Basel

Dein Feind und Helfer: Polizisten über die Schattenseiten ihres Berufs

Übers Thema «Blaulicht in Not?» diskutierten in der Offenen Kirche Elisabethen inmitten von viel Publikum Heinz Salvisberg vom Polizeiverband Basel (von links), Theologe Frank Lorenz, Daniela Montinari (Ausbildungsleiterin bei der Polizei) und Polizeikommandant Gerhard Lips.

Übers Thema «Blaulicht in Not?» diskutierten in der Offenen Kirche Elisabethen inmitten von viel Publikum Heinz Salvisberg vom Polizeiverband Basel (von links), Theologe Frank Lorenz, Daniela Montinari (Ausbildungsleiterin bei der Polizei) und Polizeikommandant Gerhard Lips.

Gerufen, gebraucht, bespuckt: Polizeiangestellte sprachen an einem Podium in der Basler Elisabethenkirche über die Schattenseiten ihres Berufs. Was dabei herauskam, lesen Sie hier.

Pflastersteine fliegen durch die Luft, Flaschen zerschellen, irgendwo knallts – nicht erst seit Baschi Dürr die Basler Polizei in den «Brennpunkt» geschickt hat, steht sie in ihren Einsätzen oft im Kreuzfeuer. Von den Beamtinnen und Beamten wird dabei stets verlangt, dass sie einen kühlen Kopf bewahren und sich nicht provozieren lassen. Keine einfache Aufgabe. Und bisweilen eine, an der sie selber zerbrechen. Die Empörungswelle in Medien und Politik ist dann jeweils gross.

Genau aus diesem Grund hat die Offene Kirche Elisabethen (OKE) gestern Abend ein Forum veranstaltet, an dem sich Polizeiangestellte einmal ganz ohne Gegenstimme die Sorgen und Probleme von der Leber reden können. «Als ehrenamtlicher Notseelsorger im Baselbiet werde ich immer wieder mit den Nöten von Polizisten konfrontiert», sagt Frank Lorenz. Der reformierte Theologe und Journalist moderierte das Gespräch mit dem Motto «Blaulicht in Not?», von dem er sich «ein Stück Aufmerksamkeit und Wertschätzung» für die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten erhofft, die sich oft in Extremsituationen bewegen würden.

Keine Selbsthilfegruppe

«Als ich vor 35 Jahren bei der Polizei angefangen hatte, war Gewalt gegen Polizisten kein Thema. Heute haben wir fast jede Woche so einen Fall», sagte etwa Heinz Salvisberg. Der Mann mit der rauen Stimme ist Vizepräsident des Polizeiverbandes und steht kurz vor der Pensionierung. Seine Aussage erhielt Zustimmung vom Basler Polizeikommandanten Gerhard Lips, seines Zeichens seit 25 Jahren im Polizeidienst. «Heute wird staatliche Autorität immer weniger anerkannt», klagte auch er. Und auch Daniela Montinari, Ausbildungs- und Rekrutierungschefin bei der Basler Polizei und dritte Gesprächspartnerin am gestrigen Forum, sagte: «Insbesondere Jugendliche versuchen häufig, Polizisten an ihre Grenzen zu bringen.»

In der Folge diskutierten die vier über die gestiegenen Anforderungen an heutige Ordnungshüter, über lange Einsatzzeiten und unvorhersehbare Ereignisse, die zu psychischen Problemen führen könnten. Und obwohl Lips von Mitarbeitern mit 1000 Überstunden erzählte – deren 218 sind es im Durchschnitt –, und Salvisberg darüber fluchte, dass man heute wegen jedem «Hühnerschiss» auf der Polizei rumhacke, verkam das Gespräch nicht zu einer Selbsthilfegruppe. Stattdessen lieferte es einen Einblick in eine Welt, die einem sonst verborgen bleibt.

Wieder im Kreuzfeuer

Am Schluss kam sie doch noch, die Kritik von aussen. «Ich bin auch schon als Delinquentin mit der Polizei in Kontakt gekommen, und ich hatte wahnsinnige Angst vor den Beamten, vor ihren Uniformen und ihren Waffen», sagt eine grauhaarige Frau aus dem Publikum. Es ist kurz still, die Kritik trifft offenbar. Dann fährt die Frau fort: «Es ist einfach elementar, dass die Polizisten wissen, wie sie solche Situationen entschärfen können.»

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