Konzert

Das szenische Konzert «Heroïca» besucht uns bald im Theater Basel

Szenisches Konzert für sieben Instrumentalisten – und eines voller «Battles» und Störmomente.

Szenisches Konzert für sieben Instrumentalisten – und eines voller «Battles» und Störmomente.

Beim Lucerne Festival wurde im Rahmen des Projekts «Young Performance» das szenische Konzert«Heroïca» entwickelt, das auch im Theater Basel zu Gast sein wird. Bei diesen Projekt wird der Musiker zum Akrobaten und Performance-Künstler.

In einem Konzert spielen die Musiker meist eine festgelegte Rolle, sie sind ernsthaft und konzentriert. Die besten unter ihnen schaffen nebenbei noch ein Lächeln und vermitteln den Eindruck von Leichtigkeit. In dem Moment, wenn der Dirigent seinen Taktstock hebt, legt sich üblicherweise eine erwartungsvolle und bedeutungsschwangere Stimmung über den klassischen Konzertsaal.

Das Lucerne Festival versucht mit dem Projekt Young Performance dieses Ritual aufzubrechen. Bei der ersten Umsetzung des neuen Formats lassen die Festivalmacher dabei nichts anbrennen. Gleich fünf Personen (Regie, Choreografie, musikalische Einstudierung, Kostüme und Licht) arbeiteten mit den sieben jungen Instrumentalisten, von denen drei in Basel studieren. Sie wurden alle im Anschluss an die Lucerne Festival Academy im vergangenen Jahr gecastet. Gemeinsam haben sie ein szenisches Konzert entwickelt, bei dem vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe, Kinder und Jugendliche ab 9 Jahren, viel Situationskomik zum Einsatz kommt.

Eine bunte Mischung

Im Entstehungsprozess wurden die Musiker aufgefordert, ihre Lieblingsmusik mitzubringen. So kam eine bunte Mischung zusammen: Mozart, Stockhausen, auch ein bisschen Jazz, wobei die einzelnen Stücke im Konzert oft nur ausschnittsweise gespielt werden. Auf Grundlage der Musik wurden dann kleine Szenen entworfen, welche den typischen Ablauf eines Konzerts aushebeln. Oft haben Dan Tanson und Laura van Hal, die für Konzept und Inszenierung verantwortlich sind, dafür ziemlich klamaukige Lösungen gefunden. Die Harfenistin betritt am Anfang die Bühne und ist plötzlich beschämt über ihre Kleidung, als sie das Publikum bemerkt. Also versteckt sie sich in ihrem Harfen-Softcase. Diese wandelnde Harfenhülle durchquert mehrmals die Bühne und kommt den anderen, die gerade am Spielen sind, in die Quere. Solche Störmomente kommen häufig vor. Der Posaunist rennt wie angestochen durchs Bild, während die anderen eine ruhige Klangfläche von James Tenney spielen. Eine Art Battle findet zwischen Musikerinnen und Musikern statt, bei dem sie sich mit Tönen gegenseitig «attackieren».

Keine starren Rollen

Der Regisseur Tanson, der aus Luxemburg stammt und viele Produktionen im Bereich Nouveau Cirque realisiert hatte, stülpt den Musikern keine Rollen über. Den verschiedenen Charakteren, von denen vor allem der Schlagzeuger João Carlos Pacheco durch seine starke Präsenz, schweisstreibendes Engagement und sogar eine Tanz- und Turneinlage harausstach, lässt er ihre Natürlichkeit. Er sagt im Gespräch: «Die Musiker sind wie Akrobaten, wie Jongleure.» Sie erzählen keine übergeordnete Geschichte, sondern stellen kleine Szenen, Anekdoten rein mit den Tönen dar. Wie beispielsweise, wenn die Klarinettistin mit kurzen, scharf akzentuierten schnarrenden Lauten den Zimbalspieler, der sich ihr überschwänglich nähert, die Töne hinknallt und ihn damit quasi in seine Schranken weist. Das junge Publikum, wie Dorothea (10 Jahre) von der Musikschule Muri Gümligen, war begeistert: «Mir hat die Musik besser gefallen als die Geschichte, besonders die Geigerin fand ich sehr beeindruckend.» Und Isabelle (12 Jahre) ergänzt: «Man hat gespürt, dass es den Musikern Spass macht. Eine Geschichte gibt es eigentlich nicht, ich habe die Szenen mehr im Moment geschaut.»

Theater Basel Heroïca, szenisches Familienkonzert am 27. September 15 und 17 Uhr

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