Heimatschutz bedauert
Das «Wahrzeichen» an der Heuwaage wird dem Erdboden gleichgemacht

Das erste Hochhaus der Innenstadt soll abgerissen und neu gebaut werden. Heimatschützer bedauern den Schritt. Heute Freitag wird das Gewinnerprojekt des Architekturwettbewerbs bekanntgegeben.

Martina Rutschmann
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Christof Wamister vor dem Hochhaus-Neubau an der Heuwaage.

Christof Wamister vor dem Hochhaus-Neubau an der Heuwaage.

Nicole Nars-Zimmer niz

«Muss das wirklich sein?», fragt sich Christof Wamister – und beantwortet die Frage gleich selber: «Nein, es müsste nicht sein.» Doch dem Heimatschutz-Obmann sind die Hände gebunden. Wie viele andere Interessierte wird er sich heute Freitag im Bau- und Verkehrsdepartement die Präsentation zur Zukunft des Heuwaage-Hochhauses anhören und erfahren, welches Projekt den Architekturwettbewerb gewonnen hat.

Im Gegensatz zu vielen anderen Interessierten wird er aber unabhängig des Siegerprojekts bedauern, dass das «Wahrzeichen», wie er es nennt, an der Heuwaage weg soll.

«Möglicherweise ist es kein Spitzenwerk, aber Denkmalcharakter hat es bestimmt», sagt er – und hebt dessen Standort hervor und die Tatsache, dass es sich beim Bau des Architekten und damaligen Landesring-Nationalrats Arnold Gfeller um das erste Hochhaus in der Innenstadt handelt.

Kein schützenswertes Gebäude

Die Hauseigentümerin, die Basellandschaftliche Pensionskasse, sieht das anders. Nach langem Hin und Her hat sie Anfang Woche einem erlauchten Kreis von Medien und Mietern mitgeteilt, der Entscheid für einen Neubau und gegen eine Totalsanierung sei nun gefallen. Den Mietern schreibt die Immobilienverwaltung Adimmo AG, man strebe «in Zusammenarbeit mit der Stadt einen bewilligten Bebauungsplan als Grundlage für den Ersatzneubau» an.

Wenn es dann soweit ist, kann der Heimatschutz Einsprache gegen den Plan erheben. Gegen das Vorhaben allein aber, den Bau aus den 50er-Jahren abzureissen, kann der Verein nichts unternehmen: Das Haus steht nicht im Inventar der schützenswerten Bauten der Denkmalpflege.

Als das Heuwaage-Viadukt 1970 direkt vor dem Hochhaus erstellt worden sei, sei dieses «in seiner Funktion als freistehender Blickfang, sozusagen als moderner Eingang in die ehemalige mittelalterliche Altstadt im Sinne eines Ersatzes für das Stadttor, in seiner Wirkung stark beeinträchtigt» worden, sagt Denkmalpfleger Daniel Schneller.

Ausserdem sind bei einem Umbau das Äussere und das Innere einschneidend verändert worden. So war die Fassade ursprünglich mit einem besonderen Effekt ausgerüstet, wie Christof Wamister recherchiert hat: Die Fensterbrüstungen waren demnach mit polarisationsähnlichem Spezialglas ausgeführt, hinter dem Glas waren sichtbare Lichtreklamen angebracht. Das ist nun alles weg.

Blick auf Altstadt

«Diese Veränderungen haben die Fassade tatsächlich banalisiert», sagt Wamister. Trotzdem sei er «kein Fan» davon, Häuser bereits nach 60 Jahren abzureissen. Er fragt sich zudem, ob der Blick vom Margarethenhügel auf die Altstadt mit dem Neubau noch gewährleistet sei. Denn das war Bedingung, als das Hochhaus 1954 gebaut wurde, wie einem Schreiben des Heimatschutzes zu entnehmen ist.

Um der Bevölkerung das Panorama auf die Stadt nicht zu nehmen, sind statt der ursprünglich geplanten 16 Stockwerke nur 13 bewilligt worden. Christof Wamister schliesst nicht aus, dass der Neubau höher werden soll. Ob der Heimatschutz Widerstand gegen den Bebauungsplan leisten wird, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, zu viele Fragen sind noch offen. Klar ist für ihn aber jetzt schon: «Mit dem Abriss des Hochhauses geht ein Stück Heimat verloren.»