Umgestaltung

Das vergessene Parkhaus unter Rümelinsplatz wird zur Altlast

Die geplante Umgestaltung des Platzes wird durch ein unterirdisches Parkhaus eingeschränkt. Gregor Muntwiler vom Verein Instandbelebung Rümelinsplatz hofft trotzdem auf den «grossen Wurf».

Unter dem Rümelinsplatz befindet sich das älteste Parkhaus der Stadt. Gebaut wurde es 1954, als Provisorium, bis zur Fertigstellung der damals geplanten «Stadtautobahn» durch die Gerbergasse. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Es dürfte Platz geboten haben für rund 30 bis 40 Fahrzeuge. Heute dienen die Räumlichkeiten der GGG-Stadtbibliothek als Lager – eine wichtige Funktion, wie Mediensprecherin Anne-Lise Hilty sagt. «Anders als bei gut laufenden Buchhandlungen, die dauernd Nachschub bestellen können, müssen wir einen gewissen Puffer bieten, sodass die Regale in Stosszeiten wie jetzt in den Sommerferien nicht plötzlich halb leer sind.» Dass die Stadtbibliothek das ehemalige Parkhaus dazu nutzen könne, sei ideal. «Das war beim Bau des Parkings zwar nicht so geplant, ist aber jetzt ein Glücksfall», sagt Hilty.

Dass das von aussen nicht mehr sichtbare Parking wieder aktuell wird, hat mit der geplanten Umgestaltung des Rümelinsplatzes zu tun (die bz berichtete). In den Wettbewerbsunterlagen für die Architekten wird das Parking mehrfach erwähnt. «Für die ehemalige Tiefgarage im Platzbereich vor der GGG Stadtbibliothek sind die Höhen der Deckenoberkante zu beachten. Das bedeutet im Eingangsbereich der Bibliothek muss die Höhe des Eingangs übernommen werden», heisst es dort als Einschränkung.

Viele Ansprüche an den Platz

Dass der umgestaltete Rümelinsplatz trotz dieser und zahlreicher weiterer Einschränkungen ein «grosser Wurf» wird, hofft Gregor Muntwiler vom Verein Instandbelebung Rümelinsplatz. «Das Ziel muss sein, den Rümelinsplatz in einen schönen Ort zu verwandeln, auf dem sich die Menschen wohlfühlen.» Dies sei gar nicht so einfach, weil der Platz enorm vielen Ansprüchen genügen müsse. «An der Fasnacht und ‹Em Bebbi sy Jazz› muss er genügend Freiraum bieten, die anstossenden Geschäfte brauchen Zugang für Lastwagen und auch der Brunnen, die Bäume und die Veloabstellplätze müssen gemäss Wettbewerbsausschreibung erhalten bleiben», sagt Muntwiler.

Ob die Wettbewerbsteilnehmer trotz all dieser Einschränkungen einen überzeugenden Gestaltungsvorschlag einreichen, wird sich Ende Jahr zeigen. Dann werden die Arbeiten der Architekten beurteilt – durch eine Jury, der nebst Behördenvertretern auch der Verein Instandbelebung Rümelinsplatz angehört. 100'000 Franken Preisgeld sind für den anonymen Projektwettbewerb ausgeschrieben, der nebst dem Rümelinsplatz auch die Schnabel- und Münzgasse umfasst.

Nimmt man die Wettbewerbsunterlagen beim Wort, dann darf tatsächlich ein «grosser Wurf» erwartet werden: «Der Platz soll als attraktiver Lebens- und Kommunikationsraum allen Bewohnerinnen und Besuchern der Stadt eine Bühne zur Begegnung, zum Kulturgenuss und für öffentliche Aktivitäten bieten», steht dort. Und als Beurteilungskriterien werden die «Schaffung einer Platzidentität und Wiedererkennbarkeit im Innenstadtgefüge» sowie die «Stärkung der vorhandenen Boulevardgastronomie» genannt.

Schmiedenhof beinahe abgerissen

Das sind Ziele, die beim Bau des Parkings in den 50er-Jahren kaum genannt worden sein dürften. Denn um ein Haar wäre nicht nur der Rümelinsplatz, sondern gleich das ganze GGG-Gebäude niedergewalzt worden – zugunsten eines Einkaufszentrums. 1969 stimmte der GGG-Vorstand dem Abriss zu. Bis die Vereinsmitglieder das Veto ergriffen und den historischen Bau retteten.

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