«Wir können wenigstens die nächste Saison ohne Personalabbau gestalten und auch künstlerisch so, dass wir dahinter stehen können.» Martin Ch. Batzer, Verwaltungspräsident des Theaters Basel, konnte die Medienkonferenz über Sparmassnahmen wenigstens mit einer guten Nachricht eröffnen. Dabei dankten er und Intendant Georges Delnon der Basler Regierung für ihr schnelles Handeln. «Sie trägt kulturelle und soziale Verantwortung», betonte Delnon. Die Regierung habe Stärke gezeigt und Verantwortung auch für die Partnerschaft übernommen, da sie auf eine Trotzreaktion verzichte.

Höhere Billettpreise unumgänglich

Doch die 1,5 Millionen Franken Notspritze reichen selbstverständlich nicht. Baselland hätte 2011/12 3 Millionen Franken mehr bezahlt. Das gehe am Theater nicht spurlos vorbei: Es braucht Einschnitte. Batzer machte eine Auslegeordnung, wie es um die Finanzen des Theaters steht. Das Theater fuhr in den vergangenen fünf Jahren 1,2 Millionen Verlust ein – wegen der Basler Subventionskürzung um 3,5 Millionen. Dazu fehlt dem Theater 2011/12 ein einmaliger Sponsorbeitrag von 600000 Franken. Somit müssen zusätzlich 1,8 Millionen finanziert werden.

Der Teuerungsausgleich von 1,5 Millionen Franken wurde neu der Grundsubvention zugeschlagen und mit neuen Verpflichtungen verknüpft. 300000 Franken gehen zusätzlich ans Sinfonieorchester Basel. 350000 Franken für Investitionen am Bau, die bisher vom Baudepartement aufgebracht wurden, gehen nun auf Kosten des Theaters. Insgesamt müsse das Theater Basel also fehlende 2,5 Millionen Franken decken, erklärt Batzer. 1,5 Millionen steuert die Stadt mit der Notspritze bei. Aber 1 Million fehlt. Sie muss entweder durch Sponsorengelder und höhere Beiträge aus den Unterbaselbieter Gemeinden aufgebracht oder vom Theater eingespart werden. Intendant Delnon und Verwaltungsdirektorin Danièle Gross müssen so planen, dass sie im Notfall ohne die Million auskämen.

Eine substanzielle Preiserhöhung im oberen Segment ist unausweichlich. Sie soll mit Treuekarten abgefedert werden. Wie das Treuekartensystem aussehen wird, ob auch der Wohnort eine Rolle spielt, das wird erst noch abgeklärt. Einsparungsmöglichkeiten sind der Verzicht auf je eine Produktion in der Oper und im Schauspiel und ein Ballett mit Musik ab Tonband – statt vom Orchester gespielt. Das Theater muss nun gar in der kurzfristigen Planung höchste Flexibilität zeigen, was sich natürlich als sehr schwierig erweist.

Solidarität und viel Unklarheit

Batzer sprach der Direktion und den Mitarbeitern des Theaters ein grosses Lob aus für das Engagement, obwohl es trotz grosser Erfolge immer wieder neu um seine Daseinsberechtigung kämpfen muss. «Das Theater muss von der jetzigen Übergangsphase mit dem Zwang, die Reserven aufzubrauchen, in die nächste einjährige und dann noch in eine dreijährige. Das ist unwürdig», merkt Martin Batzer an.

Ein Lichtblick ist die Solidaritätswelle, die das Theater seit dem Baselbieter Nein am 13. Februar erfährt. 7540 Unterschriften hat das Theater für seinen offenen Brief bereits erhalten. Spendenanfragen gehen ein. Hoffnungsvoll stimme, dass Unterbaselbieter Gemeinden das Gespräch mit dem Theater suchen und sich offen zeigen, erläutert Batzer. Intensiv wird nach Sponsoren gesucht.

Wie es nach 2011/12 weiter geht, weiss niemand. Dann fehlen jährlich 4 und zwei Mal 5 Millionen Franken. Jedenfalls wird das Theater die im abgelehnten Subventionsvertrag mit Baselland festgeschriebenen Zusatzleistungen nicht erbringen. Produktionen in Augusta Raurica gibt es keine mehr, auf den flächendeckenden Ausbau der Theaterpädagogik im Baselbiet wird verzichtet. «Das ist in Baselland doch ein Verlust an Lebensqualität», hält Georges Delnon fest.

Ebenso muss das Theater auf die Aufstockung des Schauspiel- und Opernensembles verzichten. Die schwer zu ertragende Unsicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibt.