Sie strahlen wie zwei frischgebackene Lottomillionäre, schütteln sich im Blitzlichtgewitter der Fotokameras die Hände – dabei ist das neue, 328 Millionen Franken teure Biozentrum der Universität Basel noch gar nicht fertig. Und doch haben die Regierungsräte Hans-Peter Wessels (BS) und Sabine Pegoraro (BL) allen Grund zur Freude. Das mit Abstand grösste gemeinsame Bauprojekt der beiden Halbkantone hat eine entscheidende Hürde genommen: Der Rohbau ist vollendet.

Am Mittwoch feierten Bauarbeiter, Politiker, Vertreter der Universität sowie der Kantone und weitere Beteiligte im 9. Stock des 73 Meter hohen Gebäudes das Aufrichtfest. Auf einer Leinwand verfolgten die Gäste, wie die Baumeister – gefilmt von einer Drohne – die für die Aufrichte typische Tanne auf das Dach setzten.

Sabine Pegoraro zeigt auf die Baustelle des FHNW-Campus in Muttenz.

Sabine Pegoraro zeigt auf die Baustelle des FHNW-Campus in Muttenz.

Neubau stellt alles in Schatten

Zum neuen Biozentrum steuern die beiden Kantone je 130 Millionen Franken bei, vom Bund kommen die restlichen gut 70 Millionen. Ein derart grosses Bauprojekt haben Stadt und Land noch nie zusammen realisiert. Zum Vergleich: Der nächstgrössere gemeinsame Bau, das Universitäts-Kinderspital beider Basel, hat laut Mauro Pausa vom Hochbauamt Basel-Stadt etwa 160 Millionen Franken gekostet.

Rohbau des neuen Biozentrums abgeschlossen

Rohbau des neuen Biozentrums abgeschlossen

Richtfest für den Biozentrum-Neubau: Der Rohbau und die Fassade sind 841 Tage nach Grundsteinlegung vollendet. Der Neubau stärkt den Forschungsstandort Basel und die Life-Sciences-Industrie in der Region.

Entsprechend stolz sprach Bau- und Verkehrsdepartementsleiter Wessels zu den Gästen: «Die Universität Basel ist eine Top-Uni im Bereich der Life Sciences. Das neue Biozentrum ist ein markantes Zeichen dafür.» Die Life-Sciences-Industrie sei der wirtschaftliche Hauptmotor und ein wichtiger Arbeitgeber der Region. «Ich bin überzeugt, dass die Steuerzahler sehen, dass dies eine absolut sinnvolle Investition ist», sagte Wessels.

 Seine Kollegin aus Baselland, Bau- und Umweltschutzdirektorin Pegoraro, sprach von einem «wichtigen Schritt in die Zukunft für die beiden Kantone». Zum Glück habe es bei den Bauarbeiten keine schweren Unfälle gegeben. Dass der Neubau in Basel steht, macht sie nicht neidisch: «Wir haben bald etwas zu feiern, wenn beim neuen FHNW-Campus in Muttenz die Aufrichte ansteht», sagte Pegoraro und deutete mit dem Finger durch eines der grossen Fenster: Die Muttenzer Baustelle ist vom Biozentrum aus an den roten Kränen in der Ferne erkennbar.

Das nächste Fest steigt im Biozentrum bereits nächstes Jahr: Im Herbst 2017 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Im September 2018 soll das Zentrum seine Türen öffnen. Dann werden rund 600 Mitarbeitende und 800 Studenten die 16 Ober- und drei Untergeschosse bevölkern.

Erich Nigg, Direktor des Biozentrums.

Erich Nigg, Direktor des Biozentrums.

Auch beim Direktor des Biozentrums, Erich Nigg, war die Freude am Mittwoch gross: «Der Neubau ist ein Zeichen der Wertschätzung der Kantone gegenüber der Universität.» Der Turm auf dem Life-Science-Campus passe gut ins Bild, denn, so Nigg: «Das Biozentrum versteht sich als Zugpferd der Universität.»

Der «Seerosenteich» im UG

Momentan sind die neuen Laborlandschaften und Hörsäle erst im Ansatz erkennbar. Prägnant präsentieren sich die Wendeltreppen – Pausa nennt sie «Bubbles» und «Seerosenteich». Die Treppen kringeln sich aus der drei Geschosse umfassenden Eingangshalle empor. Bis zu 1000 Personen sollen in der Halle Platz finden. Umgeben wird sie von vier Hörsälen, wovon der grösste über 300 Studenten Platz bieten wird. Die Halle soll quasi als «öffentlicher Marktplatz» fungieren, erklärt Pausa. Sie wird auch eine Cafeteria beheimaten.

Der Zugang zu den oberen Geschossen wird hingegen nicht öffentlich sein. Studenten werden in Praktikalabors Versuche durchführen, weiter oben werden die Labors für die 40 Professuren eingerichtet, die ins neue Biozentrum ziehen werden. Bei der Arbeit droht jedoch Ablenkung: Die grossen Fenster bieten eine fantastische Aussicht auf die Stadt. Dass es im Sommer nicht brütend heiss wird an den Arbeitsplätzen direkt an den Fenstern, dafür werden Lamellenvorhänge sorgen. So soll nie direktes Sonnenlicht reinscheinen – die schöne Aussicht aber auch nicht ganz verdeckt werden.

Das neue Gebäude mit dem Namen «Chroma» – den verdankt es seiner Fassade aus Chromstahl und Glas – reckt sich in der Mitte eines quadratischen Platzes an der Pestalozzi- und der Spitalstrasse in den Basler Himmel. Die Lage im Zentrum des Platzes sei bei der Auftragsvergabe entscheidend gewesen, sagt Pausa. Dadurch bleibe aussenherum viel Platz. Dieser soll frei zugänglich sein, und dereinst mit Sitzgelegenheiten und Wasserspielen zum Verweilen animieren.