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Das traditionelle Jugendfest St. Johann fällt dieses Jahr aus

Jugendfeste sind über die letzten Jahre immer weniger populär geworden. Seit 2014 existieren in Basel nur noch fünf Jugendfestvereine. (Symbolbild)

Jugendfeste sind über die letzten Jahre immer weniger populär geworden. Seit 2014 existieren in Basel nur noch fünf Jugendfestvereine. (Symbolbild)

Das 153. Jugendfest St. Johann wurde abgesagt. Der konkrete Grund dafür sind Schicksalsschläge, die Mitglieder des Johanniter-Vereins ereilten. Obwohl das Fest mit schwindender Popularität zu kämpfen hat, soll es 2016 wieder stattfinden.

Zum 153. Mal hätte das Jugendfest St. Johann dieses Jahr stattgefunden. Doch der Vorstand des Johanniter-Vereins musste es absagen, zu viel stand dem Anlass im Weg: Ein Todesfall, Herzprobleme sowie Hüft- und Rückenoperationen. Und Christine Währen, Präsidentin seit 2004, erlitt einen schweren Velounfall. «Hätte ich keinen Helm getragen, wäre ich jetzt nicht mehr da», erklärt sie. Von den sechs Vorstandsmitgliedern war Bernhard Karle der einzige, der Zeit gehabt hätte. So kam es zum Entschluss, das Jugendfest abzusagen. «An der Vorstandssitzung flossen Tränen. Der Entscheid ist uns allen sehr schwer gefallen», erinnert sich Währen.

Schon länger auf absteigendem Ast

Dass das Jugendfest nicht stattfindet, wirkt wie der Abschluss einer längeren Entwicklung: In den letzten Jahren zog der Anlass immer weniger Gäste an, die jüngeren Teilnehmer waren in der Minderheit und die Zahl der Vereinsmitglieder verringerte sich innert zehn Jahren von 200 auf 120. Mit solchen Problemen ist der Jugendfestverein St. Johann aber nicht alleine. Seit 2014 existieren in Basel nur noch fünf Jugendfestvereine. Denn damals wurde der Jugendfestverein Steinen-Bachletten-Neubad aufgelöst – nach 151 Jahren des Bestehens. Ist auch das Jugendfest St. Johann eine aussterbende Tradition, die nun endgültig endet, nach 152 Austragungen? Christine Währen verneint: «2016 soll es wieder stattfinden.»

Ritter-Umgang statt Jugendfest

Und ganz untätig ist der Johanniter-Verein am 12. September nicht. In einer Woche wird ein öffentlicher Johanniter-Ritter-Umgang durchgeführt, der mit einem Fahnen- und Blumengruss beim ehemaligen Ritterfriedhof an der St. Johanns-Vorstadt 86 enden wird.

Der Anlass erinnert an die Johanniter-Ritter, aus deren Verbindung der Jugendfestverein St. Johann entstanden ist. Die Kosten für den Anlass werden vom Orden der Tempelritter bezahlt, der nunmehr seit zwei Jahren einen Teil des Defizits übernimmt.

Währen sieht mehrere Gründe dafür, dass sich das Quartier weniger für das Fest interessiert als früher: «Die Integration neuer Bewohner ist mangelhaft. Und manchmal wollen die Kinder mitmachen, aber die Eltern lassen sie nicht. Mit Sportanlässen und der Digitalisierung haben wir zudem eine grosse Konkurrenz.»

Eine Fusion der verschiedenen Jugendfestvereine ist für Währen keine Lösung. Dafür seien die Vereine und Jugendfeste zu verschieden. Aber bereits heute helfen sich die Vereine gegenseitig aus. Auch mit dem Behindertensportverein Basel und den Fasnachtscliquen gibt es eine Zusammenarbeit. Die Cliquen spielen am Jugendfest St. Johann jeweils Piccolo und Trommeln. Das war nicht immer so: «Früher hiess es noch, für unter 1000 Franken Gage spielen wir nicht. Heute kommen uns die Cliquen entgegen», so Währen.

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