem Jahr. Denn das Budgetpostulat hatte die Aufhebung des Sparbeschlusses der Regierung verlangt, der eine Streichung des Sportmuseums aus der Subventionsliste vorsah. Der Subventionsvertrag müsse nun also regulär um vier Jahre verlängert werden. Hier besteht offensichtlich Klärungsbedarf.

Ob es in vier Jahren wieder zu einem derart harten Fight kommen wird, ist unklar. Dill sieht die Gegner seines Sportmuseums im Trio Guy Morin, Kulturchef Philippe Bischof und dessen Stellvertreterin Jeannette Voirol. Mit dem Abgang von Morin könnte sich hier etwas ändern.

Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

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