Das war eine heitere Debatte. Klar, für einmal ging es nicht um Leben und Tod, wie etwa Parkplätze. Nein, die Finanzierung des Sportmuseums wurde zum Spielball der Basler Grossräte. Und schliesslich verspricht das Zusammenspiel aus Sport und Politik nicht erst seit Adolf Ogi eine interessante Kombination. Die finanzielle Situation des Sportmuseums ist ein politischer Wiedergänger. Ein Classico, sozusagen.

Wiederholt gaben die Geldsorgen des Museums, das am Dreispitz ein Nischendasein fristet, zu reden. In den vergangenen Jahren sprangen immer wieder sportbegeisterte Parlamentarier in die Bresche. Um es vorwegzunehmen: so auch dieses Mal. Dabei standen die Chancen zu Beginn schlecht. Die vorberatende Bildungs- und Kulturkommission wollte die Beiträge für die Jahre 2016-2019 streichen. Gegen drei grosse Widerstände kämpft das kleine Museum: Die Beiträge des Bundes sind unsicher, jene aus dem landschaftlichen Nachbarskanton ebenso und dazu kommen wenig zufriedenstellende Besucherzahlen.

Die Fronten, so schien es, waren schnell klar: Team «Steuersparer» versus den «Museumsfans». Doch wurden die Trikots für einmal nicht nach Parteifarben ausgesucht. Denn schon mit Michael
Koechlin zeigte sich, dass die Liberalen nicht mit einer geschlossenen Zehnerkette antreten würden. Bei der SVP übernahm Heinrich Ueberwasser den Part des Liberos, der das Spiel aufbauen sollte. Beide sprachen sich für eine neue Geldspritze in das kränkelnde Museum aus. Auf der Gegenseite gab David Jenny von der FDP den Abwehrpatron. Er warf ein: «Nach 52 Jahren ist das Sportmuseum trotz Ueberwasser immer noch unter Wasser.» Damit spielte er klar auf den Mann. Das Hin und Her verkam so zwischenzeitlich zu einem Hickhack, ohne dass sich eine Mannschaft nennenswerte Vorteile erarbeiten konnte. Bis sich Tobit Schäfer von den Genossen einwechselte.

Kompromiss aus der SP

Der SP-Grossrat brachte mit einem Abänderungsantrag eine Steilvorlage. Dieser sah vor, die Beiträge an das Sportmuseum von ursprünglich geforderten vier auf zwei Jahre zu kürzen. Damit umdribbelte er manchen Gegner aus den Reihen der Sparfüchse. Jetzt kam im Ratssaal auch wieder Leben auf. Felix Eymann (LDP) reihte sich ein in die lange Liste der Redner und erinnerte an seine Sixpack-Zeiten. Gar Dominique König-Lüdin (SP), als Grossratspräsidentin eigentlich eher in der Rolle der Schiedsrichterin, klinkte sich ein und verlangte spontan ein Foto des ehemaligen Zehnkämpfers, der sich heute «phänotypisch eher zu den Sumo-Ringern zählt.» Erst als sich die Debatte dem Schlussresultat näherte, glich die Szenerie wieder jenem Ernstkampf, der hier eigentlich ausgetragen wurde. Dort zeigte sich der Kompromiss erfolgreich: Mit einem Verhältnis von 72 gegen 16 Stimmen siegten die Unterstützer des Sportmuseums schliesslich klar.

Die Sorgen bleiben

In grossen Jubel dürften die Verantwortlichen des Sportmuseums dennoch nicht ausbrechen. Denn: Die strukturellen Probleme des kleinen Betriebs lösen sich damit nicht auf. In diesem Jahr laufen die Subventionen des Bundes aus, die Finanzierung aus Baselland führte bislang über den Lotteriefonds und steht nach wie vor auf äusserst wackligen Beinen. Jetzt erhält das Museum für die Jahre 2016 und 2017 je einen Betrag von 150 000 Franken. Das sind 75 Franken Subventionen pro Jahr für jeden zahlenden Besucher, denn nur etwa 2000 Interessierte finden jährlich den Weg in die Ausstellungsräume. Das Sportmuseum erreichte mit dem gestrigen Sieg einen Achtungserfolg. Langfristig sind die Aussichten auf den Erhalt in der hart umkämpften Liga der Basler Museen aber eher düster.