Wohnungsbau
Das Wohnen in Genossenschaften ist in der Region wieder angesagt

Nach wechselhaften Jahren werden in der Region in naher Zukunft einige genossenschaftliche Wohnbauprojekte realisiert. Bestehende Genossenschaften haben aber oft Renovierungsbedarf und beschränkte finanzielle Mittel.

Stephan Schuppli
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Wohnbaugenossenschaften als Selbsthilfeorganisationen von Berufsgruppen: Im Bild die Siedlung der Eisenbahner-Baugenossenschaft Am Stausee in Birsfelden.

Wohnbaugenossenschaften als Selbsthilfeorganisationen von Berufsgruppen: Im Bild die Siedlung der Eisenbahner-Baugenossenschaft Am Stausee in Birsfelden.

Zur Verfügung gestellt

176 Wohngenossenschaften gibt es in der Region Basel. Mit den rund 3000 Liegenschaften und insgesamt 14 700 Wohnungen stellen sie auf dem Wohnungsmarkt einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar. In der Stadt Basel machen Genossenschaftswohnungen gemäss einer Studie des Regionalverbandes der gemeinnützigen Wohnbauträger rund zehn Prozent des gesamten Wohnungsbestandes aus.

Wohnbaugenossenschaften der Region Basel, 1992–201

Die Studie wurde herausgegeben vom Regionalverband Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz, Basel 2012

Autoren: Dorothee Huber, Guido Köhler, Christof Wamister und Peter Würmli
104 Seiten Inhalt, 6 Seiten Umschlag mit 2 Karten, über 100 Fotos und Pläne
Beilage: CD mit einer digitalisierten Publikation von 1994
Erhältlich bei: Geschäftsstelle Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz, Viaduktstrasse 12, 4051 Basel, Tel.: 061 321 71 07, Fax: 061 321 71 06
www.wbg-nordwestschweiz.ch, info@wbg-nordwestschweiz.ch

Kanton sprach Subventionen

Die Genossenschaften waren oft in der Not entstanden und häufig Selbsthilfeorganisationen von Berufsgruppen (zum Beispiel der Eisenbahner), der Genossenschaftsbewegung (zum Beispiel der Allgemeine Consum-Verein ACV) oder sozialpolitisch engagierten Architekten (Eglisee, am Bahndamm). Diese drei Genossenschaften entstanden vor 1930. Auch das Freidorf in Muttenz fällt in diese Zeit, ebenso die Genossenschaften im Hirzbrunnen- und Schoren-Quartier sowie die Siedlung Im Langen Loh. Diese Entwicklung wäre nicht möglich gewesen ohne die Hypotheken oder Subventionen des Kantons. Klar, dass diesen Projekten eine fundamentale politische Diskussion voran ging.

Auch die Nachkriegsphase hat in Basel Quartiere geprägt und Genossenschaften sind heute teilweise gesuchte Mittelstandswohnungen. Das Ziel, Wohnraum für wenig Begüterte bereitzustellen, wurde aber längst nicht immer erreicht. Nach einer Stagnation in der Hochkonjunktur der 1960er-Jahre wurden in den vergangenen Jahrzehnten wieder vermehrt Genossenschaften gegründet. Sie haben sich aber oft auf renovationsbedürftige, selbst bewohnte Häuser konzentriert. Erwähnenswert sind die 1973 gegründete Wohnstadt - sie zog das Projekt Niederholzboden in Riehen durch - sowie der Wohnbaugenossenschaftsverband Nordwest (WGN, Projekte St. Johanns-Parkweg, Luzernerring), ein Zusammenschluss von 27 Einzelgenossenschaften.

