Basel
Davon träumt die Sportregion: Alle Klubs unter dem FCB-Dach

Dem FC Basel geht es sportlich wie wirtschaftlich glänzend, allen anderen grossen Teamsportvereinen der Region nicht. Kein Wunder, wenn jetzt Forderungen laut werden, dass der FCB Eishockeyanern, Hand- und Basketballern aus der Patsche helfen soll.

Bojan Stula
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Fussballexperten mögen darüber streiten, ob eine Halbfinalqualifikation in der Europa League wertvoller wäre als die Achtelfinalqualifikation in der Champions League 2011/12. Tatsache ist, dass der FC Basel gerade daran arbeitet, einen weiteren sportlichen Meilenstein zu setzen. Strukturell ist ihm das bereits vorige Woche mit der Übernahme der Stadion-Marketingrechte gelungen.

Momentan scheint der FCB keine Limiten nach oben zu kennen, weder sportlich noch wirtschaftlich. Das Durchbrechen der 100-Millionen-Umsatz-Schallmauer, die der frühere Finanzchef Mathieu S. Jaus als durchaus realistisches Szenario bezeichnet hat, rückt immer näher. Auf die 10-Millionen-Budgetmarke, die zu Beginn der 1990er-Jahre den rotblauen Horizont bildete, kann die heutige, 160 Angestellte und rund 70 Millionen schwere FC Basel AG nur noch nostalgisch zurückblicken.

Grosse Krise im Teamsport

Dieser ungebrochene Höhenflug steht in auffälligem Kontrast zum Niedergang des übrigen Leistungssports in der Region Basel. Gerade die letzten Monate haben hierbei schmerzliche Einschnitte beschert. Im Eishockey kommt der EHC Basel in der zweithöchsten Liga nicht vom Fleck, die jüngste Spielzeit musste von der Klubführung sogar vorzeitig abgeschrieben werden. Eine Etage tiefer hat der EHC Zunzgen-Sissach seine langjährige 1.-Liga-Präsenz durch den freiwilligen Abstieg selbst beendet - mit noch unabsehbaren Folgen für die eigene, bedeutende Nachwuchsbewegung.

Im Handball ist der einst ruhmreiche RTV Basel nur noch zweitklassig und ringt weiterhin mit Nachwuchssorgen und finanziellen Problemen. Im Basketball müht sich bei den Basler Starwings eine ehrenamtliche Klubführung tagtäglich damit ab, einigermassen vernünftige semi-professionelle Strukturen zu gewährleisten. Selbst die von Mäzen Werner Schmid geförderten Volleyballerinnen von Sm'Aesch Pfeffingen sehen sich inzwischen nur noch als Ausbildungsverein.

Zwei andere FCB als Vorbilder

All diese Klubs verbraten zusammen 5,5 Millionen Franken pro Jahr, doch leben sie finanziell von der Hand in den Mund. Zudem sind sie in der Regel von wenigen «Machern» abhängig, ohne die der Verein rasch in Existenznöte geriete. Trotzdem spielen sie für den Nachwuchs der jeweiligen Sportarten die Rolle des Bannerträgers. So pflegt RTV-Präsident Alex Ebi zu sagen: «Nicht alle Kinder in Basel wollen Fussball spielen.»

Der blühende FCB hier, der zwischen Stagnation und Absturz wandelnde Teamsport dort: Schon länger fordern Stimmen ein Engagement der Rot-Blauen in anderen Ballsportarten ein. Als leuchtendes Beispiel wird hierbei jeweils der FC Barcelona angeführt. «Mehr als ein Klub» lautet die Selbsteinschätzung von «Barça» und meint damit nicht zuletzt dessen breit abgestützte Rolle in Kataloniens Sportlandschaft; mit den europäisch herausragenden Hand- und Basketballern als Leuchtturm-Abteilungen, aber auch mit einem breiten Angebot an Amateursportarten.

Weniger diversifiziert kommt der FC Bayern München daher, doch sorgen seit einem Jahr die dank Uli Hoeness wiederbelebten Bayern-Basketballer für Furore und volle Stadien in der Basket-Bundesliga. Auch an der Isar steht «FCB» nicht mehr automatisch nur für erfolgreichen Fussball.

Fusionsorgie der Traditionsklubs wäre sinnlos

Und der FC Basel? Bisher hielt dieser das Motto «Schuster, bleib bei deinen Leisten» hoch. Die einstigen Leichtathletik- und Ringer-Sektionen wurden schon vor über einem Jahrzehnt aus dem FCB-Verbund als nicht mehr zeitgemässer Ballast entlassen, das Experiment mit der Ausweitung auf Futsal 2010 nach kurzer Zeit abgebrochen.

Wenn man die jüngsten Meilensteine in der Strukturentwicklung betrachtet, werden die Gründe für diese Monokultur klar: Die Bestrebungen von FCB-Präsident Bernhard Heusler nach konzernartiger Professionalisierung und Weiterentwicklung, die Suche nach finanzieller Stabilität in der Post-Oeri-Ära, aber auch die Aktivitäten im Fan- und Sozialbereich («Social Alliance») liessen schlicht keinen Platz für Seitensprünge im Basler Hand- oder Basketball.

Einen weiteren Faktor nennt FCB-Sprecher Josef Zindel, wenn er feststellt, dass «ein polysportiver Verein wie GC, Bayern oder Barça über Jahre mit solchen Strukturen organisch wachsen muss. Einfach eine auf dem Reissbrett entworfene Fusionsorgie mit RTV, EHC, Starwings wäre absolut sinnlos und würde diesen Traditionsklubs total die eigene Identität rauben.»

Nicht am Fussball-Tropf hängen

Und doch sind verschiedene Exponenten der darbenden Vereine überzeugt, dass eine glorreiche Zukunft, wenn überhaupt, nur unter dem rot-blauen Dach gesichert wäre. «Das wäre das einzig Richtige», sagt der Birsfelder Basketball-Guru Pascal Donati und meint damit zumindest eine engere Kooperation zwischen FCB und Starwings. Von Strukturen, wie sie der FCB in Sachen Nachwuchsförderung, Marketing oder Finanzierung vorlebt, kann der Rest des Basler Sports nur träumen. Gleichzeitig betont Donati, dass eine allfällige FCB-Basketball-Abteilung finanziell selbsttragend sein müsste und nicht einfach am üppigen Fussball-Tropf hängen dürfte.

Wo liegt die (über-)nächste Schallmauer, die der FCB durchstossen kann? Vielleicht gerade dort, dereinst ein Dach für den Basler Teamsport zu bieten. Doch zuerst sollen sich die Fussballer bitte, bitte für den Europa-League-Halbfinal qualifizieren.