Zürich ist die Stadt der Werber in der Schweiz. Wer in dieser Branche mitmischen will, geht an die Limmat. Auch David Schärer (37) lebt heute dort. Nach der Schule für Gestaltung hatte er in der Pressestelle des Theaters Basel gearbeitet. Er wollte im Bereich Werbung und Public Relations (PR) aber weiterkommen. Also pendelte er ab 2000 nach Zürich und arbeitete in der Public-Relations-Abteilung der Agentur Jung von Matt/Limmat. Schliesslich nahm er sich eine Wohnung am See. 2007 gründete er die heute wohl angesagteste Werbeagentur, Rod Kommunikation, mit.

Wird der junge Basler Anfang Februar zum Werber des Jahres? Schärer ist einer der sechs von der Zeitschrift «Werbewoche» Nominierten. Wenn er gewinnt, wäre der Sieger nach langen Jahren wieder ein Basler – in den Fussstapfen von Liliane Lerch (1997) und Yvonne Hodel (1990). Die Auszeichnung Werberin oder Werber des Jahres wird seit 1977 vergeben. Die Verleihung findet dieses Jahr am 2. Februar statt.

Bekannt geworden ist die Newcommer-Agentur Rod vor allem durch die Präventionskampagne «Slow down. Take it easy» der BfU, Beratungsstelle für Unfallverhütung, und des Versicherungsverbands. Der gleichnamige Song kletterte auf Platz 5 des Schweizer Hitparade, was Musikfan Schärer freut, ehemaliges Mitglied des Rockfördervereins Basel.

19 Personen in der Agentur

Heute arbeiten in der Agentur 19 Personen mit. Sie betreuen als Leadagentur Marken wie die Basler Bell und BVB, Erdgas, Google, Pfister und Sinalco. Gerne nutzen die Werber neue Wege über Social Media wie bei Eve by Cardinal, wo Kino-Eintrittskarten über Facebook verlost wurden. Seit kurzem entwickelt Rod als Leadagentur sogar ein übergreifendes Kommunikationskonzept für die SBB.

Als sie die Agentur 2007 gründeten, war es keine Frage, wo ihr Domizil sein sollte: in Zürich. Kein Wunder, die beiden Mitgründer Regula Fecker und Oliver Fennel sind in Zürich aufgewachsen. Schärer nennt aber auch einen anderen Grund. «Der Werbestandort Basel scheint mit dem Wegzug von legendären Agenturen wie GGK oder Weber, Hodel, Schmid an Magnetwirkung für Talente verloren zu haben», sagt Schärer. Mehr Ausstrahlung hätten heute die Basler Architekturbüros, die internationale Projekte realisierten.

In Zürich sei die Werbewirtschaft seit langem verwurzelt, sagt Schärer. Darum sei auch die Rekrutierung von kreativen Mitarbeitenden in dieser Region viel einfacher als in Basel. Dies sieht auch Peter Frey, Management Director der Basler CR Werbeagentur, so: Zürich sei das Wirtschaftszentrum der Schweiz. Darum seien Basler Werbeagenturen an die Limmat gezogen. Auch punkto Grafikern und Textern sei das Angebot in Zürich sehr viel grösser als in der Rheinstadt. Darum mache die CR Werbeagentur alles «inhouse», sagt Frey.

Bewunderung für Basler Agenturen

Schärer bewundert die Agenturen in Basel, die seit Jahrzehnten etabliert seien. Er wisse nicht, ob ihm sein derzeitiger Erfolg auch in Basel gelungen wäre. Die Basler Regierung ist sich durchaus bewusst, dass die Situation für die Kreativwirtschaft in der Rheinstadt nicht ideal ist. Sie hat darum eine Studie veranlasst und danach ein «Board» unter der Leitung des ehemaligen Expo-Leiters Martin Heller eingesetzt. Es soll dank dieser «Initiative für Kreativwirtschaft Basel» (IKB) das Bewusstsein für die Leistungen dieser Branche schärfen.

Das auf drei Jahre angelegte Förderprogramm ab 2010 besitzt ein Budget von rund einer Million Franken. Für die IKB stehen Design und Architektur im Vordergrund. Für Vertreter dieser Bereiche hat die IKB im Ausland Möglichkeiten für Auftritte geschaffen. Sonst ist nicht viel los. Kein Wunder, hat CR-Werbeagentur-Chef Peter Frey Martin Heller noch nie gesehen.

Bleibt Zürich als Werbe-Hauptort uneinholbar? David Schärer betont zumindest, dass Basel sein «emotionaler Heimathafen» bleiben werde: «Tatsächlich träume ich manchmal von einem kleinen Rod-Ableger am Rheinknie.»