Basel

Das Stelldichein beim Kunstmuseum: Herzog & de Meuron stossen auf Widerstand

Pierre de Meuron, ein langjähriger Intimus des Kunstmuseums.

Pierre de Meuron, ein langjähriger Intimus des Kunstmuseums.

Denkmalschützer kritisieren die Umbaupläne für das Kunstmuseum. Ein Basler Sittengemälde.

Die Meinung des Basler Denkmalrats ist gemacht: Die Fassade des monumentalen Basler Kunstmuseums ist sakrosankt und darf nicht für eine bessere Vermarktung und Sichtbarkeit des Museums mit weiteren Öffnungen versehen werden. Dies betont Eugen Krieger, Präsident des Denkmalrats, gegenüber dem «Regionaljournal». Das SRF-Radio fragte nach, nachdem diese Zeitung am Donnerstag Pläne publik gemacht hatte, einen Eingang des Museums an die Dufourstrasse zu verlegen und entsprechende Eingriffe an der Fassade vorzunehmen.

Dem Denkmalrat wurden bereits im vergangenen Jahr die Ideen vorgelegt, wie die Architekten Herzog & de Meuron (HdM) mit einer Umgestaltung des Erdgeschosses die Attraktivität des Hauptbaus steigern wollen. Dieser wird von den Besuchern links liegengelassen, seit auf der gegenüberliegenden Strassenseite der Erweiterungsbau mit Sonderausstellungen den Besucherstrom absorbiert. Vorsorglich hat der Denkmalrat daraufhin zum schärfsten Mittel gegriffen: Er stellte bei der Regierung den Antrag, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen.

Wo Maja Oeri ist, da ist HdM nicht weit

Die Affiche ist pikant: Der Denkmalrat wendet sich mit dem gleichen Mittel auch gegen die Pläne von HdM, markante Teile der Rheinfront des Roche-Campus abzureissen. Und als weitere Parallele: Wie die Familie Oeri den Kern der Roche-Aktionäre stellt, geht im Kunstmuseum nichts ohne Grossmäzenin Maja Oeri, die 70 Millionen Franken zum Erweiterungsbau beisteuerte.

In der Geschichte des Kunstmuseums der vergangenen zwei Jahrzehnte spiegelt sich die Auseinandersetzung zwischen den Bewahrern und den Erneuern der Basler Gesellschaft. Und stets mitten im Geschehen: Herzog & de Meuron.

Ihre Vorstellungen für eine Erweiterung präsentierten sie bereits 2001. Ausgeschrieben war ein Wettbewerb für einen Pavillon, HdM sprengte die Vorgabe und schlug vor, einen Turm in Form eines Kristalls im Garten des Kunstmuseums zu errichten. Das visionäre Projekt hatte keine Chance. Die kleine Erneuerung – ohne Pavillon, aber mit einer Neugestaltung des Erdgeschosses samt dem Einbau des Restaurants – realisierte 2003 das Zürcher Büro Gigon Guyer.

Beim Architekturwettbewerb von 2009 für den grossen Erweiterungsbau nahm HdM nicht teil. Selbst in einer seidig verbandelten Stadt waren die Verstrickungen zu eng geworden: Pierre de Meuron gehört als Vertrauter und Architekt von Maja Oeri nicht nur der Kommission für das Kunstmuseum an. Zusammen mit Jacques Herzog und Maja Oeri hat er dem Museum auch eine Bilderserie von Gerhard Richter geschenkt. Zudem hat er die Fotosammlung von Jacques Herzogs Bruder Peter in die Nähe der Sammlung des Kunstmuseums gebracht. Die aktuelle Ausstellung präsentiert das Zusammenspiel.

Pierre de Meuron war aber immerhin in der Jury für den Erweiterungsbau. Den Wettbewerb gewann mit Christ Gantenbein ein Büro, dessen Partner nicht nur einst bei HdM lernten, sondern die auch in dynastischer Nachfolge von Rudolf Christ stehen, dem Architekten des Hauptbaus von 1936. Alt und neu waren ideal verwoben.

Dem Vernehmen nach hatte sich Pierre de Meuron in der Jury eher für das zweitplatzierte Projekt von Diener + Diener ausgesprochen. Dieses hat eine oberirdische Verbindung der zwei Museumskörper vorgesehen und damit einen massiven Eingriff in die Fassade des Hauptbaus.

Ein Auftrag an das Kommissionsmitglied

Museumsdirektor Josef Helfenstein äusserte bald nach Eröffnung des Erweiterungsbaus sein Unbehagen an der heutigen Situation, in der die Museumskörper mit unterirdischer Verbindung nur ungenügend zusammenspielen. 2018 erteilte Immobilien Basel als staatliche Vermieterin des Museumsbaus ohne Ausschreibung dem Büro HdM den Auftrag, ein Konzept für einen Umbau des Erdgeschosses zu verfassen. Dieses Konzept ist die zentrale Grundlage für die öffentliche Ausschreibung, mit der seit dieser Woche ein Architektur- und Planerteam gesucht wird.

Die Selektionskriterien der Ausschreibung sind auf HdM geradezu zugeschnitten. Verlangt sind Erfahrungen im Museumsbau, wofür das Büro erstklassige internationale Referenzen vorweisen kann. Zudem müssen vergleichbare «Sanierungen» und Arbeiten an «historisch wertvollen Liegenschaften» belegt werden, womit sich HdM mit ihrem kürzlich abgeschlossenen, klassizistisch anmutenden Ergänzungsbau zum Basler Stadtcasino geradezu aufdrängt.

Ein Zuschlag an HdM ist möglich, da de Meuron der Jury nicht angehören wird. Dort sind dafür Roger Diener vertreten, der die Fassade gänzlich umgestalten wollte, sowie Annette Gigon, die das Erdgeschoss gestaltete bevor es Christ Gantenbein teilweise wieder umgestaltete. Es wäre überraschend, sollte der Denkmalrat, auch wenn er dezidiert auftritt, diesem Stelldichein Paroli bieten können.

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