«Die Zürcher Fans treffen sich nach dem Match in der Telefonkabine vor dem Stadion», lautete einmal die legendäre Ansage eines provokanten Stadionspeakers im Joggeli. Während früher viele von ihnen einen Lebensmittelpunkt darstellten, fristen heute nur noch einige wenige Telefonzellen ein Randdasein als Treffpunkt. Jene tempelartig assortierten Kabäuschen am Barfüsserplatz etwa.

Dort verabreden sich auch jene Menschen noch, die nie eine Telefonkarte in ihrem Portemonnaie mitgeschleift, nie die vergilbten Seiten der Telefonbücher nach kuriosen Namen durchforstet und nie den abgestandenen Rauch hunderter Vorbenutzer inhaliert haben.
Trotz Display, Euro-Münzschlitz und Liftmusik beim Betreten der kleinen Häuschen: Telefonkabinen sind bauliche Restanzen einer anderen Zeit des Service Public.

Das sieht auch der Bundesrat so: Noch bis zum Ende dieses Jahres gehören Publifone, wie sie eigentlich heissen, zur Grundversorgung. Danach wird Konzessionsträgerin Swisscom in Absprache mit den Gemeinden frei verfügen, welche Zellen auch in Zukunft noch unterhalten werden. Viele dürften es nicht mehr sein, das zeigt sich schon jetzt. «Publifone werden heute kaum mehr genutzt, da fast alle ein Handy besitzen.

Von 2004 bis 2016 ist die Anzahl Gespräche um 95 Prozent zurückgegangen», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Alleine in den Kabinen aus der Grundversorgung waren es im vergangenen Jahr minus 30 Prozent. Weltweit verdränge die Mobiltelefonie die halböffentlichen Sprechnischen. «Damit werden Ersatzteile rarer und der Unterhalt teurer – für eine Dienstleistung, die kaum mehr nachgefragt wird», sagt Hubacher.

Schon jetzt gibt es in der Schweiz Orte, an denen die Hörer häufiger geputzt denn für ein Gespräch genutzt werden. Gerade einmal 15 Prozent der Publifone lohnen sich für die Swisscom finanziell. Insgesamt besitzt das Kommunikationsunternehmen noch rund 3553 davon, in den Spitzenjahren 1997 und 1998 waren es noch über 13 000.

Den grössten Teil stellen inzwischen jene Apparate, die noch durch die geltende Grundversorgung am Leben behalten werden. Fällt diese weg, bedeutet dies vielerorts das Verschwinden der Kabinen: «Swisscom wird den Restbestand weiter reduzieren», sagt Hubacher. «Lehnt eine Gemeinde das Gesuch der Swisscom ab, so bleibt das entsprechende Publifon selbstverständlich bestehen und wird von Swisscom weiterhin betrieben», heisst es zwar weiter. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass sich viele Gemeinden für einen Verbleib der historischen Anlagen starkmachen werden. Zur Rentabilität einzelner Standorte will die Swisscom keine Angaben machen.

Einsamkeit im Leimental

Speziell auf dem Land droht damit der Kahlschlag. Nur gerade sechs Standorte bewirtschaftet die Swisscom aus freien Stücken: Zwei in Sissach am Bahnhof, zwei in Birsfelden, je einen in Muttenz und Laufen. Weitere 68 öffentliche Telefone von Aesch bis Zwingen gehören zum Inventar der Grundversorgung. Das einsamste Telefon des Baselbiets steht in Burg im Leimental. In der Stadt ist es Anschluss Nummer 061 731 16 98, welcher kaum je benutzt wird: Neben dem Milchhäuschen, am Badweg 2, verkümmert die Telefonzelle.

Dennoch: In der Stadt sieht das Bild etwas anders aus. Die Basler scheinen an ihren Apparaten zu hängen. Lange Zeit standen hier gar mehr Telefonkabinen als in Zürich. 64 Anlagen konnten sich bislang behaupten, ohne der Pflicht des Service Public nachzukommen. Sie sind also nicht unmittelbar von einer baldigen Rasur betroffen.

Die meisten dieser Kabinen stehen in der Innenstadt: am Marktplatz, am Barfüsserplatz, am Bahnhof SBB. Auch jene Kabinen, die für den träfen Kommentar während eines FCB-Matchs herhalten mussten, dürfen sich Chancen auf einen Verbleib ausrechnen.