Fussball
Das verbotene Spiel: Hinter verschlossenen Türen gewinnt der FC Basel

Der FC Basel besiegt in einem Testspiel vor verschlossenen Türen den FC Wohlen 6:0. Die vielen kleinen und grossen Fans mussten draussen bleiben. Und der neue Trainer Sousa muss sich erst mit der neuen, ruhigeren Situation zurecht finden.

Etienne Wuillemin, Basel
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Testspiel hinter verschlossenen Türen. Auch dieser junge FCB-Fan hat das Nachsehen.

Testspiel hinter verschlossenen Türen. Auch dieser junge FCB-Fan hat das Nachsehen.

Martin Töngi

Der kleine Bub schaut neugierig über die Mauern. «Hat der FCB gewonnen?», fragt er. Auf die Antwort «Ja, 6:0 gegen Wohlen» fügt seine Grossmutter schnell an. «Aber weisst du, mein Junge, das sind nicht die Grossen. Das ist die U-weiss-ich-was.»

Nein, nein, es sind tatsächlich die «Grossen», die echten FCB-Spieler. Nur ist es eben nicht ganz einfach, sie zu erkennen. Denn geht es nach dem neuen FCB-Trainer, dem Portugiesen Paulo Sousa, darf niemand das Testspiel zwischen Basel und Wohlen verfolgen. So müssen die Fans und die zwei interessierten Medienvertreter mit einem Platz neben dem Kinderkarussell oder auf der Wiese vorlieb nehmen. An den bulligen Security-Männern kommt nur vorbei, wer FCB-Junior, Spieler, oder Mitglied der Teppichetage ist. Den besten Blick aufs Feld haben aber zwei Bauarbeiter von der nahen Baustelle– sie lassen sich die Unterhaltung nicht entgehen.

Wer schiesst? Diaz oder Delgado!

Der FCB zeigt eine konzentrierte Leistung. Er dominiert den Leader der Challenge League von der ersten Minute an. Bis zum ersten Tor dauert es aber 18 Minuten. Einer aus dem Mittelfeld, man sieht nicht so genau wer, spielt einen herausragenden Pass in die Tiefe auf Degen, dieser leitet weiter in die Mitte zu Delgado – 1:0. Delgado erhöht per lässig getretenem Elfmeter – schaut ja keiner zu – acht Minuten später auf 2:0. Jetzt nimmt Basel Fahrt auf. Immer wieder sorgt Degen über die rechte Seite für Gefahr. Kakitani vollendet zum 3:0. Und noch vor der Pause trifft Calla im Nachsetzen nach einem Schuss von Diaz, oder war es Delgado?

Wie immer in einem Testspiel erhalten vor allem jene Spieler, die in der Meisterschaft nicht spielten, eine Chance. Sousa wechselt insgesamt acht Mal. Breel Embolo spielt Bälle hin und her mit einem Balljungen zum Aufwärmen. Derweil flitzt der Sohn von Matias Delgado im Messi-Trikot einem Ball auf der Nebenwiese hinterher.

Zum ersten Mal im FCB-Trikot sind die zwei jüngsten Zuzüge zu sehen. Der argentinische Verteidiger Walter Samuel zeigt ein unaufgeregtes, solides Debüt. Seine Art, Fussball zu spielen, zeigt er einmal, als Diaz ein Pass etwas zu kurz gerät und Samuel ohne Rücksicht auf Verluste für sich selbst und den Gegner dazwischen fräst. Stürmer Ahmed Hamoudi gelingt gar ein Tor. Es ist das 6:0 und der Schlusspunkt einer einseitigen Partie. Dazwischen vergeben die Basler weitere Chancen fast im Minutentakt. Alleine Callà und Embolo hätten mit ein bisschen mehr Effizienz gar für ein «Stängeli» sorgen können. Ein FCB-Spieler, dessen Name uns gerade entfallen ist, sagt am Abend: «Auch der FCZ wird am Samstag unsere Frühform spüren.»

Ein Grosi will Sousa an die Gurgel

Zurück zu Sousa. In seiner Karriere als Spieler und Trainer hat er vieles erlebt. Bei Dortmund oder Juventus Turin zum Beispiel. Dort ist die komplette Abschottung der Spieler von Fans und Medien Alltag. In Israel bei Maccabi Tel Aviv, so lässt der FCB ausrichten, sei Sousa manchmal von Journalisten bedrängt worden, wenn nicht genügend räumlicher Abstand herrschte.

Aber irgendwie scheint es, als sei sich Sousa noch nicht ganz im Klaren, wo er in Basel hingekommen ist. In eine kleine Liga mit überschaubarer Strahlkraft. In ein Land überdies, wo Gerangel auf offener Strasse oder in Medienzentren nicht alltäglich sind. Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie der kleine Bub und seine Grossmutter nach dem 6:0 des FCB über den Platz rennen und Sousa wutentbrannt entgegentreten, weil das Team die Chancen zum Stängeli nicht genutzt hat. Oder wie die Journalisten versuchen, Sousa auf dem Rückweg zum Joggeli vom Velo zu stürzen.

Es ist Sousa zu wünschen, dass er die Gepflogenheiten in der Schweiz bald besser kennenlernt. Damit der FCB, der ja gerne betont, wie volksnah er sich gibt, dieses Image auch in Zukunft behält.