Wirtschaft

Das stille Ende der Baselworld: Auch 2021 fällt aus – ein Nachfolgeprojekt ist bereits in Planung

Das neue Konzept stand schon, die Aussteller waren vertröstet – doch jetzt macht die MCH Group ernst: Selbst die kommende Ausgabe der Uhrenmesse ist abgesagt. Der einzige Stolz des Basler Messeplatzes ist am Ende, ein Nachfolgeprojekt ist in Planung.

Gemessen am einstigen Luxus und Aufwand, den die Baselworld in ihren besten Zeiten ans Rheinknie brachte, geht die berühmteste Uhrenmesse der Welt fast schon leise zu Ende. Mit einer simplen Mitteilung teilte die MCH Group am Donnerstag mit, dass sie nach der wegen Corona abgesagten Baselworld 2020 auch die Ausgabe 2021 einstellt. Allerdings aus einem anderen Grund: Der Messe sind die prominentesten Aussteller davongelaufen.

Der unspektakuläre Titel der Mitteilung lautet: «Einigung mit Ausstellern und Prüfung neuer Plattformen». Erst ganz am Schluss heisst es deutlich, dass die Baselworld, wie man sie kennengelernt hatte, definitiv nie mehr stattfinden wird. Dies ist nunmehr der Vollzug dessen, was Ueli Vischer, Verwaltungsrat der MCH Group, bereits im Interview gesagt hatte.

Der Streit um 2020 wird damit abgeschlossen

Gleichzeitig beendet die MCH Group den Streit wegen der abgesagten Ausgabe 2020. Dabei ging es um die Abrechnung der Leistungen. Grosse Uhrenfirmen zeigten sich mit dem vorgeschlagenen Modus der Rückzahlung beziehungsweise Anzahlung auf die Ausgabe 2021 nicht einverstanden. Im Zuge dessen gaben mehrere der Messe bislang treu gebliebenen Marken ihren Austritt aus dem Ausstellerfeld der Baselworld bekannt. Patek Philippe, Rolex, Tudor, Chanel, Chopard, Hublot, Zenith und Tag Heuer werden von nun an Teil einer neuen Uhrenmesse in Genf sein.

Nun ist man sich immerhin in Bezug auf die Abrechnung der abgesagten Baselworld 2020 einig geworden: Die von der MCH Group nicht weiter ausgeführte Rückzahlungsmodalität sei vom Komitee einstimmig gutgeheissen worden und würde von weiteren Industrieverbänden gestützt. Bernd Stadlwieser, CEO der MCH Group, betont, dass man «mit dieser Lösung an die Grenzen des Möglichen» gehe, damit aber der Verantwortung der Messe gegenüber den Beteiligten gerecht werde: «Jetzt können wir uns ganz auf die Zukunft konzentrieren.» Was nun eben auch eine Zukunft ohne Baselworld bedeutet.

Jetzt soll es neue Formate für eine Luxusmesse geben

Das Aus der Luxusmesse wurde in Basel bereits nach Bekanntwerden des Rückzugs der grossen Uhrenmarken lautstark beklagt. Insbesondere Hotellerie und Gastronomie rechnen deswegen mit Millionenausfällen. Dies zusätzlich zur Coronakrise, deren Auswirkungen auf den Tourismus noch bis 2022 zu spüren sein werden, wie der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff im Interview sagte.

Die MCH Group wird das Feld der Uhren- und Luxusmessen allerdings nicht kampflos an Genf preisgeben. «Wir sind intensiv daran, zusammen mit den Ausstellern und Besuchern die Bedürfnisse und Möglichkeiten neuer Plattformen abzuklären und zu diskutieren», so Baselworld-Direktor Michel Loris-Melikoff. Die MCH Group will nun bis im Sommer über mögliche Folgeformate entscheiden und danach über das weitere Vorgehen informieren.

Loris-Melikoff konnte in dieser Funktion bislang nur eine Baselworld durchführen: Seine erste im Jahr 2019. Bereits damals machte die MCH Group klar, dass sie die Baselworld stärker digitalisieren und aufs Kundengeschäft ausrichten möchte. Das wurde von den grossen Uhrenfirmen, die am klassischen Konzept festhalten wollten, nicht akzeptiert.

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