In der Mitte des De-Wette-Parks steht ein Wagen. Darauf zwei grosse Verstärker, die mit dem Plastik aus Abfallsäcken vor dem Regen geschützt sind. Daneben halten sich Sanitäter und Personen bereit, die für «die emotionale Sicherheit sorgen», wie später erklärt wird. Vor dem Demowagen sitzen junge Leute, sie ziehen Fahnen auf Stöcke. «Antifaschismus stärken» steht auf einer. Auch auf zahlreichen anderen Transparenten sind Parolen gegen Faschismus und für ein Nazifreies Basel zu lesen. «Never again», «Basel bleibt Nazifrei» oder «Solidarität isch e Waffe».

Die Stimmung im Park ist aufgeladen. Leute stehen in Gruppen zusammen, letzte Kartons werden beschrieben und letzte Sprüche eingeübt.
Rund 400 Personen versammelten sich am Samstag um 14 Uhr im De-Wette-Park beim Bahnhof SBB zu einer Demonstration. Das Bündnis «Basel nazifrei» hatte zur Kundgebung aufgerufen. Wegen des Protestzugs wurde der Tramverkehr für mehr als zwei Stunden unterbrochen.

Knapp 60 Verfahren eingeleitet

Auf den Flugblättern, die an der Kundgebung verteilt wurden, waren die Ziele der Organisatoren klar formuliert: «Nieder mit dem Faschismus», «Hoch die internationale Solidarität». Doch nicht nur gegen Faschismus richtete sich die Demo. Auch das Wort «Repression» stand auf den Blättern und wurde von den Aktivisten laut herausgerufen.

Repression durch die Basler Staatsanwaltschaft, sind sich die Demonstrantinnen und Demonstranten einig: Bereits im November 2018 gingen in Basel etwa 2000 Menschen auf die Strasse. Sie demonstrierten gegen eine bewilligte Kundgebung der rechtsextremen «Partei national orientierter Schweizer» (Pnos), die zur selben Zeit stattfand. Bei dieser nicht bewilligten Gegendemonstration kam es zu zahlreichen Ausschreitungen.

Mehrere Teilnehmende der Protestaktion gelangten beim Badischen Bahnhof hinter die Polizeilinie und warfen mit Steinen, Baumaterial und Flaschen nach den Polizistinnen und Polizisten. Daraufhin setzten diese Gummischrot und Reizgas ein. Mindestens drei Aktivisten wurden verletzt.

Vor wenigen Wochen leitete die Staatsanwaltschaft knapp 60 Strafverfahren ein, grösstenteils gegen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gegendemonstration. Es kam zu Hausdurchsuchungen und Festnahmen. «Ich finde es schlimm, dass jetzt Einzelne herausgepickt und belangt werden. Welche Botschaft möchte man damit aussenden?», fragte sich eine 40-jährige Demonstrantin, die anonym bleiben möchte. Das Handeln der Staatsanwaltschaft habe sie dazu bewogen, am Samstag nochmals auf die Strasse zu gehen und für ihre Rechte einzustehen.

Die Menschenmasse, die vom De-Wette-Park über die Mittlere Brücke zum Theodorskirchplatz lief, bestand grösstenteils aus jüngeren Leuten. Personen verschiedenster Gruppierungen, so beispielsweise der «Antifaschistischen Aktion Zürich», des «revolutionären Aufbaus» oder die «Kommunistische Jugend», nahmen teil. Juso-Baselland-Präsidentin Anna Holm freute sich über die Vielfalt: «Veränderung können wir nur bewirken, wenn wir sichtbar sind. Die Leute müssen sehen, dass sie nicht alleine sind und dass wir zusammen kämpfen.»

Ganz vorne im Demozug liefen mehrere Reihen aus schwarz gekleideten, vermummten Personen. Diese waren es auch, die am Ende der Kundgebung das Waisenhaus am Theodorskirchplatz mit den Worten «Basel bleibt nazifrei» besprayten. Die Polizei griff nicht ein und war auch während der restlichen Demo kaum sichtbar. «Wir haben das Geschehen mitverfolgt. Bei der Kundgebung kam es aber zu keinen grösseren Zwischenfällen, die Polizei musste nicht einschreiten», so Toprak Yerguz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements.