Sollte eines Tages eine Biografie über Jan Tanner auf den Markt kommen, müsste diese konsequenterweise «Der Optimist» heissen. Kaum ein anderer Mensch schafft es, eine vertrackte und ungute Situation wie die des Kleinhüninger Stücki-Shoppingcenters in ein derart positives Licht zu rücken wie der Center Manager. Seit Jahren spricht er von «Chancen» und «Challenge» – und er wird nicht müde, die zuversichtlichen Worte zu wiederholen. Und das, obwohl Kunden fernbleiben und Läden zugehen.

Das Shoppingcenter am Stadtrand wurde vor viereinhalb Jahren unter Pauken und Trompeten und mit einem ambitionierten Ziel eröffnet: Mit seinen 120 Läden und den Gastro-Betrieben sollte das Stücki zum «qualitativ besten Einkaufszentrum der Schweiz» werden. Lange vor der Eröffnung wappneten sich potenzielle Konkurrenten. Günther Merz vom Rheincenter im benachbarten Weil am Rhein warnte damals, das Stücki könnte Läden im Stadtzentrum gefährden. Auch er sehe das Projekt mit «gemischten Gefühlen», sagte er.

Filialen bevorzugen Innenstadt

Jetzt, einige Jahre nach dieser Einschätzung, zeigt sich: Die Befürchtungen trafen nicht ein, im Gegenteil. Am vergangenen Samstag schloss der Gürtel-Laden «Buckles & Belts» sein Geschäft im Stücki, die Filiale am Spalenberg in der Innenstadt aber bleibt bestehen. Dasselbe gilt für das Kosmetikgeschäft «L’Occitane en Provence»; im Stücki ist der Laden seit Samstag geschlossen, die Filiale in der Freien Strasse aber wird weiterbetrieben. Ebenfalls seinen letzten Tag im Stücki hatte die «USA Boutique». Auch weitere Geschäfte werden den Standort aufgeben.

Doch längst nicht für alle freien Flächen steht ein Nachmieter bereit. Bisher sind erst zwei Neuerungen unter Dach und Fach: Die Kleiderkette «H&M» wird ihre Verkaufsfläche erweitern und im Juni «H&M Home» eröffnen. Die deutsche Firma «Adenauer&Co» zieht im Mai mit einem «Beach House» ein. Es handelt sich um denselben Betreiber, der schon die Boutique «Guess» im Stücki führt. Im Center-Umfeld ist von aktuell sieben Ladenkündigungen die Rede.

Jan Tanner will die Zahl nicht bestätigen. Noch sei unklar, wer wirklich gehe und wer allenfalls innerhalb des Centers umgesiedelt werde. Er sagt nur: «Es sind mehrere Mieter betroffen.» Im selben Atemzug spricht er von einer «Chance». Etwa, was den Standort betreffe. «Kleinhüningen wird oft schlechter dargestellt, als es ist.» Namentlich befinde sich das Stücki in der Nähe mehrerer Naherholungsgebiete, sei direkt an die Autobahn und den öffentlichen Verkehr angebunden und werde sich in den kommenden Jahren zu einem attraktiven Quartier entwickeln.

Was das Stücki selber betrifft, so wurde «die Aufenthaltsqualität» im vergangenen Herbst mit einem Licht- und Farbkonzept verbessert. Und vor einem Monat hat die mehrfach preisgekrönte Werbeagentur «Jung von Matt/Limmat» eine Stücki-Imagekampagne samt Gutscheinheft lanciert.

Diese Tatsachen täuschen nicht über die Probleme hinweg, die das Stücki offensichtlich hat: zu wenig Kunden und zu viel Konkurrenz. Ausgerechnet das Rheincenter, dessen Chef einst «gemischte Gefühle» hatte, läuft so gut, dass der Marktkauf ab Dienstag eine Stunde früher öffnet. Täglich drängen sich Schweizer mit Kennzeichen aus allen Kantonen in das Parkhaus. Ende Jahr fährt das Basler Tram direkt vor das Rheincenter. Und inzwischen interessieren sich auch Schweizer dafür, dort ein Geschäft zu eröffnen. Ein erster Schweizer ist neulich eingezogen.

Jan Tanner räumt zwar ein, dass der tiefe Euro weiter ein Problem darstelle. Betont aber gleichzeitig die Vorzüge «seines» Centers. Auch mit weniger als 100 Geschäften liesse sich ein attraktives Erlebnis aus einem Stücki-Besuch machen. Geplant ist die Eröffnung eines Fitnesscenters. Und im Gastro-Bereich sind «Verbesserungen» vorgesehen. «Längerfristig zählt das Angebot mehr aus als die Anzahl Shops», ist Tanner überzeugt. Selbstredend beantwortet er die Frage, ob das Stücki Zukunft habe, mit einem überzeugten «Ja».