Hafenbecken
Dem Grossprojekt an den Rheinhäfen droht eine WWF-Einsprache

Die Rheinhäfen planen ein schweizweit bedeutendes Grossprojekt in Kleinhüningen: Das Hafenbecken 3 und das damit zusammenhängende Containerterminal. Der WWF prüft jedoch eine Einsprache, weil das Areal das bedeutendste Naturgebiet von Basel ist.

Moritz Kaufmann
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Das ehemalige Rangierareal der Deutschen Bahn ist das bedeutendste Naturgebiet Basels. Neben die Bahngeleise im Hintergrund sollen das neue Hafenbecken und das Containerterminal gebaut werden.

Das ehemalige Rangierareal der Deutschen Bahn ist das bedeutendste Naturgebiet Basels. Neben die Bahngeleise im Hintergrund sollen das neue Hafenbecken und das Containerterminal gebaut werden.

Kenneth Nars

In Basels Norden soll in den nächsten Jahren Grosses entstehen. Die Schweizerischen Rheinhäfen planen das neue Hafenbecken 3, dank dem die Klybeckinsel frei wird. Direkt neben dem neuen Hafenbecken soll ein Containerterminal entstehen, wo die Güter von den Schiffen auf die Züge verladen werden. Dieses Projekt ist von schweizweiter Bedeutung. Hier sollen die Container, die vom Rhein herauf in die Schweiz gebracht werden, auf die Schiene verlagert werden - auf die Neat-Strecke durch den neuen Gotthard-Tunnel.

Nun droht aber Ungemach. Der WWF Region Basel prüft eine Einsprache, wie Geschäftsführer Jost Müller gegenüber der bz bestätigt. Es geht um das Gebiet, wo der Container-Umschlagplatz sowie das neue Becken entstehen sollen: das ehemalige Rangierareal der Deutschen Bahn (DB). «Das Areal ist das bedeutendste Naturgebiet des Kantons Basel-Stadt», erklärt Müller.

Strenge Auflagen für Bebauung

In den vergangenen Jahren hat sich auf dem Schienenareal in Kleinhüningen eine blühende Fauna und Flora entwickelt. «Es gibt bis zu 500 verschiedene Pflanzen und eine grosse Anzahl Tierarten, namentlich Insekten und Reptilien», sagt Müller. Es sei ein Ersatzleberaum für zerstörte Auen. Das Gebiet ist laut Müller eine «schweizweite Besonderheit» und zudem im Bundesinventar der Trockenwiesen aufgeführt. Deshalb gibt es strenge Auflagen.

Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit dort gebaut werden darf. Erstens muss das Projekt von nationalem Interesse sein. Zweitens muss es standortgebunden sein - es darf also nur dort gebaut werden, wenn es nirgendwo sonst möglich ist. Und drittens müssen für die «Fläche und Qualität» ein gleichwertiger Ersatz geschaffen werden. Das dürfte in einem Stadtkanton wie Basel besonders schwer zu realisieren sein.

«Kleine Katastrophe für die Region»

Hans-Peter Hadorn von den Schweizerischen Rheinhäfen bestätigt den Sachverhalt. Er betont: «Das Areal ist seit Anfang des letzten Jahrhunderts ein Bahngelände.» Auf diesen würden sich Trockenwiesen besonders gut entwickeln. Hadorn hält fest: «Ein Grossteil des Areals ist von den Projekten nicht betroffen.» Die Fläche, die dem neuen Hafenbecken zum Opfer fällt, würde mit entsprechenden Ausgleichsflächen kompensiert. Die anderen beiden Bedingungen zur Bebauung des Areals - nationales Interesse sowie Standortgebundenheit - seien gegeben. «Nirgends kann man in der Schweiz Schiene und Containerschifffahrt so gut verbinden wie in Basel Nord.»

Marc Keller, Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), findet deshalb: «Wir sind weit von einem unlösbaren Problem entfernt.» Zudem verweist Keller auf darauf, dass die Verlagerung der Container ökologisch sinnvoll sei. Das hebt auch Rheinhäfen-Chef Hans-Peter Hadorn hervor: «Der wachsende Containerverkehr vom Rhein muss in Basel mehrheitlich auf die Schiene und nicht auf Lastwagen.» Würde das Container-Terminal nicht gebaut, wäre das für die Region eine kleine Katastrophe.

Keller und Hadorn betonen: «Es ist eine Interessensabwägung.» Laut BVD-Sprecher Keller müsse der WWF zwischen «übergreifendem ökologischen Interesse und oberflächlichen, kurzfristigen Schutzinteressen» entscheiden.

Die Zielkonflikte des WWF

Das weiss auch WWF-Geschäftsführer Jost Müller: «Es bestehen gewisse Zielkonflikte.» Trotzdem bleibt er skeptisch. «Nachdem wir alle Informationen haben, werden wir eine Gesamtbetrachtung vornehmen.» Für ihn ist wichtig, dass Alternativstandorte für den Hafen - etwa im benachbarten Weil am Rhein - zumindest geprüft werden.

Die Befürworter bleiben aber zuversichtlich, dass die Umweltorganisation das Grossprojekt, das wohl mit Bundesgeldern unterstützt wird, nicht durch eine Einsprache blockiert. Die verschiedenen Parteien sind untereinander in Kontakt. Jost Müller bestätigt, dass er bereits zwei Mal orientiert wurde. Marc Keller meint: «Alle sind gesprächsbereit.»