Drahtesel-Domino ist zwar keine besonders beliebte Sportart, in Basel aber weit verbreitet – insbesondere rund um den Bahnhof SBB. Das Ziel dieser Sportart besteht darin, das eigene Velo so aus dem Durcheinander von parkierten Velos hinauszubugsieren, dass kein anderes umfällt. Manchmal passiert es dann doch: Es kracht, und am Feierabend fragen sich Hunderte Velofahrer, wieso ihre Velos plötzlich geschichtet liegen statt gereiht stehen.

Die SBB und der Kanton Basel-Stadt zeigten sich vor zwei Jahren hilfsbereit: Mit einem Velokonzept versprachen sie verschiedene Lösungen für das VeloChaos rund um den Bahnhof SBB. Und dabei blieb es: Die Verkünder neuer Veloabstellplätze halten ihren eigenen Fahrplan nicht ein.

Bestes Beispiel dafür sind die 200 ungedeckten Veloabstellplätze, die an der Centralbahnstrasse entstehen sollen, beim Dienstgebäude Ost des Bahnhofs. Im Velokonzept ist von einem Realisierungszeitraum «kurzfristig ab 2012» die Rede. Im März 2014 hiess es auf Nachfrage der bz, die Abstellplätze werden bis Ende 2014 realisiert. Man wolle die Veloparkplätze erst bauen, wenn der Platz vor dem Dienstgebäude Ost saniert wird. Nun schreibt SBB-Sprecher Reto Schärli, dass die 200 Veloplätze auf Mitte 2015 geplant sind. Übersetzt heisst das: Irgendwann kommen die 200 Plätze, dringlich ist das Projekt nicht.

Auch auf der Gundeli-Seite tut sich nichts. Das sogenannte Provisorium Veloschwerpunkt Süd mit 500 Plätzen, ursprünglich für 2013 geplant, ist ebenfalls nicht dringlich: Noch steht kein Ausweichdatum fest. Die SBB kündigen aber an: «Mit der Stadt werden jetzt Lösungen für diese Anlage arbeitet.»

Derweil schätzt die SBB, dass rund zehn Prozent ihrer Kunden mit dem Velo an den Bahnhof gelangen. Schärli schreibt: «Velofahrer sind für uns wichtige Kunden. Wer mit dem Velo an den Bahnhof fährt, verknüpft zwei nachhaltige Verkehrsmittel.»

Velostationen sind ausgelastet

Dem Vernehmen nach würden es die besagten Kunden zu schätzen wissen, wenn die insgesamt 3600 geplanten Veloabstellplätze beim Bahnhof bald realisiert werden. Dafür sprechen nicht nur die vollgeparkten und ungedeckten Veloabstellplätze wie jener vor dem Elsässertor. Auch die Velostationen mitsamt ihren kostenpflichtigen Abstellplätzen haben Auslastungsquoten, von denen manche Auto-Parkhäuser nur träumen können. So zum Beispiel die Velostation Centralbahnplatz, die dem Kanton Basel-Stadt gehört. «Die Nachfrage ist sehr hoch. Im Sommer ist die Velostation voll ausgelastet», sagt Barbara Neidhart von Immobilien Basel-Stadt. Auch zu den restlichen Jahreszeiten habe es jeweils nur wenige Plätze frei. Die Firma ISS, welche die Velostation bewirtschaftet, will aus Datenschutzgründen keine genauen Zahlen bekannt geben. Mitarbeiter des Unternehmens verraten hinter vorgehaltener Hand, dass jeweils höchstens 40 Plätze frei bleiben. Meistens seien es noch weniger. Da die Velostation 1620 Abstellplätze hat, bedeutet dies eine minimale Auslastungsquote von 97,6 Prozent.

Bereits zweimal wurde die Velostation erweitert. Sogar die empfohlenen Mindestabstände zwischen den einzelnen Velos wurden ausser Kraft gesetzt, um mehr Velos unterzubringen. Eine zusätzliche Erweiterung ist nicht mehr möglich.

Und der Bahnhof SBB ist nicht der einzige Velo-Hotspot, wo es nicht vorwärtsgeht. So steht die Velostation beim Badischen Bahnhof auf der Kippe, da mit dem Nein zur Erlenmatt-Tramlinie der Auslöser für die Umgestaltung dieses Bahnhofs wegfiel. «Das ist sehr schade, der Missstand beim Badischen Bahnhof dauert nun schon Jahre», sagt SP-Grossrat Martin Lüchinger. Er hat das Veloparking beim Badischen Bahnhof 2007 mit einem Vorstoss angeregt und hofft, dass mit dem Planungskredit von 540 000 Franken bald eine neue Lösung gefunden wird. Wie diese aussehe, sei egal: «Hauptsache das Platzproblem wird behoben und die Wege zu den Perrons sind kurz.» Ob es so weit kommt, ist noch völlig offen. Das Drahtesel-Domino geht weiter.