Interview
David Bröckelmann: «Solange Kasperli dabei ist, kann nichts passieren»

Der Basler Schauspieler David Bröckelmann ist seit 14 Jahren Schauspieler und wurde vor allem durch die Late-Night Sendung «Giacobbo/Müller» bekannt. Nun leiht er in einer Neuauflage dem Kasperli seine Stimme. Die bz traf ihn zum Interview.

Muriel Mercier
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David Bröckelmann fühlt sich als Kasperli geadelt.

David Bröckelmann fühlt sich als Kasperli geadelt.

Archiv/Juri Junkov

Herr Bröckelmann, Kasperli gehörte und gehört heute noch zu den beliebtesten Kinderfiguren. Der Schweizer Schauspieler und Kabarettist Jörg Schneider hat diese 1969 ins Leben gerufen und Kasperlis Abenteuer auf Kassette erzählt. Vor 17 Jahren allerdings wurde Schneiders letztes Hörspiel aufgenommen - bis jetzt. Sie geben dem bekannten Männlein mit der roten Zipfelmütze für neue Hörspiele Ihre Stimme. Wie ist Ihr Kasperli?
David Bröckelmann: Mein Kasperli ist eine Mischung aus alten, ursprünglichen und neuen Elementen. Die Überfigur Kasperli kann man nicht revolutionär ändern. Der Kasperli spricht Zürichdeutsch, was für mich als Basler eine Herausforderung war. Aber sonst wäre Kasperli ja nicht mehr Kasperli. Zudem ist seine Tonlage genauso frech und quietschig geblieben wie vor 43 Jahren.
Was ist am Kasperli 2012 anders?

Wir haben sprachliche Angleichungen vorgenommen. Der Kasperli hat zwischendurch eine jugendliche Redewendung drauf, die es früher nicht gab. Bei den anderen Figuren haben wir versucht, möglichst viele Dialekte einzubringen. Grundsätzlich lebt Kasperli aber in seiner Kasperliwelt. Social Media wie zum Beispiel Handys oder Computer benutzen er und seine Freunde nicht. Wie immer gibt es einen Zauberwald, es spielen ein König und eine Prinzessin mit.
Warum diese strikte Ablehnung gegenüber den Kommunikationsmitteln, die heute für Kinder zur Tagesordnung gehören?

Kinder erleben jeden Tag sozialen Druck. Sie bekommen es täglich mit den neuesten Trends zu tun und werden schräg angekuckt, wenn sie im Gegensatz zu ihren Klassenkameraden kein iPhone haben. Mit den Kasperli-Geschichten können sich die Kinder ihre eigenen Bilder kreieren. Ein Kind stellt sich kein Bild vor,
das es nicht erträgt. Im Gegensatz zu Filmausschnitten, die einfach an das Kind herangetragen werden. Bei den Kasperli-Geschichten kann ein Mädchen oder ein Junge seiner Fantasie freien Lauf lassen. Das ist pädagogisch wertvoll.
Haben Sie in Ihrer Kindheit Kasperli-Kassetten angehört?

Natürlich, ich war als Bub ein gros-ser Fan und bin es immer noch. Der Kasperli ist eine positive Figur, jedes Kind weiss, es kann keinem was passieren, solange er dabei ist. Das Kind muss nie Angst haben, aber es fiebert bei Kasperlis Abenteuern mit. Ich habe mir früher die Geschichten rauf und runter angehört. Zudem hat die Figur mein Schaffen als Kabarettist und Parodist beeinflusst.
Inwiefern?

Ich habe bereits als Knirps Stimmen sowie hohe und tiefe Töne imitiert. Also auch das quietschige Zürichdeutsch vom Kasperli.
Wie sind Sie dazu gekommen, dem Kasperli Ihre Stimme zu leihen?

Ich wurde vor sechs Wochen angefragt. Ich habe mir das Angebot durch den Kopf gehen lassen und realisiert, dass es eine Adelung ist, für diese Rolle angefragt zu werden. Für einen Schauspieler ist das eine tolle Sache. Sieben Tage später sass ich im Studio für die erste Kasperli-Folge.
Die Sprechrollen von Kasperlis Freunden übernehmen Schauspielerin Fabienne Hadorn, Radiomoderator Nik Hartmann, Radiomacher Hannes Hug und der Komiker Michel Gammenthaler. Wie hat die Zusammenarbeit geklappt?

Wir haben hart gearbeitet, um jeweils zwei Geschichten an einem Tag aufzunehmen. Die Arbeit hat uns allen grossen Spass gemacht.
Wird es weitere Hörspiele geben?

Unser Plan ist es, vier Folgen im Jahr zu produzieren.