«Vor acht Jahren war die Welt noch eine andere.» Peter Lehmann, Geschäftsführer von Swiss Prime Site Immobilien (SPS), hat offensichtlich einen Hang zur Dramatik. Was allerdings nicht weiter erstaunt: Das Stücki Shoppingcenter in Kleinhüningen – die SPS ist Eigentümerin – war seit seiner Eröffnung vor acht Jahren nie profitabel, viemehr lief es dramatisch schlecht: niedrige Besucherfrequenzen, leerstehende Ladenflächen, zig Wechsel in der Centerleitung.

Das Stücki drohte, wegen der Eurokrise, dem starken Onlinehandel und seiner Abgelegenheit unter die Räder zu kommen. Damit hatte die SPS nicht gerechnet. Weil die Welt damals, als man das Shoppingcenter plante, noch eine andere war.

Nun scheint Lehmann aber einen Weg gefunden zu haben, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Was sich zu Beginn des Jahres angedeutet hat mit der Ankündigung, ein Gigaplex-Kino mit 18 Sälen auf Kosten von Ladenfläche einzubauen, nimmt nun noch weit grössere Formen an. Das Stücki soll laut Lehmann «zum übergeordneten Zentrum» werden, einem Zentrum für Innovation, Arbeit, Gesundheit, Erlebnis, Gastronomie und Nahversorgung, ja, einem ganzen Quartier. Dem zum Opfer fällt das Einkaufszentrum. Anastasius Tschopp, Portfolio-Verantwortlich bei SPS, betonte am Mittwoch an einer Medienkonferenz mehrere Male – und hörbar erleichtert: «Das Stücki ist kein Shoppingcenter mehr.» Man setze nun neue Schwerpunkte in einem «aufstrebenden Quartier».

Bürofläche wird verdoppelt

Neu nennt die SPS das Areal Stücki Park. Dazu gehört neben dem Shoppingcenter-Bau auch der angrenzende und derzeit vollvermietete Business-/Technologiepark. Hier finden mit Unterstützung des Kantons Basel-Stadt einerseits Start Ups aus dem Life-Science-Bereich, aber auch Konzerne wie Lonza Platz. Und die Büroflächen werden ab kommendem Jahr deutlich erweitert. Zwischen Shoppingcenter und Businesspark sollen bis ins Jahr 2023 vier Neubauten nach Plänen von Blaser Architekten Basel zu stehen kommen. Die erste Etappe wird laut SPS bereits in vier Jahren abgeschlossen sein, die Ausschreibung für die Generalunternehmung «zeitnah» erfolgen.

Infogram: Flächen Stücki

Durch den Bau wird sich die vermietbare Bürofläche mehr als verdoppeln. Gleichzeitig wird der Ladenbereich im Centerbau um 70 Prozent oder zwei Drittel reduziert (siehe Grafik), im Totalen wird die Fläche des Areals derweil um einen Drittel vergrössert. Lehmann sagte: «Wir sind überzeugt, dass in der Region Basel ein grosses Bedürfnis nach modernen Labor- und Büroräumlichkeiten besteht. Mit der Weiterentwicklung des Stücki können wir diesem Umstand Rechnung tragen.» In diese «Weiterentwicklung» investiert die SPS die stolze Summe von 250 Millionen Franken, davon 180 Millionen in den Bau der vier Bürogebäude.

Entsprechend erfreut lässt sich der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP) in einer Mitteilung zitieren; die Investitionen seien ein klarer Beweis für die Standortqualität von Basel-Stadt. Und: «Das Einkaufszentrums erlebt durch die Verbindung zu den Büro- und Laborräumlichkeiten eine interessante Weiterentwicklung, welche auch den Bewohnern des Quartiers Kleinhüningen zugutekommen wird.»

An der heutigen Medienkonferenz war der Regierungsrat allerdings nicht anzutreffen. Genau so wenig wie ein Vertreter der Handelskammer oder des Gewerbeverbands Basel-Stadt. Umso präsenter: Christian Mutschler. Der Wincasa-Mann ist seit Frühling 2016 für das Management und die Vermietung im Areal verantwortlich. Was bedeuten die neuen Dimensionen für ihn und sein Team? «Nur Gutes. Die SPS hält am bestehenden Vertrag mit Wincasa fest, und im Zuge des Ausbaus werden auch wir uns deutlich vergrössern müssen. Nein, dürfen.»

Startete Mutschler im vergangenen Jahr mit einem achtköpfigen Team, zähle er heute bereits 18 Mitarbeiter, «und bis zum Abschluss der Neubauten und des Umbaus werden es noch mehr sein», sagte er. Das sind allerdings Peanuts im Vergleich zu jener Anzahl Stellen, die durch die Neuorientierung des Stücki vor Ort Raum erhalten sollen; die SPS rechnet mit 1700 Arbeitsplätzen. Mutschler sagt, es gäbe bereits Mietinteressenten für die Neubauten, und frohlockt: «Im Stücki Park wird das Leben im ganzheitlichen Sinne möglich sein. Also arbeiten, einkaufen, den Arzt besuchen, das Kind in die Kita bringen, ins Kino gehen, Sport treiben– Vieles ist möglich.» Er gibt zu, dass es eine Herausforderung sein werde, dabei nicht die Verbindung an Kleinhüningen zu verlieren, und sagt vage: «Wir befinden uns im Austausch mit Vertretern des Quartiers, etwa mit der Bürgerkorporation oder auch Klybeckplus. Es soll auf keinen Fall ein in sich geschlossenes Areal werden.»

Fitnesscenter mit Mitgliederstopp

Dass eine Umnutzung von reinem Retail hin zum grossen Mischangebot der richtige Weg sei, so Mutschler, zeige sich etwa am Fitnesscenter Gyym. Dieses befindet sich im ersten Obergeschoss des ehemaligen Einkaufszentrums, und laut den Betreibern, Thomas und Rolf Schmitz aus Hamburg, sei nur 20 Monate nach der Eröffnung das Maximum der Mitgliederzahl über 4600 erreicht. «Derzeit können wir leider keine neuen aufnehmen», sagt Thomas Schmitz zur bz. Spätestens im Sommer kommenden Jahres sollte dies wieder möglich sein. In den nächsten Monaten wird die Fläche des «Gyym» fast verdoppelt, auf 3600 Quadrameter. «Die Weiterentwicklung des Stücki ist ein Glücksfall für uns», so die beiden Brüder.

Das muss in den Ohren von Areal-Manager Christian Mutschler wie Musik klingen. Er sagt: «Reines Retail ist an diesem Standort sicher nicht zukunftsbringend. Nun haben wir die Weichen für den Erfolg gestellt.» Das Stücki ist tot, es lebe der Stücki Park.