Abgang
David Wüest-Rudin: «Die Zeit ist einfach zu knapp geworden»

Nach acht Jahren im Amt tritt der Präsident der Basler Grünliberalen (GLP), David Wüest-Rudin, zurück. In seiner Präsidiumszeit erlebte er den Aufstieg seiner Partei aus dem Nichts, aber auch herbe Niederlagen, wie seine Abwahl bei den Grossratswahlen 2012.

Nicolas Drechsler
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David Wüest-Rudin, Präsident von Pro Velo beider Basel. Kenneth Nars

David Wüest-Rudin, Präsident von Pro Velo beider Basel. Kenneth Nars

Kenneth Nars

David Wüest-Rudin, warum treten Sie als Präsident zurück?

Wüest-Rudin: Ich habe mich vor gut einem Jahr beruflich verändert mit mehr und anderer zeitlicher Belastung. Zudem bin ich seit letztem Sommer wieder im Grossen Rat und präsidiere die Regiokommission. Ich habe eine Familie mit zwei noch kleinen Kindern. Die Zeit ist einfach zu knapp geworden, um das Amt im Sinne der Grünliberalen und persönlich befriedigend ausfüllen zu können. Als Gründungspräsident ist man nach acht Jahren auch mental nicht mehr so kraftvoll, die Partei braucht neue Impulse und andere Kräfte.

Sie gehen in einem Wahljahr, ist das nicht problematisch?

Nein. Was mich persönlich betrifft, gehe ich den Grünliberalen ja nicht verloren. Ich bin weiterhin im Grossen Rat und ich unterstütze auch die Wahlen, wo es mich braucht. Zudem sind die Prozesse in der Partei mittlerweile eingespielt, wir haben ein Teilzeitsekretariat, der Vorstand wird erneuert und erweitert, wir haben engagierte Leute bei den Grünliberalen, da mache ich mir keine Sorgen. Und meine Nachfolge wird das Amt hervorragend ausfüllen, da bin ich überzeugt.

Wo sehen Sie Ihre Erfolge in den letzten acht Jahren?

Wir konnten in den letzten acht Jahren in vielen Abstimmungen im Grossen Rat und auch vor dem Volk mit Allianzen und Kompromissen sehr oft sowohl den grünen wie auch den liberalen Anliegen zum Durchbruch verhelfen. Zur Illustration kann ich vielleicht ein gemeinsames Vorstosspaket mit rot-grün in Energiefragen nennen, die Veloförderung, die Auslagerung der Spitäler und der Schulzahnklinik, die Senkung der Schuldenquote oder die Weiterentwicklung der Integrationspolitik. Diesbezüglich soll übrigens bald ein Angebot an in Basel geborene und aufgewachsene Secondos eingeführt werden, damit sie sich mit 18 Jahren vereinfacht einbürgern können – ein kleiner persönlicher Erfolg. Das sind aber nur einzelne Beispiele.

Was ist der grundsätzliche Beitrag der GLP?

Wichtig ist unser Beitrag in den vielen Abstimmungen im Grossen Rat, bei denen es oft knapp ausgeht. Wir sichern quasi die Vielfalt in Basel und verhindern eine linke wie auch eine rechte Monokultur. Was beim Thema Erfolg nicht vergessen gehen darf: Eine Partei neu zu gründen und aufzubauen hat viele Unwägbarkeiten. Ich denke, dass es die Grünliberalen mit geeinten Kräften in der aktuellen Stärke und Bedeutung gibt, kann auch schon als ein Erfolg angesehen werden.

Was ist bei den letzten Wahlen schiefgelaufen?

Ein taktisches Missgeschick ist uns bei den letzten Grossratswahlen unterlaufen. Da hatten wir die Aussichten zu optimistisch eingeschätzt und sind mit drei bisherigen in einem Wahlkreis angetreten, in dem wir zuvor nur zwei Sitze machten. In der Folge ist einer der drei nicht wiedergewählt worden – das war ich. Zusätzlich ärgerlich war, dass wir mit dem damals von den grossen Parteien durchgedrückten Mindestquorum pro Wahlkreis den gewonnenen Sitz im Kleinbasel nicht besetzen durften, sonst hätten wir einen Sitz mehr in der Fraktion gehabt.

Die GLP ist sehr schwungvoll gestartet, nun scheint sie höchstens zu stagnieren. Braucht es die GLP in Basel?

Natürlich braucht es die Grünliberalen. Unsere erfolgreiche Kombination von Umweltpolitik, liberaler Politik für Wirtschaft und Mittelstand sowie liberaler Gesellschaftspolitik ist einzigartig. In Bewertungen konnten wir das bestätigen: Die Wirtschaftszeitschrift Bilanz hat uns als wirtschaftsfreundlichste Partei eingeschätzt, die Umweltverbände haben uns zugleich ebenfalls Top-Ratings erteilt. Das hat so niemand. Wie gesagt, konnten wir in Basel auch Mehrheiten in diesem Sinn ermöglichen. In Basel hatten wir tatsächlich einen fulminanten Start mit einem Bonus des Neuen. Die ersten Jahre und an der ersten Erneuerungswahl (es gab für uns erst eine) mussten wir diesen Bonus bestätigen und die gewonnene Fraktionsstärke halten. Das ist uns gelungen. Nun können wir am Ausbau arbeiten.

Glauben Sie, die GLP wird den Sprung in die Exekutive irgendwann schaffen?

Ja, das glaube ich schon. Wir Grünliberalen passen nach Basel, wir machen sachorientierte Politik und haben gute, fähige Leute. Politik braucht Geduld und ein langfristiges Engagement. Wir werden weitere Anläufe nehmen. Und wenn die Basler Bevölkerung uns im Herbst für den Grossen Rat den Rücken stärkt, dann unterstützt das auch das längerfristige Ziel Regierungsrat.