Auf dem Programm stand das Spielstück «Die Reise nach Jerusalem». Ein Klassiker auf der Hinterbühne des Theaters Basel. Immer wenn es gilt, das Führungsgremium neu zu bestücken, stehen mehr Personen als Sitze zur Verfügung. Und davon handelt das Stück.

Die eine Person zu viel hat die Basler Regierung ins Spiel gebracht. Die Regierungsräte wollten sich dem Wunsch ihres Noch-Kollegen Hanspeter Gass (57/FDP) nicht verweigern, den es zurück ins Theater zieht. Dort wirkte er seit 1980 als stellvertretender Verwaltungsdirektor mit gescheiterten Ambitionen auf das Chefamt, bevor er 2006 in die baselstädtische Regierung gewählt wurde. Diese Woche hat die Basler Regierung dem Wunsch Gass’ entsprochen und ihm den Titel Staatsdelegierter im Verwaltungsrat des Theater Basel verliehen.

Heftige Empörung

Der Empörungspegelin der Kantine des Stadttheaters verzeichnete daraufhin heftige Ausschläge. Die Argumente reichen von «Gass war zu seinen Theaterzeiten nicht beliebt» bis zu «Gass wäre eine Bedrohung für die amtierende Verwaltungsdirektorin Daniele Gross». Der eigentliche Aufreger ist allerdings ein anderer: Gass stand ausdrücklich nicht auf der Liste, die ein Ausschuss des Theater-Verwaltungsrats zusammen mit dem Kulturbeauftragten Philipp Bischof der Regierung vorbereitet hatte. Dem Vernehmen nach waren dort die beiden Bisherigen Rudolf Grüninger und Daniel Gebhardt aufgelistet, dazu der UBS-Regionalchef Samuel Holzach sowie eine namentlich nicht bekannte Frau aus der Basler Verwaltung.

Samuel Holzach (56), graumelierter Vorzeigebanker auf dem dezimierten Bankenplatz Basel, war unbestritten. Denn der smarte Wirtschaftsmann soll den Novartis-Manager Martin Batzer im kommenden August als Präsidenten des Verwaltungsrats ablösen. Holzach, kein Akademiker, arbeitete sich hoch bei der Bank Coop, einer Tochter der Basler Kantonalbank. 2005 verliess er die Bank nach einem Eklat in der Führung. Er heuerte direkt beim nachbarschaftlichen Konkurrenten, der Basellandschaftlichen Kantonalbank, an. Gut zwei Jahre später, 2008, zog er zur UBS weiter. Als Regionalchef der Halbbasler Grossbank präsidiert er mittlerweile die Basler Bankenvereinigung. Gesellschaftlich ist er bei den Rotariern Bottmingen-Birseck verhangen. Sein Wohnsitz ist Bottmingen, Baselland. Holzach sitzt im Beirat des Europa-Instituts und wichtig: Bei den Neujahrsempfängen der Basler Handelskammer spielt er gekonnt den Gastgeber.

Die Basler Regierung kam auch nicht an Rudolf Grüninger (67) vorbei. Der Langzeit-Vize im Theater-Verwaltungsrat hatte sich unentbehrlich gemacht, indem er sich das Präsidium für die Findungskommission der Nachfolge des Intendanten Georges Delon sicherte. Doch der Unentbehrlichkeit verpasste die Regierung eine Halbwertszeit: Grüningers Mandat wurde auf zwei Jahre bis 2015 beschränkt.

Mit Gass, Holzach und Grüninger hatte die Regierung ihr Kontingent von vier Personen bereits mit drei Männern besetzt. Gendertechnisch war nun eine Frau verlangt. Die dafür vorgesehene Verwaltungsfrau einzusetzen, wäre neben dem Regierungsmann Gass taktisch wenig schlau gewesen.

Rollentausch brachte Ausweg

Ein erprobter Theater-Trick, der Rollentausch, brachte den erwünschten Ausweg: Die Basler Regierung designierte kurzerhand den Kommunikationsprofi Adrienne Develey (40). Bis Anfang September wie Batzer beim Novartis-Konzern, kommuniziert Develey seither für den Energiekonzern Alpiq. Sie war von der Findungskommission durchaus als Kandidatin vorgesehen. Allerdings hätte sie durch die Theatergenossenschaft gewählt werden sollen, die insgesamt vier Plätze zu bestellen hat. Die Genossenschaft, so wurde diese Woche hinter verschlossenen Türen ebenfalls bestimmt, wird nun im Gegenzug die basel-städtische Verwaltungsfrau, die Adrienne Develey weichen musste, in den Theater-Vorstand berufen.

Die Ausmarchung hatte zwangsläufig zur Folge, dass Daniel Gebhardt (52) von der regierungsrätlichen Shortlist fiel. Bitter für den Juristen, der sich nicht nur als Garant für Kontinuität im Verwaltungsrat erachtete, sondern gegenüber dem «Sonntag» sogar mit dem Amt des Präsidenten geliebäugelt hatte. Statt einem Aufstieg führte ihn die Karriereleiter im Theater zum Ausstieg.

Die Besetzung eines fünften Sitzes überlässt die Basler Regierung den Baselbieter Kollegen. Diese hatten zwar bereits ihren Kandidaten, doch der entschloss sich ein anderes Amt anzunehmen, was zu einer neuerlichen Suche nach der idealen Person führte. Aus dem Unterbaselbiet soll er sein, in den Gemeinden verankert, unbeschadet vom kantonalen Politdesaster.

Der Neuanfang im Verwaltungsrat, den Martin Batzer versprach, fällt nun radikaler aus als geplant. Wohl einzig Verena Herzog (73), wahrscheinlich als Personalvertreterin ins Rennen geschickt, kann als Bisherige im kommenden August die nächste Legislatur bis 2017 überdauern. In der Stückauswahl ist sich das Theater jedoch treu geblieben. «Die Reise nach Jerusalem» war erneut ein voller Erfolg. In vier Jahren kann es erneut in den Spielplan genommen werden.