Corona-Virus

Das war Krisentag #1: Was in Basel und der Region noch funktioniert – und was nicht

Ein Augenschein im fast  stillgelegten Basel.

Ein Augenschein im fast stillgelegten Basel.

Tag Eins nach der Ausrufung des Notstands. Ein Augenschein im fast stillgelegten Basel.

Ein älterer Mann in einem dunkelblauen Pullover tritt auf einen Mitarbeiter der Mobile Zone-Filiale zu. Es ist einer der wenigen Läden, die am Barfüsserplatz geöffnet sind. «Gewerbepolizei! Warum haben Sie geöffnet? Das ist verboten», sagt der Mann mit ernster Stimme. Der Chef habe das so angeordnet, sagt der Mitarbeiter mürrisch und zieht an seiner Zigarette. Die Verkaufsstellen von Telekommunikations-anbietern sollen laut Weisung vom Bundesamt für Gesundheit offen bleiben, erklärt ein anderer Mitarbeiter dem älteren Herrn in Innern des Ladens. Dieser fängt an zu lachen. Er hat sich bloss einen Spass erlaubt, aber für einen kurzen Moment lang waren alle verunsichert – wer kann seinen Laden geöffnet halten und was darf man noch überhaupt noch tun?

Baustellen als Zeichen des Lebens in der Innenstadt

In den Trams, die vom Barfüsserplatz Richtung Schifflände fahren, sitzen noch vereinzelt Personen, allerdings meist mit einem Sicherheitsabstand von mehreren leeren Sitzreihen. An der Schanzenstrasse sehen wir menschenleere Busse passieren. Während der Verkehrslärm abgenommen hat, ist das Hämmern und Rattern der Baustellen plötzlich umso präsenter. Sie sind es, die den heutigen Tag punkto Stadtbild und Geräuschkulisse von einem Sonn- oder Feiertag unterscheiden.
Fast an jeder Ecke leuchtet uns die Arbeitskleidung von Bauarbeitern und Strassenwischern entgegen, der Baustellenlärm wirkt für einmal nicht nervtötend, sondern beruhigend. Er vermittelt Normalität. Das Leben geht weiter.

Statt dem gläsernen Haupteingang ein metallener Rolladen: Der «Globus» am Marktplatz ist geschlossen. Inklusive der Lebensmittelabteilung. Die Dame, welche die letzten Sushi aus der Vitrine räumt, reagiert auf unser Klopfen am Fenster sehr freundlich, tippt in ihr Handy und hält uns den Text dann zum Lesen an die Scheibe: «Geschlossen bis auf weitere Massnahmen».

Die Klingental-Fähre bleibt meistens leer

Andere Warenhäuser haben weiterhin geöffnet, die Atmosphäre erinnert aber, wie etwa in der Manor, an eine Mischung aus Tatort und Baustelle: Ein rot-weisses Plastikabsperrband trennt den verbotenen vom erlaubten Teil. Zu den Kisten mit Schoggihasen darf man, zu den Kosmetikprodukten nicht. Das sieht improvisiert aus und das Personal irrt an diesem Morgen noch etwas ziellos umher.
In der Greifengasse treffen wir auf Lucien Stöcklin. Der Regisseur des diesjährigen Charivari hat seinen Coiffeursalon an der Hammerstrasse schliessen müssen. Ab sofort also keine Einnahmen mehr. Und das auf unbestimmte Zeit. Stöcklin nimmt es vorerst gelassen und sagt, er freue sich nun erst einmal auf etwas mehr freie Zeit für sich selbst.

Von der Mittleren Brücke aus sieht man auf dem sonst ruhig dahinfliessenden Rhein die Klingental-Fähre an das linke Ufer übersetzen. «So lange der öffentliche Verkehr noch fährt, ist die Fähre in Betrieb.» Urs Zimmerli erzählt uns, so schlecht sei es noch nie gelaufen, seit er 1992 als «Fährimaa» angefangen habe. Weder in der Zeit der Schweinegrippe, des Rinder-Wahnsinns noch während der letzten Finanzkrise habe er so etwas gesehen. Was er nicht verstehen kann, ist, dass die Fähre seit Tagen meist leer bleibt, während am Rheinufer auf der Kleinbasler Seite immer noch Hunderte von Personen dicht an dicht in der Sonne sitzen. «Das geht mir nicht in den Kopf», meint er.

Das sieht der Kanton ähnlich: Am Dienstag hat der Regierungsrat die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich nicht für längere Zeit in Erholungsräumen im Freien aufzuhalten. Picknicks und Grilladen sind verboten, bei der Nutzung von öffentlichen Parks und dem Rheinbord soll Zurückhaltung geübt werden. Das hatten am Sonntag noch nicht alle verstanden. Zu Hunderten sassen die Basler am Sonntag und Montagnachmittag am Rheinufer und genossen die Sonne. Ein Bild, dass Dana Pöscher schockierte: «Als ich sah, wie sich die Leute am Rheinufer verhalten, war für mich schon klar, dass ich meine Buvette nicht eröffnen werde. So unverantwortlich, wie manche Leute aufeinandersitzen.» Auch für Bettina Larghi von der Buvette Flora ist nach den Weisungen der vergangenen Tage klar, dass die Getränke- und Food-Kioske am Rhein vorerst geschlossen bleiben.

Joggen zur Bekämpfung von Ängsten und Langeweile

Immer noch erlaubt ist hingegen explizit das Spazieren und Joggen. Eine Freiheit, die viele auskosten: Nicht nur am Rheinufer, auch in den Quartieren sehen wir zahlreiche Menschen in Sportkleidung vorbeirennen. Was die Absicht dahinter ist, können wir nur erahnen: Einige wollen wohl etwas für ihre Gesundheit tun, andere suchen eine Beschäftigung. Und ein paar versuchen mit Sicherheit, vor der Krise wegzurennen.

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