Auf der Pfalz seien sie jetzt das erste Mal, erzählt Niccel Steinberger. Sie und ihr Emil geniessen dort eine der besten Aussichten über Basel. Und obwohl sie begleitet werden von einem zehnköpfigen Fernsehteam, ist dieser Stadtspaziergang auch persönlich ein besonderer: Es ist der erste durch ihre neue Heimat Basel. Im Juli ist das Paar vom Genfersee an den Rhein gezogen. Doch die beiden waren bisher viel zu beschäftigt, um den neuen Wohnort zu erkunden. Sie seien ständig auf Tournee und gerade mal knapp zum Auspacken gekommen.

In New York, wo Emil Steinberger einige Jahre gelebt hat, haben er und die deutsche Autorin und Lachtrainerin Niccel Steinberger geheiratet. «Ich würde jederzeit zurück, aber jetzt ist Basel an der Reihe.» lacht Niccel. Die Weltstadt haben sie hier vielleicht nicht gefunden, aber mit Basels neuem Wolkenkratzer — dem Roche-Turm — ein Stück alte Heimat. «Manhattan kommt hier auch langsam», sagt Emil begeistert. Am schönsten sei es morgens bei Sonnenaufgang. «Dann ist eine ganze Seite des Turms rosa gefärbt.»

Die Steinbergers wissen, wie man sich vor der Kamera gibt, und lachen mit SWR-Moderatorin Annette Krause um die Wette. Immer wieder mal zupft die Make-up-Assistentin an Emils Haarschopf herum. Soll sie das «Tschüpeli» doch gleich abschneiden, meint dieser dazu lachend.

Medienrummel ist für die beiden nichts Ungewöhnliches: Emil Steinberger ist für die meisten einfach «Emil» — der erfolgreichste Schweizer Kabarettist. Nicht nur hierzulande hat er sich mit seinen TV-Sketchen einen grossen Namen gemacht. «Für die Deutschen ist Emil wohl der bekannteste Schweizer überhaupt. Die wenigsten wissen aber, dass er in Basel wohnt», sagt der SWR-Sendungsverantwortliche Jochen Schmid. Es habe ein bisschen Überredungskunst gebraucht, die zwei Lach-Spezialisten vor die Kamera zu holen: «Zuerst wollten die Steinbergers nicht mitmachen, weil sie Basel noch nicht gut kennen.»

Autogramme und Geschenke

Vom Münsterplatz geht es hinunter zur Freien Strasse und auf den Marktplatz. Es ist Mittagszeit und der Menschenrummel ist gross. Einige Passanten erkennen Emil. Im Rathaus lädt der Pförtner den grossen Humoristen zu einem spontanen Kaffee ein — leider fehlt dem 81-jährigen Emil dazu die Zeit. Doch zu solchen Situationen komme es immer wieder, erzählt er. «In Basel wurden wir überaus herzlich empfangen.» In den Drehpausen bitten ihn ein paar Leute um ein Autogramm. Emil ist für diesen Fall ausgerüstet: Er trägt oft Autogrammkarten mit sich. Am Marktplatz erkennen ihn Touristen aus Thüringen, die mit dem berühmten Schweizer für ein Foto posieren wollen. Man merkt: Dieser Mann hat viele Fans, doch seine bescheidene Art hat er stets behalten. Vielleicht hat ihn gerade das zum grossen Publikumsliebling gemacht.

Während der Dreharbeiten beim Basler «Walk of Fame» am Spalenberg kommt es zu einer weiteren Überraschung: Ein Passant kauft Emil spontan eine Tüte mit Bäckerei-Leckereien. Einfach so, als Dank für die vielen Lachstunden, die er ihm zu verdanken hat.

Mit Vorfreude aufs Riesenrad

Doch was hat den grossen Emil und seine Liebe Niccel nach Basel gebracht? Es sei zum einen die Sehnsucht nach dem Schweizerdeutsch gewesen. Den Basler Dialekt habe er dabei besonders gerne, erzählt der gebürtige Luzerner vor der Kamera. Geografisch sei die Stadt für sie gut gelegen, da sie nach Tourneen in Deutschland schneller wieder zu Hause sind. Und ausserdem mögen die beiden das vielfältige kulturelle Angebot und dass «trotzdem alles zu Fuss erreichbar ist», sagt Niccel. Sie freue sich besonders auf die Herbstmesse, an der sie zuvor nämlich noch nie war. «Wir wollen unbedingt die Aussicht vom Riesenrad erleben.»

Doch zunächst sind die beiden wieder in Deutschland unterwegs. Der viel beschäftigte Emil Steinberger sitzt bereits heute Abend vor einem ausverkauften Publikum in der Nähe von München und zeigt sein Bühnenprogramm «Drei Engel». Müde scheint er noch lange nicht zu sein.