Es war mal der «Place to be» in Basel. Im Restaurant Birseckerhof sah man und wurde gesehen. Die wildesten Partys feierten die Schönen und Halbschönen, die Reichen und Halbreichen im «Italiener». Aber lassen wir das. Der «Birsi» bei der Heuwaage ist geschlossen. Und das schon eine ganze Weile.

Anfang Februar dieses Jahres warf der Wirt den Bettel hin. Der Umsatz war eingebrochen, besonders im Sommer kämpfte der Beizer ums Überleben. Bei Hitze wollen die Gäste draussen sitzen. Das geht an Orten wie dem «Birseckerhof» nicht oder nur begrenzt. Der «Lällekönig» an der Schifflände litt ebenfalls unter dem Boulevardmangel. Auch er ist zu. Seit anderthalb Jahren. Die Besitzer waren nach längerer Suche bereit, das Lokal erstmals an einen Laden zu vermieten. Und es sah gut aus.

Lällekönig, Café Beschle & Co.

Doch seit der vergangenen Woche weiss Miteigentümer Thomas Wick, dass der erhoffte Mietvertrag doch nicht zustande kommt. «Wir sind jetzt wieder offen für alles», sagt er. Dem «Birseckerhof» und dem «Lällekönig» ist nicht nur das Aussenplatz-Problem gemein, sondern auch die gute Lage. Doch was bringt das diese, wenn es nicht läuft?

«Die hohen Mieten dürften ein Hauptgrund für Leerstände sein. Es gibt Immobilienfirmen oder Pensionskassen, die es vorziehen, ein Objekt leer zu lassen statt es zu einem wirtschaftlich tragbaren Betrag zu vermieten, weil sie Wertkorrekturen in ihren Büchern hinauszögern wollen», sagt Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband. Und tatsächlich: Bis auf den «Lällekönig» sind prominente leerstehende Gastro-Lokale meist im Besitz von Immobilienfirmen oder Pensionskassen.

Aktuelles Beispiel: das Café Beschle am Bahnhof. Das Logo prangt noch immer über dem Lokal, auch an den Fenstern klebt der Schriftzug noch. Das Lokal aber ist seit dem 5. Mai «dauerhaft geschlossen», wie es auf einem Zettel an der Tür heisst. Die Schliessung liegt bald zwei Monate zurück – doch weder im Raum noch davor tut sich was. Es sieht aus, als hätte das Café Betriebsferien. Das Haus gehört der Anlagestiftung der UBS für Personalvorsorge, die Wincasa verwaltet es. Die «zuständige Person» war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Fantasiepreise schrecken oft ab

Maurus Ebneter bestätigt, dass manchmal auch für Lokale, «die während Jahrzehnten etabliert waren», nicht sofort ein Nachfolger gefunden werden kann. «Doch in der Stadt ist
das eher die Ausnahme», sagt er. Natürlich ist es nicht so, dass in der Stadt reihenweise Lokale leer stehen. Dennoch: Es sind einige zurzeit. Auch das ehemalige «Grenzwert» an der Rheingasse beispielsweise steht seit dem  Umzug des Lokals in den «Zum schwarzen Bären» leer. Die Bar ist seit drei  Jahren ein paar Häuser neben dem  ehemaligen Standort zu finden – in  einer Strasse, die pulsiert wie kaum  eine zweite.

Und trotzdem bleibt ein Lokal dort leer. Was ist bloss los? Vom Hausbesitzer kommt keine Antwort auf diese Frage. Die Immobilienfirma lässt sich durch eine Advokatur in Zug vertreten, die ebenfalls keine Auskunft erteilt.

Ein weiterer Grund, weshalb einstige Goldgruben teilweise über Jahr leer stehen, sieht Maurus Ebneter beim Geld: «Oft besteht ein hoher Investitionsbedarf oder es werden unrealistisch hohe Ablösesummen verlangt.» Müsse beispielsweise ein wertloses Inventar teuer übernommen werden, sinke das Interesse seriöser Betreiber stark.

Neue Wirte für «-tis» und «Birsi»

Trotz Krise gibt es auch Lichtblicke in der Traditionsgastronomie an bester Lage: Das legendäre «Atlantis» etwa kündigt auf seiner Website an, den neuen Pächter Mitte Juli bekannt zu geben. Dies allerdings mit dem Zusatz: «Das Atlantis bleibt ab sofort auf unbestimmte Zeit geschlossen.» Wie die beiden Botschaften zusammenpassen, konnte die bz nicht in Erfahrung bringen: Nach dem Schweiz-Serbien-Match vergangener Wochen hat sich das Lokal in die Sommerpause verabschiedet.

Deutlicher ist die Botschaft der Swiss Finance & Property Group, der die «Birseckerhof»-Liegenschaft gehört: «Vor kurzem konnte ein neuer Mietvertrag abgeschlossen werden», sagt Joachim Schütz von der Firma. Derzeit werde das Lokal umgebaut. «Mit einer Eröffnung kann bald gerechnet werden.» Wer das Restaurant übernehmen wird, sagt Schütz nicht. Vielleicht feiern dort aber bald wieder die Schönen.