Strafgericht
Dealer muss wegen versuchter Tötung in den Knast

Auslöser der blutigen Messerattacke an der Efringerstrasse war ein Streit zwischen einem Drogenkonsumenten und seinem Lieferanten. Letzterer hat deswegen nun vier Jahre unbedingt kassiert.

Patrick Rudin
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Das Opfer war ein Kunde des Drogenverkäufers.

Das Opfer war ein Kunde des Drogenverkäufers.

Keystone

Die Bluttat ging durch die Medien: Im vergangenen April griff ein Drogendealer an der Efringerstrasse im Kleinbasel einen Bewohner in derselben Liegenschaft mit einem Messer an und tötete ihn beinahe. Damals wurde kolportiert, der angeblich unbeteiligte Bewohner sei bloss deswegen fast umgebracht worden, weil er sich über den regen Drogenhandel in der Liegenschaft beschwert habe. Tatsächlich war er aber ein Kunde des Drogenverkäufers.

Gestern kassierte der heute 53-jährige Dealer vom Basler Strafgericht eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung: Die fünf Richter befanden, der Mann habe in einem dynamischen Kampfgeschehen ein Messer benutzt, die Tiefe seiner Stiche seien damit unkontrollierbar gewesen.

Hintergründe bleiben verworren

Tatsächlich hatte der Angeklagte dem Mann auf der rechten Wange bis zur Unterlippe eine acht Zentimeter lange Schnittwunde zugefügt, dazu kam eine eher oberflächliche Wunde am Kehlkopf. Als der Mann blutend am Boden lag, hatte es noch einen Schlag auf den Hinterkopf gegeben. «Wer ein Messer gegen den Halsbereich einsetzt, weiss genau, dass er sein Gegenüber ohne Probleme töten kann», sagte Staatsanwalt Sasha Stauffer. Er hatte indes eine höhere Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten beantragt.

Die Hintergründe des Streits an jenem Tag blieben etwas verworren, zumal sich alle Beteiligten in einem Strafverfahren nicht selbst belasten müssen. Beide Männer wohnten in der Liegenschaft auf demselben Stockwert. Das Opfer räumte gestern vor Gericht allerdings ein, gelegentlich vom Dealer Haschisch gekauft zu haben, unklar blieb, ob er sich wegen verschnittener Ware beschweren wollte. Seit jenem Vorfall nehme er keine Drogen mehr. Zum ersten Mal erwähnte er eine Bauchverletzung und behauptete, er sei seither auf einem Auge praktisch blind. Er deutete an, ein Maschinengewehr zu besorgen, um sich künftig wehren zu können. Als man ihn ins Spital brachte, betrug sein Blutalkoholgehalt 2,3 Promille.

Der 53-jährige Drogendealer hingegen sagte, er habe mit dem Mann schon früher Auseinandersetzungen gehabt und die Türe immer mit einem griffbereiten Messer geöffnet. Er habe sich bedroht gefühlt und aus reiner Notwehr gehandelt. Wie tief er selber in den Drogen drinsteckte, blieb ebenfalls unklar. Er sitzt seit vergangenem April in Untersuchungshaft und nimmt am Methadonprogramm teil. Eine frühere bedingte Geldstrafe wegen Drogendelikten von 600 Franken erklärte das Gericht für vollziehbar. Gerichtspräsident Lucius Hagemann sagte gestern, Gründe für eine weitere Untersuchungshaft bestünden nach dem Urteil nun nicht mehr, theoretisch könne der Mann nach Hause gehen. Um nicht wieder direkt in die Drogenszene zu geraten, schlug er dem Mann allerdings vor, nahtlos in den Strafvollzug überzutreten.

Aggressives Opfer?

Die Verteidigerin hatte vergeblich versucht, eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung zu erreichen. Das Opfer sei aggressiv gewesen und habe sich in der Vergangenheit schon mehrfach Zugang zum Zimmer ihres Mandanten verschafft, sagte sie. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung können das Urteil noch weiterziehen.