Leserwandern

Debatte über Kantonsfusion auf höchstem Punkt des Baselbiets

Die 12. Etappe des Leserwanderns führte von der Wasserfallen auf die Hintere Egg und nach Langenbruck. Fast 60 Wanderer und die beiden Regierungsräte Hans-Peter Wessels (BS) und Thomas Weber (BL) nahmen bei grosser Sommerhitze teil.

Ein schallendes Lachen hallt durch den Wald. Fröhlich wird jeder Busch und Stein. Es kommt von ganz oben. Wortwörtlich.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels steht auf dem höchsten Punkt des Kantons Baselland und lacht das vielleicht bekannteste Lachen im ganzen Kanton Basel-Stadt. Erheitert haben muss ihn ein Spruch seines neusten Baselbieter Berufskollegen, Thomas Weber, der neben ihm steht und etwas erzählt.

Der höchste Punkt klingt immer gut: 1169 Meter kann das Baselbiet bieten, auf der Hinteren Egg. Ob da oder weiter unten: Die beiden W verstehen sich prächtig - da kann der Städter noch so von der SP sein und der Landschäftler noch so sehr SVP.

Sie kennen sich schon seit rund vier Jahren, denn Wessels hatte schon mit Weber zu tun, als jener noch beim Bundesamt für Strassen wirkte.

Fusioniereren sei grad so eine Mode

Ist diese Freundschaft der Anfang einer Kantonsfusion? Wessels hätte nichts dagegen, Weber schon. Dieses Fusionieren sei grad so «eine Mode», rümpft der SVP-Politiker die Nase. Ihm graut vor den vielen Jahren, während derer die Kräfte so vieler Politiker und Verwaltungsangestellter in die Ausarbeitung einer neuen Verfassung gebunden würden.

Dabei könnten die Kantone doch schon jetzt, schon so, gut zusammenarbeiten - da, wo es nötig ist. Wessels ist auch sehr für diese Zusammenarbeiten, findet aber, «es würde sich lohnen, die weitergehende juristisch-politische Arbeit auf sich zu nehmen». Eine Fusion würde «viele Synergien schaffen».

Voraussetzung sei jedoch: Die Stimmbevölkerung muss die Fusionsinitiative annehmen. In Basel-Stadt werde diese Debatte alles andere als emotional geführt. Am grössten sei das «es ist mir egal»-Lager, vermutet Wessels. Denn eben: Mit Zusammenarbeiten gehe es auch. Darin sind sich die beiden Regierungsräte einig.

Die meisten kommen aus dem Aargau

Eigentlich ist es ein zu heisser Tag für politische Debatten. Den prominenten Gästen und mit ihnen 60 wandernden Leserinnen und Lesern rinnt der Schweiss von der Stirn, kaum sind sie von der Bergstation der Wasserfallen-Bahn gestartet.

Die Sicht auf Basel-Stadt ist von Dunst getrübt. Es ist, als gäbe es ihn nicht mehr. Und die meisten hier sind sowieso aus dem Aargau.

Zum Beispiel Hanspeter Böckli mit seinem Hund Barry. Mit die beiden treusten Leserwanderer. 13 Mal war Böckli 2012 dabei, heuer will er den Rekord brechen und «15 schaffen». Die jüngste Wandererin ist fünf und heisst Ida.

Tapfer und still hält sie an der Hand ihrer Oma Schritt, im Rucksack trägt sie zwei Äffchen durch Feld und Wald. Derweil der 12-jährige Dario Bee so ein langweiliges Unterfangen nur mit Kopfhörern in den Ohren aushält.

Laufend lässt er sich von Rufus Beck die Harry Potter-Geschichte vorlesen. Als kurz vor Langenbruck ein Gewitter über uns hereinbricht, kommen allerdings seine wahren Wander-Motive zum Vorschein: Die Solarbobbahn. Der Platzregen könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen, befürchtet er jetzt.

Doch die Wolken ziehen schnell vorbei. Wessels wird in Langenbruck elegant von einem Chauffeur im silbernen Mercedes abgeholt. Derweil Weber in den Bus Richtung Waldenburg steigt. Verkehrte Rollenverteilung? Wenn das so weitergeht, wird die SVP bald für die Fusion werben und die SP für mehr Strassen.

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