Menschen? Fehlanzeige. Auf Streifzug durchs Steinenbachgässlein entdeckt man nur etwas: gähnende Leere. Die einzigen Geräusche kommen von den Bauarbeiten an den benachbarten Gebäuden.

Die kleine Schwester der Steinenvorstadt ist trist. Die Läden kehren einem grösstenteils konsequent die Rückseite zu. Jene, die ihre Ware in den auf das Steinenbachgässlein ausgerichteten Schaufenstern präsentieren, sind geschlossen. Die Schaufenster laden aber ohnehin nicht zum Shoppen ein: Das Licht ist aus. Auch hier: Menschen? Fehlanzeige. Um die hinter der Ausgangsmeile versteckte Gasse zu beschreiben, bedarf es lediglich dreier Worte: leer, leise und lausig besucht.

Die Stadt hat das Problem der Gasse mit Bronx-Flair – auf das Ghetto ähnliche Ambiente geht auch der inoffizielle Name der Gasse zurück – erkannt und versuchte sie vor zwei Jahren im Rahmen des Projekts «Unverschmiert schön» aufzuwerten. Das Projekt kann jedoch nur als teilweise geglückt bezeichnet werden.

Auch wenn die Sprayereien wie Tags entfernt wurden und der Abfall verschwunden ist, schön ist es immer noch nicht. Zweit Drittel des Weges, der den Kohlenberg mit dem Steinenparking verbindet, ist von Grautönen beherrscht. Es ist düster, dunkel, gar ein bisschen deprimierend. Kein Wunder, will sich hierhin auch tagsüber niemand verirren.

Graffitis und Azulejos

Der einzige Lichtblick des längsten Pissoirs der Stadt ist am unteren Ende in Richtung Barfüsserplatz zu finden: ein etwa 50 Meter langes Kunstwerk von «art4000.ch» ziert die Wände auf Höhe des Kelim-Restaurants. Wirklich über die Trostlosigkeit hinwegtrösten können die Wandmalereien aber nicht.

Auch die Azulejos, glasifizierte Keramikfliesen, die in Spanien und Portugal aufgrund ihrer Wetterfestigkeit oft Aussenwände verzieren und damit die Stadtbilder prägen, reichen dafür nicht aus. Die Kunst scheint im kuriosesten Gässchen der Innenstadt verschenkt.

In diese Kategorie fällt auch das Trompe-l’Œil, welches die seltenen Besucher beim unteren Eingang beim Barfi in Empfang nimmt. Obwohl, in Empfang nehmen ist hier der falsche Ausdruck. Es ist so geschickt am linken Eckhaus angebracht, dass es als Ergänzung der rechten Fassade scheint. Man könnte fast meinen, dass es Besuchern signalisieren will: «Hier ist kein Durchgang, kehr besser wieder um!»

Leben ist in der Gasse, die schon früher ob ihrer Nähe zur Henkersstiege keinen guten Ruf hatte, nur am Wochenende zu finden. Und auch dann nur an der Ecke zur Steinenvorstadt, wenn die Balz Bar ihre Tür öffnet und feierlustige Nachtschwärmer einlädt. Aber auch die dann auf einmal vorhandenen Menschenmassen können nicht über den Hinterhof-Charme der Gasse hinwegtäuschen.

Wäre die Steinenvorstadt die verwöhnte Tussi, ist das Steinenbachgässlein der arme Bettler. So krass sind die Gegensätze der Parallelstrassen. Auf der einen Seite Scheinwerferlicht, auf der anderen Schattendasein. Frau wird geraten, nachts nicht alleine durch das Steinenbachgässlein zu laufen. Ausser, sie will ihre Ruhe abseits des grossen Trubels. Denn etwas bewährt sich hier auch am Wochenende: Menschen? Fehlanzeige.