Basel
Dem Terminal Basel Nord steht ein wichtiger Tag bevor

Am Dienstag legt das Bundesamt für Verkehr der zweiten nationalen Terminalkonferenz die Mediationsergebnisse vor. Damit werden die Resultate des Schlichtungsprozesses und des im November stattgefundenen Hearings öffentlich.

Daniel Haller
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Unter den Grossen nur ein Mittlerer, doch aus der Perspektive des Rheinschiffs riesig: Die Containerschiffe werden immer grösser (hier im Hafen Rotterdam).

Unter den Grossen nur ein Mittlerer, doch aus der Perspektive des Rheinschiffs riesig: Die Containerschiffe werden immer grösser (hier im Hafen Rotterdam).

Daniel Haller

Die Schweizerische Depeschenagentur erwartet für Dienstag eine Medienkonferenz. Doch im Bundesamt für Verkehr (BAV) heisst es, man werde sich mit einer Presseerklärung am späten Nachmittag begnügen.

Und bei den Schweizerischen Rheinhäfen möchte sich niemand im Vorfeld äussern: Die beiden Containerterminals Basel Nord und Gateway Limmattal sind eine heisse Kartoffel, an der man sich leicht den Mund verbrennen könnte.

Streit hinter den Kulissen

Bereits im April hatte das BAV die Bahnen, Infrastrukturbetreiber, Operateure des kombinierten Verkehrs, Terminal- und Hafenbetreiber sowie Transport- und Verlader-Verbände zu einer Terminalkonferenz eingeladen. Diskussionsgrundlage war die Grossterminalstudie, die im Juni 2012 fertig wurde, die das BAV aber erst im April 2013 veröffentlichte.

Knackpunkt: Die Terminals werden von SBB Cargo gebaut, andere Transporteure befürchten, Marktanteile zu verlieren: «Die mit den Grossterminal-Projekten verbundene Ausweitung der Aktivitäten von SBB Cargo auf nachgelagerte Wertschöpfungsstufen bereiten vielen Akteuren Probleme», fasst das BAV zusammen.

Dominanz der Blechkisten

Der internationale Handel wird auf immer grösseren Schiffen abgewickelt. Diese laufen wegen ihres Tiefgangs immer weniger Häfen an, weswegen sich der maritime Containerverkehr für Europa zunehmend auf Rotterdam und Antwerpen konzentriert. Weil erstens die Blechkisten aus dem Hafen weg müssen und zweitens Schiene und Strasse am Anschlag sind, soll künftig ein grösserer Anteil des Rotterdamer Hinterland-Containerverkehrs - notabene bis Italien - möglichst auch per Binnenschiff erfolgen.
Dies erfordert neue taugliche Infrastruktur am auch anderen Ende. In den Schweizerischen Rheinhäfen sind die Container-Terminals bereits heute an der Kapazitätsgrenze angelangt. Das Projekt Basel Nord ist zudem gegenüber den bisherigen Terminals leistungsfähiger, da man ganze Züge am Stück wird beladen können und somit nicht mehr rangieren muss. (dh)

Die Terminalkonferenz endete damit, dass man sich auf eine Mediation einigte: ein Verfahren, bei dem man die Vertreter unterschiedlicher Interessen mit sanftem Druck zu lösungsorientiertem Diskutieren nötigt. Und für Dienstag findet nun die zweite Terminalkonferenz statt. Da werden die Ergebnisse dieses Schlichtungsprozesses und der im November im BAV stattgefundenen Hearings veröffentlicht.

Dabei geht es nur um die System-Diskussionen innerhalb der Transportbranche. Die lokalen Fragen – im Limmattal formiert sich Widerstand der Anwohner – sind dann Teil der Baubewilligungsverfahren.

Der Terminal Basel Nord ist dagegen auf dem eher isolierten ehemaligen Areal der Deutschen Bahn direkt neben der Autobahn geplant. Mehr zu reden gibt deshalb in Basel, dass für den Umschlag vom Schiff auf die Bahn ein neues Hafenbecken nötig ist, was am allenfalls frei werdenden Westquai Stadtentwicklung ermöglichen würde.

Basel Nord breit abgestützt

Die «NZZ am Sonntag» orakelte gestern, dass den Terminal Gateway Limmattal «einen Rückschlag erleiden» werde. Für Basel sehe es dagegen besser aus.

In der Basler Hafenwirtschaft ist die Freigabe des Westquais ein Diskussionspunkt, die Notwendigkeit des Terminals Basel Nord aber unbestritten.

Die vom BAV zehn Monate lang zurück gehaltene Grossterminalstudie setzte dagegen Fragezeichen ausgerechnet hinter die Trimodalität, also die Nutzung der drei Verkehrsträger Schiff, Strasse und Schiene: «Jede vom Binnenschiff stammende Sendung verringert die Kapazität des Gesamtsystems für bahnbezogene Umschläge», meint das Büro Infras als Studienverfasser.

Solche Einwände verkennen die Entwicklung des Hochsee-Containerverkehrs (siehe Kasten) und dürften, nachdem die Verkehrskommissionen des National- und Ständerats im September in Rotterdam den Containerumschlag besichtigt haben, vom Tisch sein. «In Zukunft gibt es in der Schweiz keinen Kampf mehr zwischen Schiene und Strasse. In Zukunft geht es bloss noch darum, wie der Güterstrom bewältigt werden kann. Über den Terminal in Basel Nord braucht man gar nicht mehr zu diskutieren», zitierte nach dessen Besuch SRF den Aargauer Transportunternehmer Ulrich Giezendanner.

Die Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz, die Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs und die Konferenz der Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone kamen Ende Oktober kamen Ende Oktober zum gleichen Schluss: «Das Schlüsselprojekt ist der trimodale Containerterminal Basel Nord, welcher zwingend und unter Beteiligung des Bundes zu realisieren ist.»