Auch Wohngenossenschaften müssen auf dem Markt bestehen: Die Bedürfnisse haben sich stark geändert. Der Komfort- und Flächenbedarf hat sich erhöht. «Die durchschnittliche Basler Wohngenossenschaft ist zu klein, überaltert, hat einen grossen Renovationsbedarf, verfügt aber über zu wenig finanzielle Reserven und hat keine professionelle Organisation, um die anstehenden Aufgaben wirklich in die Hand zu nehmen», heisst es schonungslos in der eingangs erwähnten Studie. Die Genossenschafter hätten oft wenig Lust, grössere Investitionen zu tätigen, weil diese ihre eigenen Mietzinse erhöhen würden. Sie stecken in der sogenannten «Mitgliederfalle», sagen die Genossenschaftsexperten, die im Buch zu Worte kommen.

Neue Bauprojekte in der Region

In den kommenden Jahren werden einige genossenschaftliche Projekte verwirklicht. Nachfolgend die grössten Vorhaben:

• Die Genossenschaft Wohnstadt plant in einem südlich des Riehenrings gelegenen Innenhofs 23 Wohnungen, beim Bachgraben an der Belforterstrasse deren 80.
• Der Wohnbaugenossenschaftsverband Nordwest (WGN) plant an der Schorenstrasse in Basel 80 und am Kohlistieg in Riehen 96 Wohnungen. Unweit davon projektiert die Wohngenossenschaft Höflirain eine Siedlung mit 40 Einheiten.
Im Kanton Basel-Stadt sind das rund 320 Wohnungen. Auch im Kanton Baselland tut sich etwas.
• In Reinach stehen zwei Areale (Stockacker, Bodmen) für den Wohnungsbau zur Debatte.
• In Ormalingen sollen bereits nächstes Jahr 38 Wohnungen (davon 18 Seniorenwohnungen) von Wohnstadt zur Miete bereitstehen.

Geringes Engagement: Firmen bauen keine Wohnungen mehr

In der zweiten Hälfte des 19. und der ersten des 20. Jahrhunderts liessen vereinzelte Patrons oder Firmen für ihre Arbeiter und Angestellte Wohnungen erbauen. So entstanden unter anderem architektonisch interessante Siedlungen wie auf dem Schappe-Areal in Arlesheim. Doch diese Zeiten sind vorbei. Wohnungen besitzen Firmen meist nur über ihre Pensionskassen. Eine Pensionskasse hat aber nicht den sozialen Wohnungsbau zum Ziel, sondern eine gute Rendite bei akzeptablem Risiko. Wie engagieren sich Firmen in der Region? Ein paar Beispiele:

• Die Coop-Pensionskasse besitzt in der Region rund 1000 Wohnungen.

• Die SBB als eine der grossen Liegenschaftsbesitzerinnen im Land haben keine eigenen Wohnungen in der Region. Sie sind aber Baurechtsgeber für diverse Genossenschaften und besitzen demnach das Grundstück, heisst es bei der SBB-Medienstelle. Diese Genossenschaften (oft Eisenbahnergenossenschaften) werden vielfach durch Hypothekarkredite der Pensionskasse finanziert. Sie sind in Basel, Binningen und Pratteln (WGN) sowie via die Eisenbahner-Baugenossenschaft beider Basel in Muttenz und Birsfelden zu finden.

Novartis hat tatsächlich eine Stiftung für den Bau von Personalwohnungen. Diese besitzt in der Region Basel «einige Wohngebäude», wie die Medienstelle mitteilt. Die Pensionskasse Novartis hat keine direkt gehaltenen Immobilien in ihrem Portfolio, sondern investiert ausschliesslich indirekt in geeignete schweizerische Immobilien-Anlagegefässe, die geografisch breit diversifiziert sind.

Roche hält bis auf das Lehrlingsheim an der Chrischonastrasse und einzelne Reihen-Einfamilienhäuser am Schaffhauserrheinweg keine Wohnimmobilien in der Region, heisst es bei der Medienstelle.
Angesichts der Zuwanderung und der Wohnungsknappheit wäre die Wiederaufnahme dieses Gedanken ein Gebot der Stunde. (sts)