Hufeisen auf Kopfsteinpflaster: Die Basler Innenstadt hallte gestern wieder vom Trott der 15 Pferdegespanne, die von der Messe Basel über Münsterplatz und Dalbeloch bis nach Brüglingen zum Museum für Pferdestärken fuhren. Wegen des Dreiländermarathons war die Innenstadt weiträumig abgesperrt. Gassen und Strassen gehörten voll und ganz Pferd und Kutsche, zur Begeisterung der Passanten und Zuschauer.

Mit der Prozession der historischen Gefährte aus der ganzen Region markierte der Verein «Hü-Basel» Präsenz. Gegründet 2012 zur Unterstützung des damaligen Kutschenmuseums protestierte «Hü-Basel» mit der Kutschen-Demo gegen den Rauswurf der Basler Kutschensammlung aus der Museums-Lokalität in Brüglingen per Herbst 2016. Die Christoph Merian Stiftung als Besitzerin macht Eigenbedarf geltend. Eine neue Lokalität gibt es noch nicht. Die Existenz der einzigartigen Kutschensammlung ist damit akut gefährdet. Die historisch wertvollen und aufwendig restaurierten Kutschen und Pferdeschlitten sollen auf unbestimmte Zeit in Magazinen verschwinden, das obwohl sie das Publikum anziehen. So werden jährlich bis zu 16 000 Besucher verzeichnet, obwohl die Sammlung in Brüglingen nur an drei Nachmittagen pro Woche zugänglich ist.

Kutschensammlung bedroht

Vom für die Museen verantwortlichen Präsidialdepartement komme keine konkrete Hilfestellung, so «Hü-Basel» (siehe Interview). Schon länger habe man das Gefühl, dass die Kutschensammlung nicht in das Konzept einer Museumspolitik passt, die eher mit gesellschaftspolitischen Interventionen den Zeitgeist pflegt als die historischen Basler Sammlungen.

Schon einmal war das Überleben des 1981 als Aussenstelle des Historischen Museums (HMB) gegründete Kutschenmuseums bedroht. Im Dezember 2011 gab die damalige HMB-Direktion die Schliessung des Kutschenmuseums ab Ende 2012 bekannt, dies wegen Sparvorgaben der Regierung. Aufgrund der heftigen öffentlichen Reaktion wurde der Entschluss zurückgenommen. 2014 wurde entschieden, das Kutschenmuseum weiterzuführen und als Museum für Pferdestärken zu modernisieren.

Dieses Revival ist nun durch die Kündigung des Lokals in Brüglingen ebenso bedroht, wie durch die Finanzkrise im Historischen Museum.

Privatisierung als Lösung

Hier springen nun die Kutschen-Enthusiasten von Hü-Basel ein. Als Antwort auf die sich drohende Schliessung planen sie die Privatisierung der Sammlung. Dabei erhielten sie viel Unterstützung. Einzig der Kanton halte sich zurück, obwohl er die Bemühungen mit Wohlwollen sehe.

Das geplante private Kutschenmuseum umfasse eine neue Liegenschaft sowie das Betreiben eines Museums, immer in Kooperation mit dem HMB, wie die Initianten von Hü-Basel betonen. Kosten soll das zwischen 150 000 und 300 000 Franken. Zum Vergleich: Das aktuelle Finanzloch des Historischen Museums beträgt 745 000 Franken.