Herr Roesli, welche Bedeutung hat das alte Warteckgebäude heute für das Wettsteinquartier?

Fritz Roesli: Es ist einer der lebendigeren Orte des Quartiers. Ursprünglich war das Wettstein ein Industriequartier. Das Warteck ist eines der letzten Überbleibsel aus dieser Zeit. Es ist eine Art Denkmal, das zeigt: Hier hat man auch mal etwas anderes gemacht, als nur gewohnt.

Heute ist hier keine Brauerei mehr, dafür der «Werkraum Warteck pp». Wie wird hier gewerkt?

Es ist eigentlich ein Experimentieren von verschiedenen Arten zu Arbeiten auf engstem Raum. Wenn man hier im «Kaskadenkondensator» eine Ausstellung macht, dann ist direkt nebenan die Cantina Don Camillo, die ein ganz anderes Publikum anzieht. Und auf dem Weg zur Ausstellung sieht man direkt ins Textilatelier rein. Das Warteck ist auch eine Produktionsstätte. Vieles, was hier produziert wird, wie Theaterstücke oder Musik, wird an einem anderen Ort in der Stadt oder in der Schweiz gezeigt. Und wenn wir Glück haben, gibt es eine Hausaufführung.

Ist es schwierig, einen Platz in einem der Räume zu bekommen?

Es ist sicher eher schwierig, weil nicht ständig neue Räume frei werden. Die Frage, ob man Räume nur temporär oder länger vergibt, ist eine spannende. Beide Konzepte haben Vor- und Nachteile. Bei uns ist die Vermietung nicht zeitlich begrenzt. Wichtig ist aber, dass es keine Räume gibt, in denen nichts läuft. Dann würden wir eingreifen.

Wie bezieht der Werkraum Warteck pp die Bewohner des Wettsteinquartiers mit ein?

Eine tragende Rolle spielt da der Quartiertreffpunkt Burg. Dort nehmen Leute aus dem Quartier teil und können das Programm mitbestimmen. Zum Beispiel wenn Kinderkleiderbörse ist, oder Jugendliche aus dem Quartier eine Disco organisieren. Aber wir pflegen auch sonst den Austausch mit der Nachbarschaft. Vor zwei Wochen gab es eine Ausstellung im «Kasko». Dann haben die Organisatoren einen Kuchen gebacken mit Zutaten, welche ihnen die Nachbarn gespendet haben.

Die Abkürzung pp steht für «permanentes Provisorium». Was unterscheidet das Warteck von anderen Zwischennutzungen in der Stadt?

Es ist keine Zwischennutzung, sondern eine längerfristige Umnutzung. Das gibt es in der Stadt zu wenig. Etwas, das wirklich Bestand hat und erhalten bleibt. Diese Beständigkeit hat Qualität. Man muss nicht eine riesige Energie reinstecken und nach ein paar Jahren wieder alles abbrechen. Die Akzeptanz der Stadt ist auch da, weil es damals – vor über zwanzig Jahren – darüber abgestimmt wurde.

In diesem Jahr wurde die Nutzfläche vergrössert. Im leerstehenden Malzsilo entstanden Atelierräume und die Aussentreppe wurde neu gebaut. Konnte so noch mehr Publikum ins Warteck gelockt werden?

Die neuen Räume laufen alle sehr gut. Auch die Kulturbeiz mit ihrer Aussicht. Gerade mit der neuen Treppe zeigt sich die Durchmischung im Haus sehr gut: Die öffentlichste Nutzung ist die Beiz zuoberst. Wenn man hoch möchte, läuft man unten beispielsweise an der Schreinerei vorbei, beim Innenarchitekturbüro, dem Textilatelier oder beim Nachthafen. Im Sommer haben die Leute dann ihre Türen offen und man sieht direkt in die Ateliers rein. Und das hat eine wahnsinnige Qualität.

Nun ist der Umbau abgeschlossen. Habt Ihr bereits neue Pläne? Was ist das für eine Idee mit dem Falken?

Weil der Umbau viel Zeit und Raum beansprucht hat, müssen wir jetzt mit ein paar anderen Projekten aufholen. Zum Beispiel haben wir seit zwei Wochen in unserem Wasserturm einen Falkenhorst. Das ist etwas, das wir schon lange vorhatten. Im Verlauf des nächsten Jahres sollte ein Turmfalke einziehen. Dann wollen wir dort auch eine Webcam installieren. Das ist ein lustiges Experiment: Man macht einen Raum und wartet auf seinen Bewohner.