«Im Fluss»

Das «Vogelnest» auf Stelzen ist eröffnet

Das Gastro-Team der Floss-Meile um Robert Schroeder wird in den kommenden zwei Wochen fast täglich bis spät in die Nacht im Einsatz sein.

Das Gastro-Team der Floss-Meile um Robert Schroeder wird in den kommenden zwei Wochen fast täglich bis spät in die Nacht im Einsatz sein.

Seit je ist der Fokus bei der Konzertreihe «Im Fluss» auf das Treiben auf dem Wasser gerichtet – höchste Zeit für einen Blick ans Ufer.

Einmal windete es so stark, dass die Gläser vom Regal flogen. Meistens aber stehen kaum mehr Gläser im Regal. Jeder, der hier verweilt, hat ein Glas in der Hand. Und ein Häppchen im Mund. Wenn er Glück hat, sitzt er auf einem Samt-Barhocker. Und niemand versperrt ihm die Sicht. Er sieht die Band und hört sie nicht nur, wie dies viele andere Leute tun. Hören statt sehen, mangels Platz am Rheinbord auf der Treppe, mangels Platz am Geländer, das die Treppe vom Weg trennt, mangels Einladung in der V.I.P-Lounge.

Das Kulturfloss ist mehr als die Bands, die auf dem Wasser spielen. Es sind auch Menschen, die am Ufer feiern – und manchmal auch auf der Brücke. Und solche, die fürs Floss schuften. An den Bars, an den Essständen und bei der Technik.

V.I.P-Bar meist nur für Sponsoren

Eine lauschige Bar stand auf der Treppe am Rheinufer. Gastronom Hugo Buser, der jetzt das Restaurant «MS Veronica» führt, war zuständig. «Es war romantisch», erinnert sich Floss-Kapitän Tino Krattiger, «weil so klein.» Das ist 17 Jahre her. Von klein kann keine Rede mehr sein. Schon lange nicht mehr. Bereits nach der ersten Ausgabe des Floss’ wanderte Busers Bar hinauf und wurde grösser. Bald war sie wieder weg. Ein Anwohner fühlte sich gestört. Die Bar wurde nach rechts verlegt und befindet sich seither auf der Ufertreppe vor dem Restaurant «Zum Schmale Wurf» – auf Stelzen, sozusagen. Dort wuchs die Bar weiter: grösseres Gerüst, mehr Bretter, mehr Fläche. «Eine statistische Meisterleistung», so Krattiger.

Der Haken für das einfache Publikum: Es ist ein V.I.P-Bereich, meistens. Nur an zwei von 17 Konzert-Abenden ist der «Loge-Platz» frei zugänglich. Sonst ist der Ort für einen jeweiligen Sponsoren und seine 50 Gäste reserviert. Das führt auch mal zu Unverständnis, dann heisst es: «Warum darf ich da nicht hinauf, ich möchte ja nur was trinken?» Und die Kapitäne, also die Mitarbeiter, erklären dann die Situation. «Die allermeisten Leute verstehen das», sagt Robert Schroeder, der als Schmale Wurf-Wirt für die Floss-Gastronomie zuständig ist. «Wir erklären den Leuten, dass die Konzerte gratis sind und wir auf die Sponsoren angewiesen sind und ihnen als Dank diesen V.I.P-Abend bieten. Ausserdem gibt es Ausweichmöglichkeiten.»

Flammkuchen, Würste, Glace

Es begann mit dieser einen, immer grösser werdenden Bar – und endete mit einer Gastromeile. Wobei Schroeder das Wort «enden» nicht gern hört. «Das Festival heisst ja ‹Im Fluss›, weil alles im Fluss ist», sagt er. Will er die inzwischen ungefähr 300 Meter lange Gastromeile, bestehend aus mehreren Bars und Essständen, etwa noch mehr ausweiten? «Nein, jetzt ist gut», sagt er. Aber man wisse ja nie. «Das jetzige Angebot besteht auch nur in dieser Form, weil wir uns der Popularität des Anlasses anpassen wollten.» Konkret heisst das: Es gibt zwei Piratenbars, selbstredend mit Totenköpfen dekoriert, und Anwar Frick, bekannt vom Catering «Chefs on Fire», backt Flammkuchen.

Auch das ansässige Hotel Krafft trägt seinen Teil zur Gastromeile bei, indem es während des Floss’ entlang des Restaurants eine kleine Bar installiert hat und ausserdem Wurstspezialitäten an den hungrigen Besucher bringt. Und natürlich hätte eine Gastromeile diese Bezeichnung nicht verdient, böte sie nicht auch Süsses an: Der Mann, der Glace schöpft, heisst Sandro und importiert die Glace direkt aus Venedig. Blickfang ist und bleibt aber die Gerüst-Bar hoch auf der Treppe.

Im Team werde diese «Vogelnest» genannt, verrät Robert Schroeder, weil sie so mittendrin sei wie ein Nest. An der Decke dieses Nestes hängt ein Fischernetz, schliesslich geht es um Wasser und um einen Fluss und um ein Floss, auf dem Bands spielen und die Leute entzücken. Da wären wir wieder beim Kerngeschäft dieses Anlasses, der eine Mischung aus Wasser und Land ist und, fast wäre es vergessen gegangen, am Dienstag begonnen hat.

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