Spitalliste
Das Unispital befürchtet Nachteil gegenüber den Baselbieter Spitälern

Das Unispital ärgert sich über das Baselbiet. Denn aufgrund der Spitalliste wird ein Wettbewerbsnachteil gegenüber den anderen Institutionen befürchtet. Noch bis zum 14. Oktober können die Spitäler zur Liste Stellung beziehen.

Sebastian Wendel
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Mit der neuen Spitalliste sieht das Universitätsspital Basel die Qualität seiner Behandlungen gefährdet. JEAN-CHRISTOPHE BOTT/Keystone

Mit der neuen Spitalliste sieht das Universitätsspital Basel die Qualität seiner Behandlungen gefährdet. JEAN-CHRISTOPHE BOTT/Keystone

Freie Spitalwahl für alle. Das will das revidierte Krankenversicherungsgesetz (KVG) des Bundes, das ab 2012 in Kraft tritt. Jedoch ist eine freie Spitalwahl ohne finanziellen Nachteil nur innerhalb der Spitalliste möglich, die jeder Kanton veröffentlichen muss.

Ein Beispiel: Liegt die von Krankenkassen und Spitälern ausgehandelte Fallkostenpauschale für eine Blinddarmoperation bei 1000 Franken, kann der Patient den Eingriff in einem ausserkantonalen Spital ausführen lassen, wenn er dort gleich viel oder weniger kostet. Ist der Eingriff jedoch teurer, muss der Patient für die Differenz selber aufkommen.

Am Mittwoch hat Baselland nun seine Liste der Spitäler veröffentlicht, von denen er künftig Leistungen beziehen will. Die meisten kauft er erwartungsgemäss beim eigenen Kantonsspital (ab 2012 sind die Spitäler Liestal, Bruderholz und Laufen zusammengefasst) sowie beim Universitäts-Kinderspital beider Basel ein.

Unispital ist unzufrieden

Unzufrieden mit der neuen Spitalliste ist das Universitätsspital Basel (USB). Es befürchtet einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den anderen Institutionen (siehe «Basler Zeitung» von gestern). «Den allgemein, ohne Zusatz versicherten Patienten wird der Zugang zur universitären Medizin erschwert. Eine Zweiklassenmedizin könnte die Folge sein», sagt USB-Sprecher Andreas Bitterlin. «Kostet ein Eingriff bei uns mehr als dieselbe Behandlung im Kanton Baselland, könnten die Patienten von einer Behandlung bei uns absehen, wenn sie die Differenz selbst bezahlen müssen. Dies ist der Fall, wenn das USB für diese Behandlung nicht auf der Baselbieter Spitalliste steht.»

Laut Bitterlin könnte somit die Qualität des Unispitals leiden. «Wir sind angewiesen auf die Patienten aus dem Kanton Baselland. Um eine hohe Qualität sicherzustellen, braucht es möglichst viele Behandlungen oder Eingriffe für die Weiterentwicklung der Forschung und der Behandlungsqualität.» Heute stammt annähernd die Hälfte der stationären Patienten im Unispital aus einem anderen Kanton.

«Baselland müsste interessiert sein»

Andreas Bitterlin versteht die schwache Berücksichtigung auf der Spitalliste auch insofern nicht, als der Kanton Baselland Träger der Universität und der medizinischen Fakultät ist. «In dieser Rolle müsste Baselland doch an einer hohen Qualität der universitären Medizin interessiert sein», sagt Bitterlin.

Der Spitalsprecher hütet sich davor, eine Prognose zu stellen. Werde die Spitalliste rechtsgültig und trete ab 2012 in Kraft, seien Voraussetzungen für die oben genannte Entwicklung gegeben. Ob die Patientenzahlen tatsächlich zurückgehen und ob die Patienten die Differenzen zur Fallkostenpauschale nicht bezahlen wollen, lässt Bitterlin offen.

Bis am 14. Oktober haben die Spitäler Gelegenheit, Stellung zur Liste des Kantons zu nehmen. Die Eingaben werden geprüft und nach Ermessen berücksichtigt.