Sicherheit
Dem UKBB fehlt es an ausgebildetem Fachpersonal auf der Intensivstation

Das Personal auf der Intensivstation des Universitätskinderspitals beider Basel sei überlastet. Es käme zu Behandlungsfehlern und die Sicherheit der Patienten könne nicht mehr garantiert werden.

Pascale Hofmeier
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Beunruhigende Nachrichten über das Universitätsspital beider Basel

Beunruhigende Nachrichten über das Universitätsspital beider Basel

Heinz Dürrenberger

Es sind beunruhigende Nachrichten über das Universitätskinderspital beider Basel (UKBB): Das Personal auf der Intensivstation sei so überlastet, dass es zu Behandlungsfehlern komme. Weil das Personal auf der Intensivstation wegen der Überlastung teilweise die Sicherheit der Patienten nicht mehr garantieren könne, sei zusammen mit der Sektion beider Basel des Verbands für Pflegefachfrauen und -männer eine Entlastungsanzeige eingeführt worden: ein Formular, mit dem die Mitarbeitenden ihre Bedenken erfassen können. Dies berichtete die «Basler Zeitung» in den letzten Tagen, gestützt auf Aussagen von betroffenen Eltern und von Personalverbänden. Und auch die Interparlamentarische Geschäftsprüfungskommission des UKBB äusserte in den Berichten bereits ihre Bedenken und forderte Massnahmen.

Fachkräftemangel ist schuld

Fakt ist: Dem UKBB fehlt tatsächlich ausgebildetes Fachpersonal auf der Intensivstation. Dies geht aus den Antworten von Kinderspital-Direktor Conrad Müller hervor, der die Fragen der bz schriftlich beantwortete. Seit 2011 baut das UKBB seinen Personalbestand aus. In der Pflege sind 41, bei den Ärzten sind 18 Vollzeitstellen dazugekommen. «Auf der Intensivstation wurde der Sollstellenplan von 72 auf 76 erhöht. Nur zwei der Stellen konnten wir trotz intensiver Suche in der ganzen Schweiz besetzen.»

Hintergrund ist ein Fachkräftemangel, der es für alle Intensivpflegestationen in der Schweiz schwierig macht, offene Stellen zu besetzen (die bz berichtete). Dass dadurch die Belastung der Angestellten steigt, ist Müller bewusst. Möglichkeiten zur Entlastung sind folgende vorgesehen: «Kommt es auf der Intensivstation durch krankheitsbedingte Ausfälle von Pflegepersonal zu Engpässen, nimmt das UKBB weniger Patienten auf und verschiebt Wahleingriffe. Dies wird auf allen Intensivstationen der Schweiz so gehandhabt.» Solange also zu wenig Fachkräfte ausgebildet werden, ist der Personalmangel ein Problem, das sich kurzfristig nicht lösen lässt – auch mit Geld nicht.

Sicherheit der jungen Patientinnen und Patienten sei das höchste Gebot, betont Müller mehrfach: «Es gab zu keiner Zeit eine Gefährdung von Kindern. Unabhängige Institutionen bescheinigen uns regelmässig eine gute Qualität.» Schützenhilfe erhält das UKBB vom Vorstand der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin Regio Basel – also von den Ärztinnen und Ärzten, die in ihrem Alltag zusammenarbeiten. Der Vorstand äussert in einer Mitteilung sein Erstaunen über die «mediale Kampagne» gegen das UKBB und stellt fest: «Die Qualität der medizinischen Behandlungen seit der Zusammenführung an einem Standort und seit der neuen medizinischen Leitung ist noch besser geworden.» Insgesamt funktioniere die Kommunikation gut, der Geschäftsleitung attestieren die Kinder- und Jugendmediziner Kompetenz und grosses Engagement.

Von Anzeigen nichts gewusst

Der Direktor streitet nicht ab, dass auch das UKBB nicht vor Behandlungsfehlern geschützt ist und darum vorbeuge: «Wir haben ein anonymes Meldeportal, in dem kritische Vorkommnisse gemeldet werden können.» Dies werde rege genutzt und zeige, dass die Qualität der Behandlungen insgesamt zugenommen habe. Ein unabhängiges Forschungsinstitut bescheinige dem UKBB zudem eine hohe Kommunikationsqualität.

Erstaunt war die UKBB-Leitung indes über die Entlastungsanzeigen, die das Personal mit den Gewerkschaften eingeführt hat: «Der Leitung und auch der Betriebskommission des UKBB war von diesen Entlastungsanzeigen nichts bekannt.» Das UKBB sei seit Anfang Jahr selber bestrebt, Strategien zu entwickeln, um bei Situationen «mit hoher Arbeitsbelastung» besser reagieren und planen zu können.

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