Mag man das Leben in der Innenstadt, klingt dies nach der perfekten Wohngelegenheit: 100 Quadratmeter, guter Zustand, Sicht auf die Region und das Dreiland – und das alles für weit weniger als 2000 Franken im Monat. Bloss: Wo ist der Haken? Aus dem entsprechenden Inserat, das seit Anfang Woche online ist, wird keiner ersichtlich. Doch es gibt einen: Wer in diese Wohnung einzieht, kann die Zügelkisten gleich in der Wohnung stehen lassen – auf keinen Fall sollte er sie wegwerfen.

Ob das Hochhaus an der Heuwaage abgerissen oder nur totalsaniert wird, ist zwar noch nicht klar. Fest steht aber: Es wird etwas geschehen. Der Pachtvertrag für das Bistro Wulggegratzer im Erdgeschoss wurde erstmals seit bald 30 Jahren nicht verlängert, wie Pächter Markus Thommen von der Vorest AG bestätigt. «Wir können nur noch bis Ende 2016 sicher weiterwirten.» Und wer neu eine Wohnung im Hochhaus bezieht, wird von der zuständigen Adimmo-Verwaltung informiert, dass «etwas passieren wird, aber nicht vor 2017». Die Unsicherheit im Haus ist gross, gern hätte man mehr Informationen. Doch es gibt nicht mehr.

Signale weisen Richtung Neubau

Selbst die Eigentümerin, die Basellandschaftliche Pensionskasse, weiss nicht, was mit dem Hochhaus passiert. Denn es hängt nicht von deren Entscheid ab, da auch Basel-Stadt ein Wörtchen mitreden will und muss. Vergangene Woche traf sich die Eigentümerin mit den Verantwortlichen des Planungsamtes im Baudepartement zum wiederholten Male. Die Parteien klären ab, ob sie auf eine eher unkomplizierte Totalsanierung setzen oder mit dem politischen Weg den viel aufwendigeren Weg einschlagen wollen. Dieser wäre für einen Neubau unumgänglich, da es dafür einen Bebauungsplan bräuchte. Und ein solcher muss vom Grossen Rat beschlossen werden.

Bei der Eigentümerin will sich gegenüber der bz niemand aus dem Fenster lehnen und offen für einen Neubau werben, die Signale sind aber deutlich. Georg Meier, Zuständiger bei der Adimmo AG, zieht diesen Vergleich: «Wenn Sie ein altes Auto zum wiederholten Male zur Motorfahrzeugkontrolle bringen müssen und immer mehr Dinge beanstandet werden, fragen Sie sich irgendwann, ob sich die Investition noch lohnt oder ob es besser wäre, ein neues zu kaufen.» Entsprechend überlege man sich, ob sich eine Totalsanierung rechnen würde. «Sollte die Stadt allfällige Neubau-Pläne unterstützen, würden wir das prüfen», sagt Meier.

Das Gebäude entspreche aus verschiedenen Gründen nicht mehr den heutigen Anforderungen. So sei es etwa nicht erdbebensicher gebaut. Die «statischen Erfordernisse in Bezug auf eine dynamische Beanspruchung im Erdbebenfall», wie es Georg Meier formuliert, seien aber nur ein Grund, weshalb die Zukunft des Hochhauses derzeit abgeklärt werde. Ein weiterer: Das Haus genüge mit seinen bald 60 Jahren nur noch «eingeschränkt den heutigen Nutzungsanforderungen».

Was 1953 imponierte, stört 2014

Ausserdem sei die städtebauliche Situation im Zusammenhang mit dem Birsig-Parkplatz «wenig vorteilhaft». «Das ist der Grund, weshalb die Option eines Neubaus an gleicher Stelle, aber mit einem anderen Kubus und der Öffnung zum Birsig-Parkplatz gemeinsam mit dem Planungsamt geprüft wird», sagt Meier. Mit anderen Worten: Das «imponierende Hochhaus», wie die NZZ 1953 schrieb, stört im Jahre 2014.

Beim Baudepartement hält man sich bedeckt. Sprecher Marc Keller bestätigt zwar die laufenden Abklärungen mit der Eigentümerin, sagt in Bezug auf städtebauliche Überlegungen aber nur: «Es gilt, das Projekt Ozeanium wie die geplante Aufwertung des Birsigparkplatzes und das Nachtigallenwäldeli in die Betrachtungen miteinzubeziehen.»