Die Szene spielt sich im Basler Strafgericht so eher selten ab: Zwei Angeklagte stehen auf, einer muss gar wegen seiner gefesselten Füsse nach vorne humpeln, beide geben ihrem Opfer die Hand und entschuldigen sich. Das Gericht nahm es positiv zur Kenntnis, und ein ganz klein wenig reduzierte sich damit auch das Strafmass.

Im Juli 2013 war der Umgang noch anders: Der heute 25-jährige Angeklagte wollte am Gassenzimmer am Riehenring Kokain kaufen, doch der Dealer wies ihn ab. Daraufhin überzeugte er seinen 24-jährigen Kumpel, den Dealer ganz einfach auszunehmen. Erst gab es eine Rangelei, danach flogen die Fäuste, und als der Dealer den beiden hinterherrannte und seinen Rucksack zurückverlangte, da gab es erneut Faustschläge. Danach donnerte einer der beiden dem Dealer noch eine Flasche an den Kopf. Passanten riefen schliesslich die Polizei.

Ziel war das Kokain

Beide Angeklagten gaben den Überfall gestern vor Strafgericht zu, sie hätten es auf das Kokain abgesehen und hatten sich wohl im Rucksack des Dealers auch ein wenig Geld erhofft. Tatsächlich befanden sich im Portemonnaie aber lediglich 20 Franken, die sie achtlos wegwarfen, nebst dem Kokain erbeuteten sie einzig das U-Abo des Dealers.

Wie in praktisch jedem Verfahren wegen Raubes üblich, bestritten sie allerdings, das am Boden liegende Opfer erneut getreten zu haben.

Der 25-Jährige hat bereits mehrere Vorstrafen und sass auch schon im Gefängnis, deswegen musste er bereits zwei Lehren abbrechen. Als er einen Monat nach dem Überfall beim Gassenzimmer aus der Untersuchungshaft kam, zog er bei sich zu Hause gleich eine Hanfplantage auf. «Das war wirklich keine intelligente Idee», meinte Gerichtspräsident René Ernst dazu. Das Dreiergericht verurteilte ihn wie von der Staatsanwaltschaft beantragt wegen Raubes zu 18 Monaten Gefängnis unbedingt, er befindet sich bereits im vorzeitigen Vollzug.

Sein 24-jährigen Mittäter erhielt 13 Monate unbedingt, er hat inzwischen weitere Verfahren am Laufen. Weil er einen italienischen Pass hat, wackelt nun auch seine Niederlassungsbewilligung. Beide hätten sich eigentlich um Nachwuchs zu kümmern, und beide betonten gestern vor Gericht, sie seien keine schlechten Väter. Sie können das Urteil noch weiterziehen.