Die mehrheitlich jüngeren Demonstrierenden bewegten sich nach 16 Uhr vom Marktplatz via Claraplatz nach Kleinhüningen und zum Klybeckquai. Mitgeführt wurden Transparente, wonach die Besetzer nicht aufgeben wollten. Zeitweise wuchs der Zug auf rund 300 Personen an, schmolz dann aber bis zum Eintreffen fast drei Stunden später am abgelegenen Hafen wieder auf etwa 150 Personen.

Vorab war kein Bewilligungs-Gesuch eingegangen, doch vor dem Abmarsch besprachen Ordnungshüter mit Teilnehmenden eine mögliche Route, und so wurde die Demo spontan bewilligt. Auf dem Weg wurden Flugblätter verteilt und Slogan-Kleber auf Verkehrsschildern und Hauswänden angebracht - vereinzelt wurde auch gesprayt. Insgesamt bliebt der Zug friedlich, wie ein Polizeisprecher unterwegs sagte.

Die Wagenplatz-Leute befürchten die baldige Räumung ihrer illegalen, bislang aber auf Zusehen geduldeten Besetzung eines vorübergehend brachliegenden Hafenareals im Klybeck. Dort wollen sie seit gut einem Jahr alternatives Leben praktizieren, kommen nun aber einer offiziellen Zwischennutzung in die Quere.

Konkret hatte die Regierung per Mai dem Verein Shift Mode auf einem früheren Migrol-Areal 12'500 m2 bis ins Jahr 2019 zugeschlagen und den Wagenleuten 2500 m2 bis auf weiteres zugestanden. Daneben soll die Kunstmesse Scope weiterhin stattfinden. Dieses Angebot bezeichneten die Wagenleute in einem Flugblatt an der Demo als "absurd" und völlig ungenügend - das sei bloss ein Drittel der bisher genutzten Fläche.

Die Wagenleute fordern als "Kompromissvorschlag" 5000 m2, wozu Shift Mode 2500 m2 abtreten solle. Ihr letztes Angebot seien nochmals 1500 m2 weniger. Gespräche seien jedoch bisher gescheitert. Nun habe die Scope wegen neuer Parkplatzflächen ein Ultimatum gestellt, bis am Montagmorgen Platz zu machen. Daher fürchten die Wagenleute dann die Räumung.

Mitte April hatte Regierungspräsident Guy Morin vor den Medien einen formellen Vertrag mit den Wagenplatz-Leuten ausgeschlossen: Man könne deren Bleiben grundsätzlich nicht mit einem Vertrag legalisieren, weil Wohnen nicht zonenkonform sei. Im Oktober hatte die Regierung angekündigt, die "Wagenleute" müssten spätestens weichen, wenn eine legale Zwischennutzung steht. Die Duldung hatte Proteste aus bürgerlichen Kreisen ausgelöst.

Der ganze Klybeckquai soll nach Regierungsabsicht für Wohnungen umgezont werden, aber nicht so lange brach liegen, bis dies Form annimmt. Der Grosse Rat hat inzwischen einen Planungskredit von 1,38 Mio. Franken für Vorarbeiten für einen Stadtteilentwicklungsplan Kleinhüningen-Klybeck bewilligt, auf dessen Basis danach ein neuer Zonenplan ausgearbeitet werden soll.