Corona-Virus

Das war Krisentag #2: So arrangiert sich die Region Basel mit der einschneidenden Corona-Sperre

Am Rheinbord tummelten sich gestern trotz Aufruf zu Social Distancing viele Menschen.

Am Rheinbord tummelten sich gestern trotz Aufruf zu Social Distancing viele Menschen.

Wer denkt, seit Montag herrsche betreffend Corona-Massnahmen in allen Kantonen Einigkeit, hat weit gefehlt.

Am Montag hat der Bundesrat die nationale Lage neu als «ausserordentlich» eingestuft. Die gleichzeitig angeordneten Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung gelten seither in allen Kantonen und sollen die Verbreitung des Corona-Virus eindämmen. Doch die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn die Umsetzung der neuen Regelungen in allen Kantonen und Gemeinden gleich aussähe.

Während der Baselbieter Regierungsrat am Dienstag in einer Mitteilung die vom Bund angeordnete nationale Harmonisierung der Massnahmen begrüsste, erliess Basel-Stadt am selben Tag Weisungen, die über die vom Bundesrat befohlenen Massnahmen hinausgehen: Unter dem Slogan «Spazieren ja. Picknick nein» rief der Regierungsrat die Bevölkerung zur Zurückhaltung bei der Nutzung der öffentlichen Grünflächen auf. Er verkündete auch: «Das Durchführen von Picknicks und Grilladen ist untersagt.» Trotz des schönen Wetters sollten sich also ab Mittwoch die Menschen nicht für längere Zeit in Parks oder am Rheinbord aufhalten und Abstand halten.

Doch was bedeutet das genau? Wie lange kann man draussen sitzen? Ist es erlaubt, etwas zu essen und wie viele Personen dürfen sich an einem öffentlichen Platz treffen?

Die meisten halten sich an die Weisungen

Ein erster Augenschein am Rheinufer um halb Eins mittags lässt vermuten, dass sich die meisten Personen an die regierungsrätlichen Weisungen halten. Der Rheinweg ist nicht dicht bevölkert, es finden sich viele leere Bänke und die meisten Personen sitzen alleine oder zu zweit in gebührlichem Abstand zueinander am Fluss. Die meisten. Gleich hinter der Dreirosen-Anlage sitzen mehrere Gruppen zusammen, die offensichtlich zu Mittag essen. Während die einen Geschirr, Salatschüsseln und Besteck mitgebracht haben, versuchen die anderen gerade, ein Feuer zu entzünden. Da fährt bereits ein Polizeiwagen an, zwei Uniformierte steigen aus und erklären den da Versammelten offensichtlich, was Sache ist.

«Bisher gab es noch nicht wirklich Situationen, in denen Personen die geltenden Weisungen grob missachteten und wir Leute sanktionieren mussten», sagt Toprak Yerguz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Sie würden jeden Fall einzeln betrachten und dann entscheiden, ob eine Handlung noch im Rahmen des Erlaubten sei. Yerguz sagt: «Wenn eine Person alleine am Rheinbord sitzt und ein Sandwich isst, ist das noch kein Problem – wenn aber mehrere Personen dasselbe tun, dann haben wir genau die Situation, die verhindert werden soll.»

Am Nachmittag ist das Rheinufer belebt

In Baselland sollten eigentlich weniger restriktive Vorgaben gelten, was die Versammlung von Personen im Freien angeht. Wie ein Mitarbeiter des Schul- und Wohnheims Sonnenhof der bz berichtete, wurde er am Montag, als er sich vor der Migros Arlesheim auf eine Bank gesetzt hatte, um etwas zu essen, von einer Polizistin aufgefordert, nach Hause zu gehen. Dieser Fall sei ihm nicht bekannt, sagt der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler. Er meint, es könne sein, dass es sich um eine Gemeindepolizistin gehandelt hätte. Die zuständige Stelle war am Mittwochnachmittag telefonisch nicht erreichbar.

Die Baselbieter Polizei erhielt mehrfach Meldungen von Betrieben, die trotz Verbot geöffnet hatten. «Dann rücken wir aus», sagt Adrian Gaugler. Während in Baselland eher die Schliessung der Geschäfte ein Problem ist, so schaffen es die Menschen in Basel-Stadt nicht, den Grünflächen fernzubleiben. Um 15 Uhr nachmittags sieht es am Rheinufer schon belebter aus. In der Nähe der Mittleren Brücke ist nun keine Bank mehr frei und bei der Dreirosenanlage trainieren 15 junge Männer an den Outdoor-Fitnessgeräten.
Auch am Nachmittag patrouillieren zwei Polizisten entlang des Kleinbasler Rheinufers. Einer der Polizisten fotografiert die trainierenden Männer. «Wir können nichts machen», sagt sein Kollege zu einer Frau, die soeben mit dem Velo angehalten und sie auf die hier versammelten Menschen angesprochen hat.

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